Bundesanwalt Beyeler verlangt kürzere Verfahren - und verteidigt von Daeniken
Bundesanwalt Beyeler verteidigt von Daeniken

Bundesanwalt Erwin Beyeler nimmt den Rücktritt von Urs von Daeniken als Leiter des Projekts «Neuorganisation» wegen des jüngsten Fichenskandals. «Bei uns hat er seine Aufgabe sehr gut gelöst», lobt ihn Beyeler.

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Bundesanwalt Erwin Beyeler (Archiv)

Bundesanwalt Erwin Beyeler (Archiv)

Keystone

Im Interview mit der «Aargauer Zeitung» äussert sich Bundesanwalt Erwin Beyeler zum Rücktritt von Urs von Daeniken, der wegen des Fichen-Berichts nun die Leitung des Projekts «Neuorganisation» Bundesanwaltschaft abgibt. Beyeler: «Wir nehmen diesen Entscheid zur Kenntnis. Die Kritik an Herrn von Daeniken bezieht sich nicht auf seine Funktion als Projektleiter. Bei uns war er im Auftrag von Bundesrätin Widmer tätig und hat seine Aufgabe sehr gut gelöst.»

Verstehe den Wirbel nicht

Beyeler äussert sich im Interview erstmals ausführlich zu seiner Rolle im Fall des Drogenbarons Ramos: «Ich verstehe den ganzen Wirbel nicht. Ich würde ihn auch nicht verstehen, wenn ich beteiligt gewesen wäre.»

Beyeler nimmt auch zu seinen widersprüchlichen Aussagen Stellung - erst hatte er gesagt, er habe als damaliger Chef der Bundeskriminalpolizei «rein gar nichts» mit der Verpflichtung von Ramos zu tun gehabt, später räumte er ein, dass er bei den «Vorabklärungen» involviert war. Jetzt sagt Beyeler: «Das ist kein Widerspruch. Es geht um die Auslegung des Begriffs Einsetzung.»

Viel zu lange Verfahren

Im weiteren stört sich auch der Bundesanwalt daran, dass sich viele Verfahren jahrelang dauern, was von verschiedenster Seite bemängelt wird. «Ein grosser Fall sollte nach spätestens vier Jahren zur Anklage gebracht werden», so Beyeler. «Das ist aber leider oft schwierig zu erreichen, nur schon wegen der grossen Menge an Akten.» Zudem sei die Bundesanwaltschaft sehr oft von Rechtshilfeverkehr mit dem Ausland abhängig.