Küche
Verkauf der Stadtküche in Schwebe

Der Zürcher Stadtrat hätte die Stadtküche gerne verkauft, aber eine Mehrheit im Stadtparlament verschob den Entscheid. Ihr Argument: Es lägen nicht alle Fakten auf dem Tisch. Damit ist der Verkauf auf den 1. Januar 2010 nicht mehr möglich.

Drucken
Teilen
Menu and More AG

Menu and More AG

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Neukomms überzeugender Kompromiss

Eigentlich war die Abstimmung über den Verkauf der Stadtküche schon vor den Sommerferien vorgesehen, doch die Beratungen in der Gemeinderatskommission zogen sich in die Länge. Auf linksgrüner Seite wurden Bedenken laut, die Mitarbeitenden würden durch eine Auslagerung über kurz oder lang Lohnnachteile erfahren. Sie beantragten daher, die Vorlage zurückzuweisen mit dem Auftrag an den Stadtrat, die Stadtküche wie bisher zu betreiben und bis Ende 2010 aufzuzeigen, wie die «gastronomische Versorgung» der Verwaltung, der Gemeindebetriebe, der Schulen usw. unter Beibehaltung eines zentralen städtischen Produktionsbetriebs effizient und kostengünstig organisiert werden könne. Gestern hätte ein Entscheid getroffen werden sollen. Mit dem Argument, der Stadtrat habe nicht alle relevanten Dokumente offengelegt, verlangten Mitglieder des Büros des Gemeinderats aber die Absetzung des Traktandums von der Geschäftsliste, ein Anliegen, welchem das Büro stattgab. Laut SVP-Fraktionschef Mauro Tuena, hatte es SP-Stadtrat Robert Neukomm geschafft, mit einem kleinen Kompromiss bezüglich Besserstellung des Personals die SP-Gemeinderatsfraktion so weit zufriedenzustellen, dass sie beschloss, sich der Stimme zu enthalten. Damit hätte der Verkauf der Stadtküche im Gemeinderat eine Mehrheit gefunden. Tuena aber wollte sich diese undurchsichtige Politik Neukomms nicht bieten lassen. Wegen der Verschiebung kann die Volksabstimmung über die Streichung der Stadtküche als städtische Aufgabe 2009 nicht mehr stattfinden. Wann das Parlament über den Rückweisungsantrag entscheidet, ist unklar: vielleicht an der nächsten Ratssitzung, vielleicht aber auch später. (abr.)

Vorläufer der Stadtküche war im 19. Jahrhundert die Armenspeisung, welche in den Händen von Privaten lag. Dann, vor 125 Jahren, engagierte sich auch die Stadt in diesem Bereich. Und noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts stellte die Stadtküche in ihren 24 Speiselokalen der Bevölkerung günstige Mittag- und Abendessen zur Verfügung. Ausserdem versorgte die Stadtküche Horte, Schulen und städtische Personalrestaurants mit fertigen Mahlzeiten und füllte die von der Stiftung Pro Senectute verteilten Mahlzeitensäcklein für Senioren.

Lange Jahre Defizite

Allerdings kam schon vor gut zehn Jahren die Frage auf, ob die Defizite noch tragbar seien - 1999 entstand bei einem Umsatz von 4,4 Mio. Franken ein Defizit von 2 Mio. Und man fragte sich auch, ob es überhaupt noch nötig sei, dass die Stadt billige Mahlzeiten anbiete, das übernähmen doch jetzt auch private Restaurantketten. Als erste Massnahme zur Sanierung wurde die Stadtküche vom Sozialdepartement ins Gesundheits- und Umweltdepartement transferiert, einzelne Lokale wurden geschlossen, und 2000 plante man einen Neuanfang mit einer neuen Direktorin, welche den Betrieb wieder in die schwarzen Zahlen führen sollte, was ab 2002 tatsächlich geschah.

Weil es sich aber zeigte, dass die Stadtküche als Dienstabteilung der Stadtverwaltung kaum in der Lage ist, im hart umkämpften Markt erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein, ging die Stadt eine Zusammenarbeit mit der Firma DSR ein, dem in der Schweiz zweitgrössten Caterer-Unternehmen mit Sitz in Morges; die Firma ist in der Grundstruktur als Stiftung organisiert und zeichnet sich, wie der Stadtrat festhält, durch hohe soziale Verantwortung und gemeinnützige Ausrichtung aus. Somit wurde eine gemeinsame Betriebsgesellschaft gegründet, die Menu and More AG. Seit 2005 liefert die Stadtküche fertige Menüs und Menükomponenten, Menu and More kümmert sich um Marketing, Verkauf und Kundenmanagement.

50 Mitarbeitende arbeiten für die Stadtküche und für die Betriebsgesellschaft, der Bruttoertrag beläuft sich nun auf einiges mehr als 10 Mio. Franken. Wie Geschäftsführer Markus Daniel sagt, konnte die Geschäftstätigkeit ausgeweitet werden. Zahlreiche private Krippen und Horte konnten als Kunden gewonnen werden, ausserdem bezieht Coop eine Joghurtspezialität und Sandwichs.

Vereinfachung als Ziel

Der Stadtrat beantragte dem Gemeinderat, die Stadtküche in die Menu and More AG zu integrieren. Das vereinfache die Abläufe und entlaste die Stadt von teuren Investitionen. Die Stadtküche soll an die DRS Participations für 2,12 Mio. Franken verkauft werden, anderseits beteiligt sich die Stadt am Aktienkapital der Menu and More AG mit maximal 20 Prozent. Die Angestellten würden zu den bisherigen Anstellungsbedingungen übernommen.