Stadtmusik Grenchen
Stadtmusik kehrt Musikschule den Rücken

Die Stadtmusik Grenchen beschreitet neue Wege. Für ihren Nachwuchs verlässt sie sich nicht mehr auf die Musikschule. Die ersten Früchte der Strategie werden in fünf Jahren erwartet. Ermutigende Signale sieht der Vorstand schon heute.

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Bernhard Keller

Bernhard Keller

Solothurner Zeitung

Daniela Deck

«Wir haben uns von der Musikschule abgenabelt. Diese verfolgt hauptsächlich einen Bildungsauftrag. Wir aber wollen die Jugendlichen so ausbilden, dass sie möglichst schnell mit uns auf der Bühne spielen können.» Bernhard Keller ist seit acht Jahren Dirigent der Stadtmusik Grenchen. In dieser Zeit hat sich im Verein vieles verändert. Von 22 Aktiven hat sich die Stadtmusik auf 40 vergrössert. Der Jüngste, der am Samstag am Jahreskonzert auf der Parktheater-Bühne stehen wird, ist erst 11-jährig. Der Jüngste in der Schulung des Vereins ist sogar noch zwei Jahre jünger. Keller erklärt: «Wir haben selbst Musiklehrer angestellt. Das kostet uns zwar eine Menge. Aber wir sind überzeugt, dass die Strategie richtig ist.» Die Elternbeiträge will die Stadtmusik im Rahmen der Musikschulbeiträge halten. «Eigentlich sind wir günstiger, denn unsere Lektionen sind länger.»

Begehrte Ausbildung

Die Präsidentin, Fränzi Braga, doppelt beim Termin im Restaurant Airport nach: «Inzwischen interessieren sich mehr Kinder und Eltern für unseren Unterricht, als wir aufnehmen können. Wir würden gern mehr Schüler rekrutieren. Aber das ist eine Kostenfrage.» In fünf Jahren, so schätzt der Vereinsvorstand, wird der selbst ausgebildete Nachwuchs so richtig zum Tragen kommen.
Viele Musikgesellschaften sind inzwischen dazu übergegangen, aktiv Nachwuchs zu rekrutieren. Doch die meisten haben ein Auge darauf, dass die Instrumente gelernt werden, die im Ensemble gerade knapp sind oder fehlen. In dieser Frage gibt sich der Dirigent der Stadtmusik liberal. Man wolle bei der Wahl keinen Druck auf die Kinder und Jugendlichen ausüben. «Schliesslich muss das Spielen des Instruments und der Auftritt mit der Stadtmusik Spass machen.» Entscheidend ist nach Meinung von Bernhard Keller der Kontakt mit den Schulabgängern. «Wenn wir sie dann nicht begeistern können, sind sie für die Vereinsmusik verloren.»

Wider den Klamauk

Vor acht Jahren habe man eine Reihe von Zielen formuliert, erklärt Bernhard Keller. Eines war die Abkehr von ernster Musik. «Solche Musik geht am Publikum vorbei», sagt er dezidiert. «Wir setzen konsequent auf Unterhaltungsmusik.»

Eine Entscheidung, die sich in den steigenden Zuschauerzahlen an den Jahreskonzerten auszahle. 2001 seien nur noch 150 Personen im Parktheater gewesen. Im letzten Jahr sei der Saal mit ungefähr 450 Zuschauern voll gewesen. Auch überraschende Einlagen sind von den Konzerten nicht mehr wegzudenken. Dabei mache die Stadtmusik aber einen Bogen um Klamauk. «Unser Stil ist jener der Revue, gepflegt und originell.»

Mysteriöses und Greifbares

Die Konzerte stehen unter einem Motto, das sich von der Wahl der Musik bis auf die Dekoration auswirkt. Am Samstag ist das Publikum eingeladen, sich auf «Mystery» einzulassen. «Orpheus in der Unterwelt» ist zum Beispiel zu hören und «Voyager». Erstmals führt ein Moderatorenpaar durch den Abend: Tina Hennig, Amateurschauspielerin, und Matthias Struch, Dirigent eines Musikvereins. «Wir sind sehr stolz. Das ganze Konzert ist bis ins Detail absolut stimmig», freut sich Präsidentin Braga.
Die Stadtmusik geht auch beim Sponsoring interessante Wege. Jedes Stück, inklusive allfällige Zugaben, hat einen anderen Gönner. Beteiligt haben sich Grenchner Geschäfte und Privatpersonen.

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