Kindersitz

Bundesamt für Strassen: «Der Sitz gehört zum Kind»

Crashtest: Selbst ein leichter Aufprall kann für ein grosses Kind mit normalem Sicherheitsgurt tödlich enden. (ZVG)

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Crashtest: Selbst ein leichter Aufprall kann für ein grosses Kind mit normalem Sicherheitsgurt tödlich enden. (ZVG)

«Noch nie wurde ein Thema von den Medien und den Leuten so spät aufgenommen und dann so viel darüber geschrieben», sagt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Er äussert sich über Verletzungen trotz Gurt und sagt, dass die Sicherheit der Kinder über allem stehe.

Interview: Corinne Rufli

Herr Rohrbach, was tut man, wenn man ein Kind im Auto mitnehmen will und keinen Kindersitz bei sich hat?
Thomas Rohrbach: Die meisten Kinder haben einen Kindersitz. Der Sitz gehört zum Kind, deshalb kommt der Sitz auch mit, wenn man mit der Nachbarin in die Badi fährt. Diesen Mehraufwand muss man in Kauf nehmen.

Sind grössere Kinder nicht zu gross für Kindersitze?
Rohrbach: Je nach Fall eignet sich auch eine Sitzerhöhung, gerade für die grösseren Kinder. Eine solche kann man bereits für 30 Franken kaufen. Die Sicherheit des Kindes steht im Vordergrund.

Es gibt ja noch immer Leute, die Kinder gar nicht anschnallen. Muss man nicht zuerst dort ansetzen, bevor man neue Pflichten einführt?
Rohrbach: Ich kann Eltern nicht verstehen, die ihre Kinder nicht angurten. Denn diese werden bei einem Unfall mit Garantie schwer verletzt. Kinder haben ein besonderes Schutzbedürfnis, da sie den Erwachsenen ausgeliefert sind. Die Crashtests der BfU und des TCS zeigen klar, was bei Unfällen passiert, auch mit Gurte.

Welche Verletzungen gibt es bei Kindern, denen die Sicherheitsgurte zu gross ist?
Rohrbach: Das sind schwerste Hals- und Bauchverletzungen, innere Verletzungen oder auch die Erwürgung durch den Gurt. Mit einer Sitzerhöhung oder einem Kindersitz kann man viele Verletzungen ausschliessen. Trotzdem: Besser mit einem 3-Punkt-Gurt gesichert als gar nicht angeschnallt.

Gegen die Neuregelung wurde eine Petition eingereicht.
Rohrbach: Die Kritik der Petition oder der Medien interessiert uns nicht. Es geht nur um die Sicherheit der Kinder. Es muss nicht immer erst Schlimmes passieren, bis man handelt.

Es werden also keine Ausnahmen hinzugefügt?
Rohrbach: Letzte Woche gab es ein Gespräch mit dem Departement und mit Bundesrat Leuenberger. Ausnahmen wurden diskutiert. Wir wollen aber keinen Rückschritt machen, indem wir Ausnahmen hinzufügen. Diese Verantwortung wider besseres Wissen wollen wir nicht übernehmen. Aber klar, das Parlament könnte noch etwas ändern.

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