Elefantenrunde nach der zweimonatigen Sommerpause. Zurück aus den Ferien eröffnet SRF-Moderator Sandro Brotz die «Arena» gleich mit dem wichtigsten Thema dieses Jahres: den bevorstehenden Wahlen. Ins Studio geladen sind die Präsidentinnen und Präsidenten der wählerstärksten Parteien.

Noch acht Wochen dauert es bis zum grossen Showdown. Die Parteien haben sich in Position gebracht. Die SP druckt ihr Logo auf rote Socken, die BDP verteilt gelbe Trinkflaschen, die CVP versucht es spielerisch mit orangen Luftballons. Wem gelingt es, am 20. Oktober bei den National- und Ständeratswahlen am meisten Stimmen zu holen?

«Das oberste Ziel ist es, die SVP/FDP-Mehrheit zu brechen und konstruktivere Mehrheiten zu schaffen», sagt SP-Präsident Christian Levrat. CVP-Präsident Gerhard Pfister indes ist überzeugt, dass es seine Partei sein wird, die im Oktober zulegen wird. «Wir halten die Schweiz zusammen», sagt er. Hauptsache man hört sich zu, findet Petra Gössi, Präsidentin der FDP. Es gehe jetzt darum, gemeinsam weiterzukommen, Lösungen zu finden, einander zuzuhören. «Nur so können wir etwas erreichen.»

Etwas zu lange lässt Moderator Sandro Brotz die Partei-Chefs ihre Sprüchlein runterrattern, bevor er schliesslich zum ersten Streitpunkt der Sendung überleitet: dem Wahlplakat der SVP.

Nicht an allen Fronten kämpfen die Parteien mit handzahmen Flyern, Socken oder Luftballons. Der SVP dient als Sujet für ihre Kampagne ein Apfel, der von Würmern zerfressen wird. Die Würmer tragen die Parteifarben blau, orange, grün und rot. In der Überschrift heisst es: «Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören?»

Brotz will von SVP-Präsident Albert Rösti wissen, was es mit diesen Würmern auf sich hat. Repräsentieren sie die anderen Parteien? «Meine Frage an Sie ist ganz konkret: Steht der blaue Wurm für Frau Gössi?»

Rösti ist die Situation sichtlich unangenehm. Während er sich windet, von Kosten spricht, die auf den Mittelstand abgewälzt werden, lachen sich Levrat, Pfister und Gössi ins Fäustchen. Sichtlich geniessen sie diesen kleinen Moment der Schadenfreude.

Petra Gössi versucht es in mütterlichem Ton. Wie zu einem trotzigen Kindergärtner sagt sie: «Weisch, s’Problem isch ebe das: Wenn diejenigen, die befehlen, beginnen unanständig zu sein, verlieren diejenigen, die gehorchen müssen, den Respekt.»

Kein Pardon kennt Levrat: «Das ist ein gelungenes Ablenkungsmanöver der SVP. Sie haben keine Konzepte beim Klima, keine Konzepte bei der Gleichstellung, keine Konzepte für ältere Arbeitnehmer, keine Konzepte für hohe Krankenkassenprämien. Das einzige, das ihnen eingefallen ist, ist eine Provokation.»

Nur Gerhard Pfister erbarmt sich und eilt dem SVP-Präsidenten zur Hilfe. Er weiss, dass Rösti als Partei-Chef das Plakat in der Öffentlichkeit verteidigen muss, ob es ihm persönlich gefällt oder nicht. Aber eigentlich habe er ein solches Plakat doch gar nicht verdient, es passe auch nicht zu ihm, schliesslich sei er doch ein «Gmögiger», ein «Netter».

Dann will sich Rösti verteidigen, holt zum Rundumschlag aus. Es seien doch gerade die anderen Parteien, die keinen Respekt zeigten, schliesslich würden sie den Volkswillen nicht akzeptieren, das habe sich bei der Masseneinwanderungsinitiative gezeigt. Doch Moderator Brotz schneidet ihm das Wort ab. «Jetzt vermischen Sie Stilfragen mit inhaltlichen Fragen. Herr Rösti, können wir das jetzt abschliessen?»

Und schon springt er zum nächsten Punkt. Er zieht unter seinem Pult eine grüne und eine rote Karte hervor. Brotz kündigte es schon zu Beginn der Sendung an: Er will, dass die Parteipräsidentinnen und -präsidenten Farbe bekennen. Darum soll es nun eine Abstimmung geben. Haben die Grünen Anspruch auf einen Bundesratssitz, sollten sie bei den Wahlen im Oktober mehr Sitze als die CVP holen? Wer findet «Ja», muss den grünen Zettel hochhalten, wer findet «Nein», den roten.

So enthusiastisch Brotz über den eigenen Stunt ist, richtig mitmachen mögen seine Studiogäste nicht. Selbst Grünen-Präsidentin Regula Rytz findet es noch zu früh, um über solche Fragen zu diskutieren. Sie hat keine Lust, sich weit aus dem Fenster zu lehnen und schon vorzeitig Anspruch auf eine Umschreibung der Zauberformel zu erheben. Anstatt dass sie bei Brotz’ Abstimmung den grünen Zettel hochhält, schwenkt sie den eigenen Parteiflyer in der Luft.

Etwas enttäuscht lenkt Brotz ein. Gut, dann diskutiere man nicht darüber, was nach den Wahlen kommt, sondern über das, was jetzt passiere. Er geht über zu einem der wichtigsten Themen im Wahlkampf: dem Klima. Inzwischen sind alle Parteien auf den Klimazug aufgesprungen, doch wie sieht es mit konkreten Zugeständnissen aus?

Ein Beispiel ist die Flugticketabgabe. Sollen Flugpassagiere mehr fürs Fliegen bezahlen müssen? Die Vorlage hat im Ständerat gute Chancen, angenommen zu werden. Danach muss der Nationalrat erneut darüber befinden. Am vehementesten auf der Bremse steht bei dem Vorhaben die SVP.

«Das bringt nichts, solange nicht auch das Ausland mitmacht», sagt Rösti. Ansonsten würden die Passagiere einfach ab nahe gelegenen Flughäfen ausserhalb der Schweiz fliegen und der Verkehr würde so zunehmen. Wenn, dann brauche es gemeinsame, internationale Massnahmen.

Da interveniert Grünen-Präsidentin Rytz. Rösti solle doch die Schweiz nicht verzwergen. Es habe schon andere Beispiele gegeben, wo die Schweiz mit gutem Beispiel alleine voran gegangen sei. «Wer wenn nicht wir, wann wenn nicht jetzt?», fragt sie und erntet dafür spontanen Publikumsapplaus.

Wieder lässt Brotz die Partei-Chefs abstimmen. Alle halten den grünen Zettel in die Luft und sprechen sich somit für eine Flugticketabgabe aus. Nur der SVP-Präsident hält alleine mit seinem roten Zettel dagegen.