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Über sechs Stufen zum Glück

Die VBZ werben um neue Buschauffeure, die sie einer strengen Selektion unterziehen. Noch 17 Sitze sind dieses Jahr in den Cockpits der Zürcher Linienbusse zu besetzen. Zu einer ersten Infoveranstaltung der städtischen Verkehrsbetriebe (VBZ) erschienen 200 Interessenten. Ein Augenschein.

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Limmattaler Zeitung

Martin Reichlin

Er ist jung, gross, bärenstark, sieht blendend aus und heisst Longo: Der neue «Doppelgelenk-Trolleybus Light-Tram 3» des Schweizer Busbauers Hess. Und er ist der Traum für rund 200 Männer und Frauen, Schweizer und Ausländer, Junge und Alte, die sich vorgestern um 18.30 Uhr zu einem ersten Augenschein in den Hallen des Bus- und Tramdepots in Zürich Altstetten eingefunden haben.

«Wir sind total überrascht», sagt VBZ-Pressesprecherin Daniela Tobler, auf den grossen Aufmarsch an diesem schwülen Donnerstagabend angesprochen. «Mit einem derart grossen Interesse hatten wir nicht gerechnet.» Vermutlich hätten die Medienberichte über VBZ-Werbeveranstaltungen in Deutschland sowie den Premierencharakter der Veranstaltung die Neugierde der Leute geweckt.

«Wir suchen Nachwuchs», hatten die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ in den vergangenen Tagen die Leser von Tageszeitungen via Inserat wissen lassen. Nun erfahren die Interessierten von einem VBZ-Personalverantwortlichen, dass dieses Jahr noch 17 Busfahrer-Stellen zu vergeben seien. «Es ist ein schöner Job, aber es ist auch ein harter Job», lässt der VBZ-Mann die Anwesenden wissen.

«Überlegen Sie es sich gut, bevor Sie sich bewerben. Die VBZ werden Ihre Tage so umkrempeln, dass Sie Ihr Vereinsleben vergessen können.» Und ein erfahrener VBZ-Chauffeur ergänzt, wer in seinem Leben noch nicht angekommen sei, vielleicht grade in einer Scheidung stecke oder sich mit anderen Problemen herumschlage, sollte die Finger von der intensiven Ausbildung zum Busfahrer lassen.

Strenges Auswahlverfahren

Wer sich dennoch als Buschauffeur bewirbt, muss laut VBZ eines der härtesten Auswahlverfahren Europas durchlaufen. Folgende sechs Stufen müssen die Kandidaten überwinden, bevor sie ihr Ziel Bus-Cockpit erreichen: Einreichen der Bewerbungsunterlagen, persönliches Gespräch mit den VBZ, einstündige Probefahrt im Auto, begleitet von einem VBZ-Fahrlehrer, Untersuchung durch den VBZ-Vertrauensarzt (wer einen Body-Mass-Index über 33 hat, scheidet aus), Eignungstest am Institut für angewandte Psychologie und schliesslich einholen einer Referenzauskunft.

Am Ende winkt den Erfolgreichen eine Anstellung als Springer, die in den ersten Jahren auf täglich wechselnden Routen zu unterschiedlichen Dienstzeiten eingesetzt werden können. Bruttolohn für Neue: 4900 bis 5800 Franken. Die anspruchsvollen Bedingungen scheinen jedoch die Anwesenden kaum zu schrecken. «Ich fahre für ein Transportunternehmen», sagt einer. «Dort ist der Job härter und der Arbeitsplatz nicht so sicher wie bei den VBZ.»