Zoo Zürich

Cahaya hat innert kurzer Zeit zwei Jungtiere geboren – eine Seltenheit bei den Orang-Utans

Unerwartete Schwangerschaft, unbekannter Vater: Affen-Mutter Cahaya mit ihrem jüngsten Nachwuchs Utu ("Floh").

Unerwartete Schwangerschaft, unbekannter Vater: Affen-Mutter Cahaya mit ihrem jüngsten Nachwuchs Utu ("Floh").

Die Orang-Utans im Zürcher Zoo haben schon wieder Nachwuchs: Das Orang-Utan-Weibchen Cahaya hat mit Affen-Baby Utu («Floh») ein weiteres Jungtier geboren - obwohl sie nach ihrer letzten Geburt noch gar nicht wieder empfängnisbereit sein sollte.

Cahaya ist es unwohl im Strohnest auf der linken Seite des Geheges im Zoo Zürich. In drei langen Schwüngen ist sie auf der anderen Seite – und da sieht man es, ihr zwei Wochen altes Baby. Utu – was so viel heisst wie Floh – klammert sich an die Brusthaare ihrer Mutter. Kurz nachdem es sich die beiden im Nest auf der anderen Seite bequem gemacht haben, schwingt sich noch ein kleiner Orang-Utan quer durchs Gehege. Das Äffchen mit einem Busch abstehender Haare auf dem Kopf schnappt sich eine Tomate und schmeisst sich zu Mutter und Baby ins Nest. Riang ist Utus ältere Schwester und zweieinhalb Jahre alt.

Es sei aussergewöhnlich, dass ein Orang-Utan-Weibchen wieder trächtig werde, während es sein Jungtier noch säuge, sagte Zoo-Kurator Robert Zingg vor den Medien. In der Regel verhindere die sogenannte Laktationsamenorrhö den Eisprung. Deshalb empfehle das Zuchtprogramm, den Weibchen erst dreissig Monate nach der Geburt die Pille zu geben. Cahaya war aber schon nach 20 Monaten wieder trächtig. «Die Empfehlung muss wohl überdacht werden», sagte Zingg.

Mit Utu ist die Orang-Utan-Gruppe in Zürich auf elf Tiere angewachsen und die grösste in Europa. Für Cahaya ist der Altersabstand ihrer Töchter eine Herausforderung. Utu muss ähnlich wie ein Menschen-Baby rund um die Uhr betreut werden, aber auch Riang verlangt Aufmerksamkeit und die Brust ihrer Mutter. Trotzdem ist der kleine Wildfang schon recht selbstständig.

Cahaya mit ihrer Tochter Utu.

Cahaya mit ihrer Tochter Utu.

Sumatra-Orang-Utans werden während dreier Jahre gesäugt und bleiben danach noch lange bei den Müttern, weil sie lernen müssen, wie man ein Nest baut, welche Früchte essbar sind und wie man von Baumkrone zu Baumkrone hangelt. Üblicherweise liegen sechs bis acht Jahre zwischen den Geburten. In der Wildbahn haben Orang-Utans die längsten Geburtsintervalle aller Säugetiere.

Allein in der Plantage gefunden

Im Vergleich zu ihren wilden Verwandten haben Riang und Utu Glück. Denn ganz ohne Mutter aufwachsen muss Rundeng in Sumatra. Sie ist einen Monat älter als Utu und gelangte Anfang Jahr als jüngster Patient überhaupt in die Pflegestation des Orang-Utan-Schutzprogramms der Schweizer Stiftung Paneco. Rundeng wurde alleine in einer Palmölplantage gefunden, wie Irena Wettstein, Co-Geschäftsleiterin von Paneco, gestern sagte. Ihre Mutter kam vermutlich durch ein Luftgewehr ums Leben, mit dem die Bauern die Tiere aus ihren Plantagen vertreiben. Rundeng wird nun von einer Pflegerin mit der Flasche aufgezogen.

SUMATRA-ORANG-UTAN UTU

Gleichzeitig gelangten sieben weitere junge Orang-Utans in die Pflegestation. Eine aussergewöhnliche Häufung, wie Wettstein sagt. Eines der Jungtiere wurde im Gepäck eines russischen Touristen auf Bali gefunden, andere wurden illegal als Haustiere gehalten und von der Polizei konfisziert. «Ein junger Orang-Utan mag anfangs unterhaltsam sein», sagte Wettstein. Spätestens als Fünfjährige landen die Tiere aber oft im Hinterhof und vegetieren in Käfigen vor sich hin.

Rundeng und die anderen Jungtiere werden im Durchschnitt sechs Jahre in der Auffang- und Pflegestation verbringen, bis sie in ein geschütztes Stück Regenwald ausgewildert werden – in der Hoffnung, dass ihre Nachkommen eher wie Utu aufwachsen als traumatisiert wie Rundeng.

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