Grenchen
Boris Banga trotzt allen Rücktrittsforderungen

Der Grenchner Stadtpräsident ist massiv unter Druck und läuft zur Hochform auf. Das Klima in der Uhrenstadt ist aufgeheizt.

Theodor Eckert
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Boris Banga ist eine schillernde Figur: Er weiss, was er will, und versteht es, sich und seine Anliegen in der Öffentlichkeit in Szene zu setzen. Boris Banga ist ein erfolgreicher Politiker: Der SP-Mann hat es bis in den Nationalrat geschafft und sich in der Sicherheitpolitischen Kommission (SIK) nicht mit der Statistenrolle begnügt.

In Grenchen ist er fünfmal als Stadtpräsident gewählt worden. Boris Banga ist eine umstrittene Persönlichkeit: Wer nicht sein Freund ist, ist schnell mal sein Feind. Seine Worte legt er nicht auf die Goldwaage. Mit seinen Gegnern geht er nicht zimperlich um. Sie mit ihm inzwischen allerdings auch nicht mehr. Das Klima in der Uhrenstadt ist entsprechend aufgeheizt.

Seit Banga 2007 überraschend aus dem Nationalrat abgewählt wurde, kann er seine Schaffenskraft voll auf das Stadtpräsidium konzentrieren. Einigen wohl zu voll: Der raue Umgangston des Stapi stiess zunehmend auf Ablehnung. Aus der Stadtverwaltung wurden zudem Mobbing-Vorwürfe laut.

Mehr als Ecken und Kanten

Banga wäre nicht Banga, hätte er den Stier nicht bei den Hörnern gepackt und gegen sich eine externe Untersuchung angestrengt. Das Ergebnis liegt vor, ist allerdings als geheim deklariert worden. Eine Medienmitteilung der zuständigen Gemeinderatskommission wiegelte er vergangene Woche ab. Gegenüber der az sagte der angeschlagene Stadtpräsident zuversichtlich: «Das Thema Mobbing ist vom Tisch, darüber bin ich froh, denn das hätte mich gebissen.»

Inzwischen ist Banga doch noch gebissen worden: Obwohl bloss wenige markierte Exemplare des Berichts vorhanden sind, haben seit vergangenem Freitag verschiedene Medien daraus zitiert. Auszüge davon liegen auch der az vor. Darin stehen tatsächlich Dinge, die aufhorchen lassen und Boris Banga nicht bloss als Mann mit «Ecken und Kanten» (seine Selbsteinschätzung) hinstellen. Freunde wiegeln indes ab, das seien doch bekannte Geschichten. Der Banga sei eben so, das wüssten alle und trotzdem oder eben gerade deshalb werde er immer wieder gewählt. Allerdings taucht auch immer wieder der Vorwurf auf, Banga schüchtere seine Gegner regelrecht ein.

Dazu liefert die «SonntagsZeitung» ein eindrückliches Beispiel. Im Rahmen einer Ehrung für verdiente Grenchner Behördenmitglieder habe sich Banga mit SVP-Mitgliedern einen «wüsten Streit» geliefert und gedroht: «Ich habe Dossiers von euch allen. Wenn ihr mir an den Kragen geht, mache ich euch alle fertig.» Aus solchen Vorkommnissen schliessen Beobachter, dass Banga aktiv darauf hingewirkt habe, den Ball in Sachen Expertenbericht möglichst tief zu halten. Und genau das hat offenbar nicht allen gefallen. Zum Geheimpapier will sich Banga nicht äussern. Zudem beklagt er, dass er nicht angehört worden sei. Kämpferisch wie immer, verlangt der Jurist Banga nun eine Disziplinaruntersuchung. Zudem dürfte er eine Amtsgeheimnisverletzung geltend machen.

Und politisch, wie geht es weiter? Bisher wischte das Stadtoberhaupt sämtliche Rücktrittforderungen locker vom Tisch. Gegenüber der az sagte er gar trotzig, bei dieser Konstellation müsse er sich eine sechste Kandidatur geradezu überlegen. Ob er denn im kommenden Jahr nochmals für den Nationalrat antrete. Darauf meinte er vielsagend: «Darüber sprechen wir später.» Ob so oder so, sicher ist: In Sachen Banga gibt es immer eine Fortsetzungsgeschichte.