Racial Profiling

«Auch in der Schweiz gibt es Polizeigewalt gegen Schwarze» – ein Anti-Rassismus-Demonstrant klagt an

Mohamed Wa Baile gehört zu den Organisatoren der Mahnwache in Bern. Bekannt wurde er, weil er sich gegen eine Polizeikontrolle wehrte, die er als "Racial Profiling" bezeichnet.

Mohamed Wa Baile gehört zu den Organisatoren der Mahnwache in Bern. Bekannt wurde er, weil er sich gegen eine Polizeikontrolle wehrte, die er als "Racial Profiling" bezeichnet.

In Zürich und Bern demonstrierten rund 1400 Personen aus Solidarität mit George Floyd. Aber nicht nur.

Wie aus dem nichts kam es am Pfingstmontag in Zürich und Bern zu Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auslöser war der Tod des Afroamerikaners George Floyd, der Ende Mai bei einer Kontrolle in der US-Stadt Minneapolis von einem Polizisten getötet worden war. In Zürich versammelten sich über 1000, in Bern rund 400 Personen.

Aktivist gegen Racial Profiling organisierte Mahnwache

In Bern hatte Mohamed Wa Baile über Whatsapp zu einer Art Mahnwache im Rosengartenpark aufgerufen. Er habe nur mit 30 Personen gerechnet, sagt er auf Anfrage. Doch es kamen viel mehr. Der Bibliothekar Wa Baile erlangte schweizweit Berühmtheit, weil er sich geweigert hatte, seinen (Schweizer) Ausweis zu zeigen, als er im Jahr 2015 auf seinem Arbeitsweg im Zürcher Hauptbahnhof von der Polizei kontrolliert worden war. Der Dunkelhäutige stellte sich auf den Standpunkt, dass die Polizisten ihn nur wegen seiner Hautfarbe kontrolliert hätten. Die Busse wegen Nichtbefolgens einer polizeilichen Anordnung focht er erfolglos bis vor Bundesgericht an.

Den Aufruf zur Mahnwache begründet er mit Trauer und Wut, welche viele über den Tod von Georg Floyd empfänden. Ihm ist aber wichtig, dass der entfernte Fall in den USA nicht der einzige Anlass war. Er sagt:

Er zählt Fälle von nichtweissen Personen auf, die bei Kontrollen in der Schweiz von Polizisten verletzt wurden oder starben. Er erwähnt etwa den Fall des Nigerianers Mike Ben Peter, der 2018 nach einer Polizeikontrolle am Bahnhof Lausanne starb.

Besondere Parallelen sieht er zum Fall von Wilson A.. Der Zürcher DJ und Familienvater wurde 2009 von Beamten in einem Tram kontrolliert. Als er sich unkooperativ zeigte, schlugen ihn die Polizisten und traktierten ihn mit Pfefferspray. Weil Wilson A. einen Herzschrittmacher trug, habe er sich in Lebensgefahr befunden. Die Polizisten wurden später vom Gericht freigesprochen.

Auch wegen solcher Fälle hätten sich viele People of Color (Farbige) dem Protest in Bern angeschlossen. Mobilisierend wirkte zudem das Video der Verhaftung Floyds, das auch in der Schweiz verbreitet wurde. Darin sieht man, wie ein Polizeibeamter mit dem Knie auf dessen Hals kniet.

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Ein Teilnehmer der Demonstration in Zürich sagt: «Auf viele wirkten die Bilder verstörend und sie waren froh, dass sie an der Kundgebung ein Ventil für ihren Unmut fanden.»

Polizei rechnete wohl nicht mit grosser Demonstration

In Zürich kam die Polizei wegen der Demonstration in die Kritik.

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SVP-Politiker monieren, dass der Umzug trotz Corona-Regeln in Ruhe gelassen wurde. Laut Polizei wurde der Umzug «aus Gründen der Verhältnismässigkeit» toleriert.

Ebenfalls eine Rolle gespielt haben dürfte, dass der Aufruf zu Demonstration erst am Sonntagabend also wenige Stunden vor Beginn in sozialen Medien und Chats kursierte. Zudem begann die Versammlung zuerst klein. Spontan schlossen sich Passanten an. Ein Teilnehmer sagt:

Vielmehr seien die Beamten von der Grösse der Demonstration überrascht worden.

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