Der Sitz der Bündner SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher sei akut gefährdet, weil sich die Mitte-Parteien bei den Wahlen möglicherweise in einer Listenverbindung zusammentun – das berichteten gestern die Tamedia-Zeitungen. Jetzt nimmt die Politikerin gegenüber der „Schweiz am Wochenende“ Stellung. 

Frau Martullo, wie sehr zittern Sie?

Die SVP gewann 2015 den zweiten Sitz knapp, weil sich die anderen grossen Parteien auch dann zusammenschlossen. Dass die Wahl klappte, überraschte mich. Wir konnten aber den Wähleranteil von 20 auf 30 Prozent steigern. Dass wir für den zweiten Sitz kämpfen müssen, ist nichts Neues.

Es ist doch ein übermässiger Machtanspruch der SVP, zwei von fünf Bündner Sitzen zu besetzen.

Nein. Wir sind mit Abstand die grösste Partei. Und Sie müssen den Ständerat miteinbeziehen, wo CVP und FDP auch noch einen Sitz haben.

Der Trend spricht gegen Sie: Die SVP hat zuletzt bei kantonalen Wahlen verloren.

Wir sind nach wie vor Gewinner mit am meisten Wählerstimmen, ausser in der Westschweiz, wo wir noch strukturelle Probleme haben. Wir gewannen sogar Regierungssitze dazu. Aber natürlich müssen wir als SVP kämpfen und aufzeigen, dass es die SVP in Bern braucht, weil alle anderen Parteien in die EU und das institutionelle Abkommen wollen.

Wenn die SVP den zweiten Bündner Sitz verliert, könnte es auch Nationalrat Heinz Brand und nicht Sie treffen.

Wir arbeiten für möglichst viele SVP-Stimmen. Unser Leistungsausweis lässt sich sehen. Noch nie wurde in einer Legislative so viel für Graubünden erreicht: langfristig tiefe Mehrwertsteuern im Tourismus, keine Knebelverträge bei Booking-Plattformen mehr, Ausnahmen der Regulierung fürs Gewerbe, Verstärkung des Grenzwachtkorps, Erhalt der Wasserzinsen.

Es gibt Spekulationen, dass Sie als Ständerätin antreten. Planen Sie das?

Die SVP hat die Kandidaturen noch nicht offiziell bestimmt. Ein SVP-Ständerat wäre, wie in Zürich, sinnvoll. Die heutigen beiden Ständeräte wollen den EU-Rahmenvertrag abschliessen und die Zuwanderung nicht selber steuern. Ein Grossteil der Bevölkerung denkt hier anders. Diese müssen im Ständerat auch vertreten sein.

Sie liebäugeln also mit einer Kandidatur?

Im Moment ist alles offen.

Die Tamedia-Zeitungen warfen die Frage auf, ob Sie nun im Kanton Zürich als Nationalrätin kandidieren, wo Ihre Wahl so gut wie sicher wäre.

Nein, das ist kein Thema. Ich bin in Graubünden Unternehmerin und habe, wie gesagt, als Nationalrätin mit der SVP, etwa in der Wirtschaftskommission, sehr viel für den Kanton erreicht. Das passt.

Wenn Ueli Maurer zurücktritt, kandidieren Sie dann als Bundesrätin?

Er wurde ja gerade mit einem Spitzenresultat als Bundespräsident gewählt. Wir haben viele gute mögliche Nachfolger in der SVP. Glauben Sie mir: Ich will nicht Bundesrätin werden, ich bin Unternehmerin und nur Milizpolitikerin. Unabhängig von der Position, ich kämpfe für die Interessen der Schweiz.