Einbürgerung

Ansturm auf Schweizer Pässe in Zürich und Luzern – Aargau hält sich zurück

In den Kantonen Zürich und Luzern herrscht derzeit eine grosse Nachfrage nach dem Schweizer Pass.

In den Kantonen Zürich und Luzern herrscht derzeit eine grosse Nachfrage nach dem Schweizer Pass.

Die Kantone Zürich und Luzern gehen neuerdings proaktiv auf Ausländer zu, die sich einbürgern lassen können. Das wirkt. Der Kanton Aargau geht anders vor.

Bei der Abteilung Einbürgerungen des Kantons Zürich laufen die Drähte heiss. Im Juli und August gingen 1300 Einbürgerungsgesuche ein, wie «Watson» berichtete. Das sind 86 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016.

Verantwortlich dafür ist eine Briefaktion von Stadtpräsidentin Corine Mauch. Sie verschickte im Mai 40'000 Briefe an Ausländer mit einer B- oder F-Bewilligung im Kanton und machte sie auf die ab Anfang 2018 schweizweit geltende, verschärfte Einbürgerungspraxis aufmerksam. Ab dem 1. Januar können nur noch Personen mit einem C-Ausweis eingebürgert werden. Mauch machte den Ausländern in ihrem Brief deshalb Mut, sich «über die Möglichkeiten einer Einbürgerung zu informieren».

Die proaktive Zürcher Strategie ist kein Einzelfall, wie Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen. Auch die Stadt Luzern hat im Mai eine Briefaktion gestartet. Monika Lorenz, Teamleiterin Bürgerrechtswesen, sagt: «Wir haben im Mai rund 800 Briefe an die in der Stadt wohnhaften Ausländer mit B- und F-Ausweis verschickt.» Die Folge: Zwischen Januar und Juni 2017 habe es im Schnitt 18 Einbürgerungsgesuche pro Monat gegeben. Von Juli bis Oktober seien es im Schnitt 27 Gesuche gewesen: eine Zunahme von 50 Prozent. «Wir führen das auf die Briefaktion zurück», sagt Lorenz.

Zurückhaltende Aargauer

Das legt auch ein Vergleich mit dem Kanton Aargau nahe. Hier gab es «keine auffällige Zunahme der Gesuchseingänge», wie Sandra Olar vom Departement für Volkswirtschaft und Inneres bestätigt. Die zurückhaltendere Kommunikationsstrategie des Regierungsrates dürfte dafür mitverantwortlich sein. Dieser hat sich entschieden, einbürgerungsberechtigten Ausländern keinen Brief zu schicken, wie das die Grünen im März in einer Motion gefordert hatten. Der Regierungsrat empfehle den Gemeinden – den ersten Anlaufstellen für Einbürgerungswillige – aber, Ausländer mit guten Einbürgerungsvoraussetzungen aktiv zu informieren. Ob die Gemeinden diese Empfehlung umsetzten, weiss der Kanton nicht.

Ähnlich ist die Situation in Solothurn. Einbürgerungswillige Personen könnten sich online informieren, sagt Dominik Fluri, Leiter Abteilung Bürgerrecht. Ein persönliches Schreiben habe der Kanton nicht verschickt. Die Anzahl Einbürgerungsgesuche habe kaum zugenommen. Fluri verweist allerdings darauf, dass der Kanton jeweils erst Monate nach dem Eingang bei den Gemeinden von den Gesuchen erfahre. Ob die Kommunikationsoffensive in Zürich und Luzern allenfalls doch auf andere Kantone abgefärbt habe, werde sich erst noch zeigen.

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