Kanton Solothurn
Zwei solidarische Gewinner

Die einen setzen sich ein für Prävention und Gesundheitsförderung im Sexgewerbe, die anderen für die Verbreitung des Selbsthilfegedankens: Beide Vereine, Lysistrada und die Selbsthilfe Kanton Solothurn, erachtete der Regierungsrat als würdige Träger des diesjährigen Sozialpreises.

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Sozialpreis Solothurn

Sozialpreis Solothurn

Solothurner Zeitung

Samuel Misteli

Viele hätten einen Preis zugut, sagte Regierungsrat Peter Gomm in seiner Festrede. «Menschen und Institutionen, die sich immer wieder unermüdlich engagieren und versuchen, den sozialen Ausgleich zu schaffen.» Nicht an viele, aber immerhin an zwei solche Institutionen wurde gestern Abend im Solothurner Landhaus der dritte Sozialpreis des Kantons verliehen. Man habe sich bei bestem Willen nicht entscheiden können, sagte Jurypräsident Kuno Tschumi. Die neunköpfige Jury hatte aus 49 Eingaben drei Kandidaturen für den Sozialpreis nominiert und dem Regierungsrat schliesslich vorgeschlagen, den Preis sowohl Lysistrada als auch der Selbsthilfe Kanton Solothurn zu verleihen. Die Preissumme von 20 000 Franken wurde auf die beiden Gewinner aufgeteilt.

Einsatz in tabuisiertem Bereich

Der heutige Verein Lysistrada hatte ursprünglich auf dem Oltner Strassenstrich Präventionsarbeit geleistet, bis der Kanton dem damaligen «Frauenbus Lysistrada» vor drei Jahren den Auftrag erteilte, ein Konzept «Prävention und Gesundheitsförderung im Sexgewerbe» auszuarbeiten. Seit Beginn der Umsetzung im Mai 2007 konnten die elf Mitarbeiterinnen von Lysistrada rund 850 Prostituierte sowie die überwiegende Mehrheit der Milieubetriebe im Kanton mit ihren Aufklärungskampagnen erreichen.

Der Verein Lysistrada sei für den Sozialpreis nominiert worden, sagte Jurymitglied Anna Mannhart in ihrer Laudatio, «aufgrund seines wichtigen und wertvollen Einsatzes in einem noch immer tabuisierten gesellschaftlichen Bereich».

«Meilenstein» für die Selbsthilfe

Der Verein Selbsthilfe Kanton Solothurn verdiente sich den Preis laut Jurymitglied Roland Fürst aufgrund seines «wertvollen Beitrags zur Verhinderung sozialen Rückzugs». Der Verein vertritt die Interessen von Selbsthilfegruppen im Kanton und betreibt zu diesem Zweck seit bald vier Jahren eine Kontaktstelle, welche die rund 80 Selbsthilfegruppen im Kanton bei ihrer Arbeit begleitet, darüber hinaus Neugründungen unterstützt und Weiterbildungen anbietet. «Ein Meilenstein» sei der Sozialpreis für die Selbsthilfeorganisation, sagte Kontaktstellenleiterin Barbara Wyss in ihrer Dankesrede.

Mit einem Anerkennungspreis in der Höhe von 2500 Franken wurde die ebenfalls nominierte Actin' Poetry Dance School bedacht. Serhat Demir hatte die Tanzschule vor zwei Jahren mit dem Ziel gegründet, Jugendlichen im Kanton eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen. Mittlerweile zählt das Projekt rund 120 Mitglieder aus verschiedenen Kulturen und Glaubensrichtungen und ist von einer reinen Tanzschule längst zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Jugendarbeit geworden. Er sei überwältigt, sagte ein nahezu sprachloser Demir bei der Preisübergabe. Obschon es ihm nicht zum «grossen» Preis gereicht hatte, zeigte er sich überglücklich: «Danke Kanton, dass es einen solchen Preis gibt.»