Die Unterschiede hätten augenfälliger nicht sein können: Hier Josef Ackermann, der ehemalige umstrittene Chef der Deutschen Bank und aktuelle Verwaltungsratspräsident der Zurich Versicherungen. Gesprächig, manchmal vorlaut, oft witzig. Da Bruno Pfister, der in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannte CEO des Versicherungskonzerns Swiss Life. Zurückhaltend, steif und etwas einsilbig. Irgendwo in der Mitte positionierte sich Ottmar Hitzfeld, der Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft und Kolumnist beim «Blick».

Hitzfeld fordert mehr Distanz

Wie sollen exponierte Persönlichkeiten mit Medien umgehen, will Moderator Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» und Organisator des Swiss Media Forum, von seinen Gästen auf dem Podium wissen. Das Wichtigste sei, authentisch aufzutreten, sagt Josef Ackermann. «Es gibt zu viele farblose Führungskräfte.» Der Chef einer grossen Unternehmung müsse hinstehen und seine Entscheide erklären. «Ich habe immer Ecken und Kanten gezeigt, auch wenn es nicht allen gepasst hat.»

Bruno Pfister pflichtet Ackermann bei, warnte aber gleichzeitig: «Transparenz ist wichtig, doch als Chef muss man im richtigen Moment die richtigen Entscheide kommunizieren.» Medienpräsenz alleine sei nicht per se gut für ein Unternehmen.

Ottmar Hitzfeld wiederum, der wegen seiner publizistischen Tätigkeit für den Ringier-Konzern unter spezieller Beobachtung steht, plädiert für eine gesunde Distanz zu den Medienschaffenden. Der Fussballtrainer gibt unumwunden zu: «In der Schweiz war die Nähe zu einigen Journalisten für mich am Anfang ein Problem.» Als ehemaliger Fussballer sei er mit zahlreichen Medienschaffenden per Du gewesen. «In Deutschland war die Distanz stets grösser.»

Auch Banker Ackermann hält Vereinnahmungstendenzen für eine Gefahr. Als CEO der Deutschen Bank hätten ihm Journalisten eine wohlwollende Berichterstattung im Austausch für Exklusivinformationen angeboten. «Solche Angebote habe ich immer abgelehnt, auch wenn es wohl zu meinem Nachteil war.»

Ackermann: Keine Mühe mit Kritik

Überhaupt: Wie kritisch sollen Medien sein? Glaubt man den Podiumsteilnehmern, dann wünschen sich Führungskräfte kritische Journalisten. «Mit sachlicher Kritik habe ich keine Mühe», sagt Ackermann. Der Banker fordert gar: «Journalisten sollten kritischer sein.» Mühsam sei nur, wenn Behauptungen aufgestellt würden, die nicht stimmen, oder wenn bewusst auf die Person gezielt werde.

Vorsichtiger äussert sich Ottmar Hitzfeld. «Mit Kritik muss ich umgehen können, doch sie trifft mich manchmal schon.» Generell hält er die Schweizer Kritikkultur für verbesserungswürdig. «Wer kritisch ist, muss auch loben können, wenn etwas gut gemacht wird.» In Deutschland sei das einfacher: Da werde auf Spieler und Trainer eingeprügelt, wenn sie versagen. Und da werden die Akteure frenetisch bejubelt, wenn sie siegen. «So sollte es doch sein.»