Die Affäre um die mutmasslichen Spione, die es 2012 auf die Familie des Oligarchen Viktor Khrapunov abgesehen hatten, zieht weitere Kreise: Die Bundesanwaltschaft wollte die Strafuntersuchung gegen das Spitzel-Duo sistieren, obwohl es von ihm sogar Fotos gibt.

Es gibt sogar noch mehr. Wie Recherchen zeigen, machte die Genfer Polizei ganze Arbeit und identifizierte die beiden Personen, die in Genf einen Toyota gemietet hatten. Im Polizeirapport von 2013, der der «Nordwestschweiz» vorliegt, notierten die Beamten: «Am 23. Oktober begaben wir uns zur Filiale Hertz, wo wir die Informationen zu den Mietern des Fahrzeugs Toyota (...) erhielten.»

Briten, wohnhaft in London

Es folgen im Rapport die Personalien des Duos, das Khrapunovs Sohn und dessen Frau nachgestellt hatte: T. H.*, geboren 1968, Brite, wohnhaft im Grossraum London, war der Mieter des Fahrzeugs. Und eine Frau: A. B.*, geboren 1973, war als Fahrerin eingetragen. Auch sie Britin mit Wohnsitz in der Nähe von London. Es folgten die britischen Wohnadressen des Duos, das in Genf im Hotel Century abgestiegen war.

Die Polizei fand schon damals heraus: Der Mann war Inhaber einer Firma in London, die im Bereich «Investigations and Security» tätig war. Was die Frau betrifft, scheint es sich gemäss einer Internet-Recherche um eine ehemalige Instruktorin der Royal Navy zu handeln. Sie unterrichte dort Fitness und Kampfsport, wie sie in einem Lebenslauf angab.

Die Spitzelaffäre um Viktor Khrapunov, den 2008 nach Genf geflüchteten kasachischen Oligarchen, schlägt seit Jahren Wellen. Khrapunov hatte sich mit seiner Familie und angeblich mehreren hundert Millionen Franken in die Schweiz abgesetzt, wo er Asyl verlangt. Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew versucht mit allen Mitteln, den Abtrünnigen zu fassen. So stellte er ein Auslieferungsgesuch, das 2014 aber abgelehnt wurde.

Das kasachische Regime setzte im Kampf gegen die Khrapunovs angeblich nicht nur Spione ein. Es soll auch versucht haben, Viktor Khrapunov zu entführen. Zudem liess das Regime angeblich die Computer der Oligarchen-Familie und ihrer Anwälte und Kommunikationsberater hacken. Trotzdem hatte Bundesanwalt Michael Lauber das Spionage-Verfahren sistiert. Angeblich, weil Rechtshilfe aussichtslos sei. Das Bundesstrafgericht entschied aber im August, dass die Bundesanwaltschaft weiter ermitteln muss und nicht einfach aufgeben darf.

Forderungen des Oligarchen

Marc Comina, Kommunikationsberater der Khrapunovs, will aber mehr:» Wir verlangen nicht nur, dass die Bundesanwaltschaft gegen die beiden Spione ermittelt», sagt er gegenüber der «Nordwestschweiz«. «Sie muss endlich auch Hausdurchsuchungen beim privaten Geheimdienst Arcanum in Zürich durchführen und bei der Anwaltskanzlei Homburger. Grund: Es besteht der dringende Verdacht, dass Arcanum hinter den Spionage- und Hackerangriffen auf die Khrapunovs, ihre Anwälte und mich persönlich in der Schweiz steht.» Zudem: «Homburger hat in der ‹NZZ› selbst zugegeben, dass der Einsatz von Arcanum über sie lief: Kasachstan zahlte Millionen, formell lief der Auftrag über Homburger, damit er vom Antwaltsgeheimnis abgedeckt war. Wir verlangen, dass die Bundesanwaltschaft dem endlich auf den Grund geht.»

Die Rolle von Arcanum und Homburger war, Ironie der Geschichte, durch Emails bekannt geworden, die von Nazarbajew-Gegnern gehackt worden waren. Die Widersacher hacken sich gegenseitig.

Arcanum ist ein privater US-Geheimdienst mit Ableger in Zürich. Ein Sprecher hatte im Februar 2015 gegenüber der «Schweiz am Sonntag» gesagt: «Wir legen nicht offen, welche Arbeit wir für unsere Kunden durchführen. Das ist vertraulich. Aber wir haben uns immer an die Schweizer und alle anderen Gesetze gehalten».

Es gilt für alle Genannten die Unschuldsvermutung.

* Namen der Redaktion bekannt.