Persönlich
Über Demokratie und Ahnen in Sümpfen

Mit Kantonsratspräsidentin Christine Bigolin und dem ehemaligen Kantonsschullehrer Heinz Rudolf von Rohr hatte Moderatorin Karin Frei zwei «frisch von der Leber» sprechende Talk-Gäste eingeladen.

Drucken
«Persönlich»

«Persönlich»

Solothurner Zeitung

Gundi Klemm

DRS 1-Moderatorin Karin Frei konnte schon während des kurzen Vorgesprächs feststellen, dass sie mit Sozialarbeiterin Christine Bigolin und Geograf Heinz Rudolf von Rohr zwei auskunftsfreudige Gäste eingeladen hatte. So gab die diesjährige Kantonsratspräsidentin gerne preis, dass sie in der Kategorie «Plausch» seit Jahren mit auffälligem Kopfputz am Solothurner Aareschwimmen teilnimmt.

Der jetzt als internationaler Wahlbeobachter tätige Heinz Rudolf von Rohr berichtete davon, dass seine Lust in andere Länder zu reisen seinen Unterricht durch eigene Kenntnis von Land und Leuten beflügelt habe. Dieses Interesse lebe er nun in seinem Engagement als Wahlbeobachter aus. Der leider häufig vorkommende Wahlbetrug beinhalte eine weite Spanne von Möglichkeiten zum «Bschisse», sagte er.

Demokratie nicht per Dekret

Angesprochen auf die den unterentwickelten Länder von den westlichen Staaten «verordnete» Demokratie meinte Rudolf von Rohr, dass es durchaus auch sinnvolle, traditionell gewachsene Gesellschaftssysteme gebe, die sich nicht einfach per Dekret «überstürzt» ablösen lassen.

Auch die Demokratie, «die für uns hier richtig ist», habe sich über Hunderte von Jahren entwickeln können, fügte Bigolin an. An der weltweiten Diskussion um demokratische Prinzipien und Menschenrechte störe sie indes, dass die wahren geopolitischen Absichten und die zumeist dahinter stehenden handfesten wirtschaftlichen Interessen nicht deutlich offengelegt würden.

Das sei auf Gemeindeebene allerdings auch nicht immer der Fall, meinte sie auf Nachfrage und schilderte unter dem wissenden Schmunzeln des aktiv mitgehenden Publikums, wie es bei gewissen Themen häufig «menschele». Manchmal erweise es sich bei der Aufgabe des Gemeindepräsidiums (Bigolin übte dieses acht Jahre in Aetigkofen aus) als schwierig, nötige Kompromisse zu finden.

Ihr Gesprächspartner erinnerte an das im Kanton Solothurn herrschende Öffentlichkeitsprinzip, das dazu diene, das Vertrauen in die Rechtmässigkeit behördlicher Handlungen zu stärken. Auch wenn viele Personen inzwischen durch die öffentliche Informationsflut regelrecht überfordert seien.

«Bei der Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen nimmt uns die Hol-Schuld aber niemand ab», antwortete Bigolin. Rudolf von Rohr, der glückliche Kindertage im Mösli bei Hersiwil verbrachte, erzählte schliesslich davon, wie seine Sippe zum vorgestellten «Rudolf» kam: Ein Vorfahr habe eine Gräfin von Bechburg aus einem Sumpfgebiet gerettet. Aus Dank verlieh ihr Ehemann Graf Rudolf seinen Vornamen als Bestandteil des Familiennamens.

Christine Bigolin hat durch ihren Vater italienische Wurzeln. Ihrer Feststellung, sie sei ein Beispiel für «gelungene Integration», stimmte das Publikum kräftig klatschend zu.