Grenchen
Venom-Kampfjets in der Grenchner Witi

Als der Militärflugplatz Thun 1955 aufgehoben wurde, suchte die Fliegertruppe nach einem neuen Standort. Grenchen war der Wunschkandidat des Militärs. Sogar Demonstrationsflüge mit Venom-Kampfjets fanden statt.

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Flugplatz Grenchen

Flugplatz Grenchen

Grenchner Tagblatt

Peter Brotschi

Ein Vierteljahrhundert nach der Gründung (1931) des Flugplatzes Grenchen wurde eine Weichenstellung eingeleitet mit enormer Tragweite: Die Schweizer Armee wollte Grenchen zu einem Militärflugplatz machen.

Am 22. Juni 1956 traf sich eine hochkarätige Delegation auf dem Flugplatz zu einer Besprechung unter dem Vorsitz von Regierungsrat Otto Stampfli, Mitglied des Verwaltungsrats der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG.

Die Vertreter des Militärs stellten das Projekt vor: Primär sollte Grenchen für das Training der Militärpiloten aus dem Raum Mittelland dienen, um die Plätze Dübendorf und Payerne zu entlasten.

Zudem sollten gelegentlich auch Trainingskurse für Fliegerstaffeln durchgeführt werden. Der Flugplatz sollte einen gemischten zivilen und militärischen Betrieb aufweisen, wie dies beispielsweise in Sion und Locarno-Magadino bis heute der Fall ist.

Das Bauprojekt sah eine Piste von 2000 Meter Länge und 40 Meter Breite vor. Das Militärgelände mit einer rund 100 Meter langen Flugzeughalle und einer Abstellfläche von 175 x 40 Meter wäre östlich des Mattenhofs der Familie Kobi zu liegen gekommen und hätte bis über den Giglerbach hinaus gereicht.

Regierungsrat Stampfli mit Nachdruck

Zum Schluss der Sitzung setzte Regierungsrat Stampfli noch Druck auf: Der Kanton werde sich für einen Ausbau des Flugplatzes für die rein zivilen Bedürfnisse nicht mehr einsetzen, wenn sich Grenchen gegen die Schaffung eines militärischen Trainingsplatzes aussprechen sollte, hielt er fest.

Nach seiner Ansicht biete sich eine einmalige Gelegenheit, den Flugplatz mit dem Militär so auszubauen, dass für den Sport- und Touristikverkehr etwas Gefreutes entstehe.

Der Grenchner Gemeinderat befasste sich am 13. März 1956 erstmals mit dem Ausbau des Flugplatzes, indem die Ermächtigung zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem Militär beschlossen wurde. Stadtammann Adolf Furrer machte darauf aufmerksam, dass nun entschieden werde, ob der Flugbetrieb stagnieren oder «ungeahnten Auftrieb» erhalten solle.

Vor- und Nachteile

Bald darauf fanden in Grenchen Flugversuche mit Venom-Flugzeugen statt, um die Lärmauswirkungen zu demonstrieren. Die Kampfjets überflogen die Stadt in 1800, 600 und 300 Meter Höhe. Am 21. September 1956 war das Geschäft wiederum im Gemeinderat traktandiert.

Karl Ris orientierte über die Verhandlungen mit dem Militär. Es folgte eine längere Diskussion. Dem Rat war klar, dass die zivile Fliegerei wichtig sei und aus volkswirtschaftlichen Gründen ein Ausbau wünschenswert wäre.

Auf der anderen Seite gab es Befürchtungen, dass der grosse Landbedarf die Erweiterungsmöglichkeiten von Grenchen einschränke und dass die Region ein Risiko eingehe, durch die Präsenz eines Militärflugplatzes bei einem Krieg als wichtiges Angriffsziel zu gelten. Schliesslich einigte sich der Gemeinderat, dass zuhanden der Gemeindeversammlung ein ausführliches Projekt zu erstellen sei.

Eingabe an das Departement

Der Waffenchef der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen, Divisionär Etienne Primault, unterbreitete nach dem grünen Licht aus Grenchen dem Militärdepartement am 29. September 1956 die Eingabe über den Ausbau des Grenchner Flugplatzes.

Im Zentrum stand die Aufteilung der Kosten, die beim Landerwerb nach dem Nutzen des Ausbaus geregelt wurden. Den grossen Brocken, die Kosten für die Tiefbauten und somit für Piste, Rollwege, Pistenbefeuerung und anderes mehr, wollte der Bund mit 60 Prozent tragen; den Rest sollten sich der Kanton, Grenchen sowie die Flugplatzhalterin teilen.

Der zuständige Bundesrat stimmt zu

Bundesrat Paul Chaudet, Eidgenössisches Militärdepartement, nahm am 22. November 1956 Stellung zu der Eingabe der Fliegertruppe. Er erklärte sich in einem Schreiben an die Abteilung für Flugwesen und Fliegerabwehr grundsätzlich damit einverstanden, dass weitere Verhandlungen geführt werden mit Kanton, Gemeinde und Flugplatzhalterin.

Dann aber wurde es stiller um das Projekt. An der Gemeinderatssitzung vom 29. Januar 1957 erkundigte sich Max Hunziker um den Stand des Geschäfts. Stadtammann Adolf Furrer erklärte, dass geplant sei, in Grenchen einen Militär-Fliegerwaffen-Platz zu errichten.

Einem Brief der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG (RFP) vom 8. Februar 1958 an die Stadt Grenchen ist lediglich noch zu entnehmen, dass die Verhandlungen mit dem Militär im Verlaufe des Jahres 1957 weitergeführt worden waren.

Das Projekt wird schubladisiert

Differenzen mit der Fliegertruppe gab es weiter, weil die RFP am Segelflugbetrieb festhalten wollte. Im Herbst 1957 hatte die Direktion für Militärflugplätze schliesslich der RFP mitgeteilt, dass auf die Weiterführung von Verhandlungen vorderhand verzichtet werden müsse.

Neben den Differenzen zum Segelflugbetrieb zeigte sich auch, dass die Fliegertruppe mit dem Weiterausbau der bestehenden Militärflugplätze beschäftigt war mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen, was, so die Begründung aus Bern, eine Beschränkung auf die bestehenden Flugplätze nahelege. Damit war für Grenchen das Kapitel «Militärflugplatz» zu den Akten gelegt.

Quellen:
Bundesarchiv: E5460 A 1000/912 / Bd 181. Stadtarchiv Grenchen: Gemeinderatsprotokolle.

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