Café Fédéral
Knacknuss für das Bundesamt für Landwirtschaft: Wie hoch ist der Grossvieheinheitsfaktor einer Schnecke?

Der Tessiner Nationalrat Bruno Storni will mit Support von links bis rechts der schweizerischen Schneckenzucht auf die Sprünge helfen. Gelingt der Coup, stellen sich auch rechnerische Fragen.

Kari Kälin
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Eine Schneckenzucht in Bulgarien.

Eine Schneckenzucht in Bulgarien.

Bild: Getty

Sie mahlen bekanntlich langsam, die Mühlen in Bundesbern. Vorschläge für Gesetze werden oft zerredet, zwischen National- und Ständerat hin- und hergeschoben, links und rechts stehen sich nicht selten konsenslos gegenüber.

Ausgerechnet beim Thema Schnecken stehen die Chancen nun gut, dass der helvetische Politbetrieb auf Turbomodus schaltet. In seltener Eintracht unterstützen Nationalräte und Nationalrätinnen aller grossen Parteien von links bis rechts einen Vorstoss von Bruno Storni: Der Tessiner Sozialdemokrat fordert, dass die Schneckenzucht als landwirtschaftliche Tätigkeit anerkannt wird, damit Bewilligungen für Schneckenfarmen in der Landwirtschaftszone erteilt werden können.

Natürlich geht es auch ums Geld. Für anerkannte landwirtschaftliche Aktivitäten winken unter Umständen Direktzahlungen. Storni wirft ökologische, ökonomische, raumplanerische und kulinarische Argumente ins Feld: Die Schneckenzucht sei umweltverträglich, in Italien sei der Umsatz mit ihr in den letzten Jahren auf 350 Millionen Euro gestiegen, es brauche keine grosse Bauten («kleine mobile Pferche genügen»), und Schnecken seien ein vorzügliches Lebensmittel.

Die Schneckenoffensive könnte allerdings rechnerisch eine Knacknuss werden. Der Tierbestand müsste in Grossvieheinheiten (GVE) umgerechnet werden. Als Faktor 1 gilt eine Milchkuh. Für Schnecken müsste die Bauernbürokratie wohl sehr weit hinter die Kommastelle gehen – ein Küken entspricht 0,004 GVE.

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