Schweiz

Ausgerechnet Sportministerin Viola Amherd wollte den Schulsport für Jugendliche verbieten

Sportministerin Viola Amherd mit dem Fussballtrikot des FC Helvetia, des Frauenteams des Parlaments.

Sportministerin Viola Amherd mit dem Fussballtrikot des FC Helvetia, des Frauenteams des Parlaments.

Bundesrätin Amherd gilt als Vertreterin der striktesten Massnahmen gegen das Coronavirus. Das bestätigte sich am Mittwoch, als die Regierung ein Massnahmenpaket verabschiedete. Amherd forderte mehrere Verschärfungen.

Als die Schweiz am Mittwoch wartete, welche Corona­massnahmen die Regierung beschliesst, war klar, wer die Pole besetzt: Viola Amherd will starke Massnahmen, Ueli Maurer setzt auf Eigenverantwortung.

Amherd bekräftigte dies am Mittwoch einmal mehr. Die Sportministerin beantragte in einem Mitbericht, dass der Sportunterricht für 12- bis 16-jährige Schüler verboten wird. Das verblüffte ihre Bundesratskolleginnen und -kollegen.

Sie fanden den Antrag schwer nachvollziehbar, weil Jugendliche gerade in diesem Alter einen grossen Bewegungsdrang haben und es wichtig ist, ihn im Sportunterricht zu kanalisieren. Der Antrag hatte keine Chance.

Auch deshalb nicht, weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die Situation wohl bis im Frühling angespannt bleibt. Tenor deshalb: Jugendliche sollten nicht längere Zeit vom Sportunterricht ferngehalten werden.

Amherds Vorstoss löst kontroverse Diskussion aus

Bundesrätin Amherd plädierte für eine weitere Verschärfung im Sport. Sie wollte, dass in Innenräumen nur fünf Personen statt wie heute vorgesehen 15 Personen einzeln oder in Gruppen Sport betreiben dürfen.

Ein dritter Verschärfungs­vorschlag Amherds löste kontroverse Diskussionen aus. Berset hatte als Grundantrag eingebracht: Veranstaltungen und öffentliche Versammlungen dürfen nur noch von maximal 15 Personen besucht werden. Ausnahme: Für Beerdigungen, Hochzeiten und Gottesdienste sind 50 Personen zugelassen. Amherd verlangte, die Ausnahmen zu streichen. Auch diese Veranstaltungen dürften nur maximal 15 Besucher haben.

Die Regierung beschloss dann tatsächlich eine einheitliche Regelung. Nur lag sie nicht bei 15 Personen, wie es Amherd wollte, sondern bei 50.

Im Frühling wollte Amherd sogar eine Ausgangssperre

Amherd hatte sich im Bundesrat schon in der ersten Welle mit harten Forderungen profiliert. So forderte sie zum Beispiel eine Ausgangssperre. Zuletzt drängte sie offenbar darauf, dass der Bundesrat aufzeigt, welche Massnahmen er bei welcher Entwicklung ergreift.

Dass Amherd einen harten Kurs fährt, hat mit ihren Bestrebungen zu tun, die Gesundheit der Menschen zu schützen und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Eine wichtige Rolle spielt offenbar ihre Funktion als Verteidigungsministerin. Sie bekommt mit, was sich abspielt: durch den Einsatz der Armee in der ersten Welle und durch die Beschaffungen von Schutzmaterial wie Beatmungsgeräte und Masken, für die das VBS in der Krise verantwortlich wurde.

Der runde Tisch mit den Sportverbänden wird wiederholt

Als Sportministerin ist Amherd aber auch für den Spitzensport zuständig, der sich im Moment in einer sehr dramatischen Situation befindet. Unmittelbar nach der Bundesratssitzung führte Sportministerin Amherd einen virtuellen runden Tisch mit Vertretern von wichtigen Sportverbänden wie Fussball, Eishockey, Handball und Volleyball durch. Fussball- und Eishockeyligen drängten darauf, dass die zinslosen Darlehen mit Rangrücktritt, die ab 1. Dezember gewährt werden, in A-fonds-perdu-Beiträge umgewandelt werden.

«Bundesrätin Amherd hat die Anliegen der Fussball- und Eishockeyligen entgegen­genommen, zinslose Darlehen in Beiträge à fonds perdu umzuwandeln», sagt VBS-Medienchef Renato Kalbermatten. «Sie sagte, sie verspreche nichts, nehme aber eine Auslegeordnung vor, um zu sehen, was machbar sei.»

Klar ist: Der runde Tisch soll schon bald wiederholt werden. «Er wird nun», sagt Renato Kalbermatten, «regelmässig stattfinden.»

Autor

Othmar von Matt

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