Tennisplätze auf einer Abfallgrube

Tennisplätze auf einer Abfallgrube

Tennisplätze auf einer Abfallgrube

Jetzt ist es definitiv: Der Tennisclub Langenthal baut noch in diesem Jahr neue Plätze im Hard. Der Verein erhält das Land von der Stadt im Baurecht. Eine kleine Unsicherheit besteht einzig noch wegen Altlasten im Boden.

Tobias Granwehr

Für Hanspeter Stucker, Präsident des Tennisclubs Langenthal (TCL), war die ordentliche Hauptversammlung am Mittwoch ausserordentlich wichtig. Die Mitglieder mussten über ein Neubauprojekt entscheiden, das für den Verein von grosser Bedeutung ist. Die jetzige Infrastruktur des Clubs im Dreilinden ist in einem äusserst schlechten Zustand – und genügt heutigen Ansprüchen nicht mehr. Stucker betonte deshalb: «Eine gute Infrastruktur macht einen Verein attraktiv.» Während die Finanzierung des Neubaus nach dem Grundstückverkauf gesichert ist (siehe Update), blieb lange die Frage eines geeigneten Standorts offen. Mittlerweile haben sich die Stadt und der TCL auf ein gemeinsames Grundstück geeinigt (wir berichteten). Es befindet sich im Hard zwischen der Weststrasse und der Weissensteinstrasse.

Eine ehemalige «Güsugruebe»

Eines gleich vorneweg: Die gut drei Dutzend anwesenden Clubmitglieder genehmigten den Neubau bei nur einer Enthaltung. Für den Vorstand, der bisher viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt hatte, war es eine Erleichterung. Es sei ein Auf und Ab gewesen in den vergangenen zwei Jahren, sagte Stucker. Trotzdem blieben auch gestern noch offene Fragen bezüglich des Neubauprojektes, denn: Beim neuen Standort handelt es sich um die so genannte Burrigrube, einer «Güsugruebe», wie es der Präsident formulierte. Im Boden befinden sich Altlasten. Dadurch könnten sich zwar Einschränkungen ergeben, trotzdem stehe er zu 100 Prozent hinter diesem Standort, sagte er. «Das Projekt ist nicht gefährdet.» Um jedoch ganz sicher zu gehen, welche Fundamente für eine Tennishalle verwendet werden müssten, würden weitere detaillierte Abklärungen getroffen, die den Verein 35000 Franken kosten.

Grundsätzlich sei bekannt, was im Boden zum Vorschein kommen werde, so Stucker. Auch Architekt Fritz Egli vom Architekturbüro Lüscher Egli, das für den TCL das Projekt bearbeitet, zeigte sich positiv: «Vor Jahren wurde einmal über eine Rollhockeyhalle an diesem Standort diskutiert. Seither weiss man, dass mögliche Altlasten kein Problem sein sollten.» Egli erklärte: «Es ist ein spezieller Baugrund. Deshalb wären leichtere Materialien wie Holz von Vorteil.» Eine Unterkellerung sei zudem im Projekt nicht vorgesehen.

Etwa 200000 Franken fehlen

Stucker gab zu, dass ein kleines Restrisiko bestehen bleibe. Schlimmstenfalls müsste der Club auf die Halle verzichten, was er indes nicht glaube. «Die Aussenplätze können wir aber sicher bauen», sagte er. Vorgesehen sind neben vier Freiluft-Tennisplätzen eine Halle mit zwei Plätzen und ein Clubhaus sowie
16 Parkplätze. Die Halle käme gegenüber der Klinik SGM zu stehen, die Zufahrt wäre von der Weissensteinstrasse her. Die Finanzierung des Projektes ist laut Daniel Scheurer, Kassier des TCL, praktisch gesichert. Der Vorstand rechnet mit Kosten in der Höhe von 2,8 Millionen Franken. 2,6 Millionen sind dem Verein sicher – aus dem Landverkauf, durch einen Beitrag vom Kanton, Zusagen von Banken und einigen Mitgliedern, die bereit sind, ein Darlehen zu sprechen. Scheurer und Stucker gaben sich zuversichtlich, die fehlenden 200000 Franken noch zusammenzubringen.

Auch Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP), der als Gast anwesend war, zeigte sich optimistisch: «Es ist der richtige Standort und wäre für den Tennisclub und die Stadt eine Riesenchance.» Er erinnerte jedoch daran, dass es nicht einfach gewesen sei, eine zusammenhängende Fläche dieser Grösse in der Stadt zu finden. «Langenthal ist weitgehend bebaut», sagte er. Das Grundstück im Hard befinde sich in der Zone für öffentliche Nutzung, eine rein private Anlage sei für den TCL deshalb nicht möglich. Der Club muss die Plätze auf dem 7500 m² grossen Land also der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen – allerdings nicht gratis. Der Verein darf für fremde Nutzung Geld verlangen. Der Verein muss der Stadt laut Stapi jährlich 10000 Franken entrichten. «Das ist kein Baurechtszins, sondern vielmehr eine Entschädigung für die private Nutzung.» Nun gehe es darum, gemeinsam einen Baurechtsvertrag und eine Nutzungsvereinbarung auszuarbeiten, so Rufener.

Letztlich folgten die Mitglieder dem Vorstand und überliessen diesem das weitere Vorgehen. Der Verein möchte jetzt laut Stucker so schnell wie möglich ein Baugesuch einreichen. Parallel zum Bewilligungsverfahren sollen die Verhandlungen mit der Stadt laufen – und das Projekt verfeinert werden. Der Tennisclub hat schliesslich ein ambitiöses Ziel: Bereits 2011 sollen die Mitglieder auf neuen Plätzen den Tennisbällen nachjagen.

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