WC

Wie ein Motocross-Weltmeister aufs WC kam

Nach der Niederwiler Dorffasnacht entleert Christoph Hüsser ein Miet-WC.

Hüssers WC

Nach der Niederwiler Dorffasnacht entleert Christoph Hüsser ein Miet-WC.

Wer an grossen Veranstaltungen Drang verspürte, dem blieb bis vor wenigen Jahren oft nur der Gang ins nächste Gebüsch. Das hat sich geändert. Heute sind mobile WC-Anlagen auch an Fasnachtsanlässen Standard. Wir haben den Erfinder der mobilen WCs gefragt, wie er auf die Toilette gekommen ist.

Toni Widmer

Die Idee kam dem ehemaligen Motocross-Weltmeister Christoph Hüsser auf dem Rennplatz: «Bei den sanitären Einrichtungen hat es in meiner Aktivzeit als Rennfahrer immer gehapert. Wenn es überhaupt Toiletten gab, mussten wir 200 bis 300 Meter bis zur nächsten gehen.» Oft, erzählt Hüsser weiter, seien für rund 1000 Rennfahrer im Fahrzeugpark aber höchstenfalls eine bis zwei WC-Anlagen zur Verfügung gestanden. 1996 befasste er sich an einer Motocross-Veranstaltung in Österreich erstmals damit, ins Geschäft mit mobilen WC-Häuschen einzusteigen.

Fünf Jahre später hat er den Schritt gewagt: «Ich war als Funktionär der FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) an einem Weltmeisterschafts-Lauf in Riga (Lettland) engagiert. Dort sah ich ein mobiles WC-Häuschen, welches genau meinen Vorstellungen entsprach.» Hüsser nahm umgehend Kontakt mit dem deutschen Hersteller auf, kaufte 20rote Kabinen und war - nicht zuletzt dank seinen guten Beziehungen in der Motocross-Szene - bald gut im Geschäft. «Am Anfang haben mich viele belächelt. Aber ich habe an meine Idee geglaubt und Tag und Nacht dafür gearbeitet.»

neben seinem Vollzeit-Job stellte Hüsser vorerst am frühen Morgen, am späten Abend sowie am Samstag und Sonntag WC-Häuschen auf Baustellen und an Veranstaltungen auf und sorgte auch für deren regelmässige Reinigung und Leerung. Bereits nach einem halben Jahr, im August 2001, machte er sich selbstständig, kaufte zusätzliche Kabinen und baute ein erstes Auto nach seinen speziellen Vorstellungen auf: «Mein Markenzeichen sind seit Beginn ein perfekter und umfassender Service. Dazu muss ich effizient und sauber arbeiten können. Unsere Autos sind entsprechend ausgerüstet. Sie verfügen über Wasser für die Reinigung, eine Absauganlage und einen Schmutzwassertank, der jeweils in einer Kläranlage geleert wird. Putzmittel, WC-Papier sowie die wichtigsten Ersatzteile für den Betrieb der Kabinen gehören ebenfalls zur Ausrüstung.»

Sechs Chauffeure auf festen Routen sowie der Chef als Springer sind mittlerweile täglich für Lieferung und Unterhalt der Kabinen unterwegs. Die roten Hüsser-WCs stehen auf Baustellen ebenso wie auf Übungsplätzen der Armee, in öffentlichen Anlagen von Gemeinden und natürlich an den verschiedensten Veranstaltungen im Einsatz. 900 WC-Kabinen kann Hüsser mittlerweile aufstellen, darunter ein spezielles Hochzeits-«Häuschen» mit aufgemalten Herzchen. Auch mobile Duschkabinen und ein nach eigenen Plänen gebauter Duschcontainer sind verfügbar.

am neuen Firmensitz, der 2006 in der Bremgarter Oberebene bezogen worden ist, geht es zurzeit zu wie in einem Bienenhaus. Denn inzwischen haben auch die Fasnächtler die Vorteile der Mobil-WCs entdeckt. «Wir sind an zahlreichen Umzügen im Aargau und in angrenzenden Kantonen präsent und liefern auch Kabinen für verschiedene Ballveranstaltungen», erklärt Christoph Hüsser. Viele Veranstalter seien mittlerweile dazu übergegangen, an der Fasnacht die festen WC-Anlagen in Schulhäusern und Turnhallen zu schliessen und auf mobile WC-Anlagen auszuweichen. «Die Schäden durch allfällige Vandalen», sagt Hüsser, können leichter in Grenzen gehalten werden.»

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