Zürich

Widerstand in der Fankurve

Fans: «Stimmt der Alltag, stimmt auch das Verhalten im Stadion», sagt Fanprojektleiter Mattias Cadonau. müller/eq images

Kravall

Fans: «Stimmt der Alltag, stimmt auch das Verhalten im Stadion», sagt Fanprojektleiter Mattias Cadonau. müller/eq images

Auch nach einem Jahr kämpft der Verein Fanarbeit Zürich gegen Widerstände aus der Fankurve. Begleitete Auswärtsfahrten für «die neue Generation Fans» stossen dafür auf wachsendes Interesse.

Andrea Trueb

«Wir können Randale nicht verhindern, das liegt vor allem in der Verantwortung der Fussballclubs und der Sicherheitsorgane», sagt Mattias Cadonau, Projektleiter beim Verein Fanarbeit Zürich. Der Verein führt seit einem Jahr mit je 120 Stellenprozenten das «Fanprojekt GC» sowie die «Fansozialarbeit FCZ» im Rahmen einer dreijährigen Pilotphase. Finanziell beteiligen sich die Stadt Zürich, der Kanton Zürich und die beiden Super-League-Vereine zu je einem Drittel an den Kosten. Bei beiden Projekten ist eine Stelle unbesetzt.

Das Verhindern von Ausschreitungen sei längerfristiges Ziel der Projekte, so Cadonau: «Wir versuchen Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene in eine positive und kreative Fankultur zu führen.» Begleitete Auswärtsfahrten für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren sind ein Teil des Projekts. Dabei soll unter anderem vermieden werden, dass die Jugendlichen auf dem Weg zum Fussballspiel von anderen dazu animiert werden, Alkohol zu trinken oder zu rauchen. Längerfristig soll ein eigener Fanclub entstehen, der seine Fanartikel selber bastelt oder auch Choreografien vorbereitet und durchführt. Laut Medienmitteilung wurde dieses Angebot im letzten Jahr rege und in zunehmendem Masse benutzt und wird deshalb weitergeführt.

«Vielfache Probleme»

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Fanarbeit ist das Beratungsangebot für persönliche Angelegenheiten der Fans. Bei Problemen mit Schulden, in der Familie oder am Arbeitsplatz, bei Gewalt oder Sucht bietet die Sozialarbeiterin Hilfe an. «Stimmt der Alltag, stimmt auch das Verhalten im Stadion», ist Cadonau überzeugt. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Fanarbeit - was wollen die, wer ist das, was tun die? - sei gewichen. Allerdings hält der Verein in seinem ersten Jahresbericht fest, dass die Fansozialarbeit FCZ «von Beginn an auf vielfache Probleme» gestossen sei. Ein grosses Problem sei nach wie vor der Widerstand in der Fankurve. Neben Fans, die sich stark für das Projekt einsetzen, gebe es immer noch Fans, die keinen Sinn darin sehen. Insbesondere hätten die Fans Repressionen durch die Pädagogen befürchtet. Auch die Positionierung in den Medien gestalte sich nach wie vor schwierig, da die Fans bisher jegliche öffentliche Stellungnahme abgelehnt hätten.

«Wertvoll»

«Wir halten die Fanprojekte für wertvoll, als eine von vielen Massnahmen gegen Ausschreitungen», sagt Reto Casanova, Sprecher von Polizeivorsteherin Esther Maurer. Für eine abschliessende Beurteilung sei es aber noch zu früh: «Fanprojekte wirken nicht schon nach einem Jahr, sie sind langfristig angelegt.» Wichtig sei nun, dass die offenen Stellen möglichst bald besetzt werden könnten.

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