Aussenpolitik ist Innenpolitik, betont Bundesrat Ignazio Cassis immer und immer wieder. «Ich möchte dafür sorgen, dass Aussenpolitik in den Köpfen der Leute nicht mehr etwas Fremdes, sondern etwas Einheimisches ist», sagte er kürzlich in einer Rede vor der Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik.

Das Aussendepartement EDA lässt diesen Worten nun Taten folgen: Es führt zum ersten Mal die Aktion «Meet the Ambassadors» durch - auf Deutsch «Treffen Sie die Botschafter». Die Idee: Schweizer Diplomaten gehen für einen Tag in ihre Heimatkantone, um von ihrer Arbeit zu erzählen.

Mit einem Oldtimer-Bus fahren EDA-Mitarbeitende während gut zwei Wochen quer durch die Schweiz. Gestartet wird am 19. August in Graubünden, danach folgen zehn weitere Stationen. An jedem Ort treffen Diplomaten aus der jeweiligen Region Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch normale Bürger.

Plaudern auf dem Dorfplatz

Offensichtlich soll die Aktion möglichst volksnah sein. EDA-Staatssekretärin Pascale Baeriswyl schreibt auf der eigens für die Aktion aufgeschalteten Webseite: Die Diplomaten «besuchen Schulen, halten Vorträge in Gemeindesälen oder plaudern auf Dorfplätzen mit der Bevölkerung. Sie erzählen, wer sie sind und welche Themen gegenwärtig im Fokus der Aussenpolitik stehen.» Und sie wollten von der Bevölkerung wissen, welche Schwerpunkte die Schweizer Aussenpolitik setzen solle.

Bundesrat Cassis hatte die Aktion vor einer Woche am Jubiläum des Sprachverbandes Lia Rumantscha erwähnt. «Wir nennen das ‹Botschafter bi de Lüt›», sagte er gemäss Redetext. Es sei wichtig, dass die Bevölkerung die Aussenpolitik verstehe und unterstütze, begründete er die Aktion. «Ausserdem müssen meine Mitarbeitenden unser Land gut kennen, wenn sie es im Ausland vertreten wollen.»

Diplomaten aus aller Welt mit dabei

Es ist das erste Mal, dass eine solche Aktion durchgeführt wird, wie das Aussendepartement auf Anfrage erklärt. Das Projekt sei eine Möglichkeit, «die Aussenpolitik und die Arbeit der Schweizer Diplomatie in einer immer vernetzteren Welt der Bevölkerung in der Schweiz näher zu bringen und verständlich zu machen». Den Diplomaten wiederum soll der Anlass einen Eindruck über die Vorstellungen und Erwartungen an die Schweizer Aussenpolitik geben.

Mit dabei sind zum Beispiel Paul Seger, Botschafter in Berlin, Daniel Hunn, Botschafter in Addis Abeba (Äthiopien) und Marion Weichelt Krupski, Botschafterin in Dakar (Senegal). Auch Diplomaten, die in weit entfernten Ländern wie Australien oder Myanmar stationiert sind, machen bei der Aktion mit.

Die Botschafter reisen indes nicht extra für «Meet the Ambassadors» in die Schweiz, wie das Aussendepartement versichert. Sie seien sowieso bereits im Land, da Ende August die Botschafterkonferenz in Bern stattfindet. Das Budget für das gesamte Projekt beläuft sich laut Aussendepartement auf rund 75'000 Franken.

«Das ist Kasperli-Theater»

Kritik an der Aktion kommt von SVP-Aussenpolitiker Roland Büchel, der mit Mitte 20 selbst verschiedene Einsätze in Botschaften und Konsulaten geleistet hat. «Das ist Kasperli-Theater», sagt er. Selbstverständlich gehöre es dazu, dass der Bund über seine Arbeit informiere, gerade auch in der Aussenpolitik. «Die Beziehungen mit dem Ausland werden immer komplexer», sagt er: «Aber das Aussendepartement macht zu viel Show und Brimborium.»

Büchel würde sich mehr Zurückhaltung wünschen. «Die Bundesangestellten sollen jeden Tag einen guten Job machen. Das ist viel überzeugender als eine solche Roadshow», sagte er. Und fügt an: «Eine derartige Werbetour kann man für eine neue Glacé machen, aber nicht für die Schweizer Diplomatie.»

Den Puls der Bevölkerung spüren

Ganz anders sieht das CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter: «Ich begrüsse die Aktion sehr.» Die Aussenpolitikerin ist Präsidentin der Handelskammer beider Basel, mit der sich die Diplomaten im Rahmen von «Meet the Ambassadors» treffen. Sie sagt, die Aktion sei wertvoll, denn die Aussenpolitik beeinflusse die Innenpolitik immer stärker.

Der Austausch bringe beiden Seiten etwas, ist sie überzeugt. «Ich finde es wichtig, dass die Diplomaten den Puls der Bevölkerung spüren. Schliesslich sind sie unsere Botschafter in der Welt.» Gleichzeitig könnten sie die Schweizer und Schweizerinnen sensibilisieren und aufzeigen, wie die Aussenpolitik funktioniere.