Verkehr

Bund lockert Verkehrsregeln: Senioren sollen länger Autofahren dürfen

Ältere Menschen sollen länger Autofahren dürfen.

Ältere Menschen sollen länger Autofahren dürfen.

Senioren mit gesundheitlichen Problemen sollen länger Autofahren dürfen. Das will der Bund ab 2014 ermöglichen. Sie sollen aber nicht überall herumfahren dürfen, sondern nur in definierten Rayons. Experten halten nichts von der neuen Regelung.

«Via Sicura» nennt sich das grosse Projekt des Bundes, das zu mehr Sicherheit auf den Schweizer Strassen führen soll. Das zweite Paket, das auf Anfang 2014 in Kraft treten soll, beinhaltet nun überraschenderweise einige Erleichterungen für autofahrende Senioren, wie das Nachrichtenmagazin «10vor10» berichtet.

Wer die medizinischen Anforderungen nicht mehr ganz erfüllt, soll auf definierten Strecken trotzdem weiter Auto fahren dürfen. «Der Führerausweis kann namentlich örtlich, zeitlich, auf bestimmte Strassentypen (...) beschränkt werden», zitiert die TV-Sendung aus der Verordnung des Bundes, die nächstes Jahr in Kraft treten soll.
Senioren dürften dann etwa weiter am Wohnort herumfahren, aber zum Beispiel nicht mehr auf die Autobahn.

«Es geht darum, die Mobilität des einzelnen Menschen zu erhalten», erklärt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen, «es soll einen gewissen Handlungsspielraum geben, damit man im Einzelfall die richtige Lösung finden kann.»

Skeptische Experten

Verkehrsmediziner Rolf Seeger von der Universität Zürich kritisiert die Pläne des Bundes scharf. Bei vielen Senioren diagnostiziert er Hirnleistungsstörungen, Autofahren sei dann generell zu gefährlich: «Wenn die Hirnleistungsstörungen verkehrsrelevant sind, geht das auch in einem engen Rayon nicht. Der Senior macht dann die Fehler auch an seinem Wohnort, auch beim Schulhaus, wo er verlangsamen müsste.»

Skeptisch ist auch Carlo Gsell, Leiter Administrativmassnahmen beim Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich. Ländliche Kantone würden schon heute in Ausnahmefällen einzelne Fahrstrecken erlauben, aber nicht im grossen Stil. Er befürchtet, dass die Senioren solche Fahrberechtigungen dann aktiv einfordern könnten, wenn der Bund das explizit ermöglicht.

Auch Mindestsehschärfe wird angepasst

Der Bund will auch die Mindestsehschärfe nach unten korrigieren. Heute muss man mit Brille auf dem besten Auge mindestens 60 Prozent sehen, neu nur noch 50 Prozent. Eine Angleichung an die EU-Normen. «Eine halbe Milliarde EU-Bürger darf so herumfahren, auch auf unserern Strassen; da gehen wir davon aus, dass das für Schweizerinnen und Schweizer auch geht», sagt Rohrbach.

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