Spital

Spitäler ohne genug Ausbildungsplätze sollen von Spitalliste verschwinden

Bittere Pille Wer nicht genug Ausbildungsplätze anbietet, soll nicht auf die Spitalliste kommen. Raphael Hünerfauth

Wink mit dem Zaunpfahl

Bittere Pille Wer nicht genug Ausbildungsplätze anbietet, soll nicht auf die Spitalliste kommen. Raphael Hünerfauth

Spitäler müssen bereit sein, bei der Ausbildung von genügend Pflegepersonal mitzuhelfen. Andernfalls werden sie auf der Spitalliste 2012 keinen mehr Platz finden. Mit diesem Wink mit dem Zaunpfahl will der Regierungsrat bewirken, dass der drohende Pflegenotstand nicht Tatsache wird.

Alfred Borter

In der Schweiz droht in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ein Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal. Noch kann man nicht von einem Notstand reden, wie der Regierungsrat vor einem Jahr in seiner Stellungnahme zu einem dringlichen Postulat von Kantonsrätin Susanna Rusca (SP, Zürich) festgehalten hat, doch die Aussichten seien kritisch. Man könne aber darauf zählen, dass die Spitäler freiwillig genügend Ausbildungskapazitäten anbieten würden.

Der Kantonsrat verpflichtete den Regierungsrat aber mit 139 zu 26Stimmen, das Begehren aufzunehmen. Jetzt ist die Regierung bereit, nicht mehr auf die Freiwilligkeit abzustellen, sondern sie will den Spitälern Vorschriften machen, was die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen für Fachangestellte Gesundheit angeht.

Die Planzahlen und die effektiven Zahlen der Lehrverhältnisse gehen krass auseinander. Im Jahr 2008 bekamen knapp 400 junge Frauen und Männer eine Lehrstelle als Fachangestellte Gesundheit statt 576 gemäss Plan. Und 2009 waren es 454 statt 580, obschon das Interesse bei den Schulabgängerinnen und Schulabgängern für die entsprechende Ausbildung recht gross ist.

Attraktivität steigern

Die Gesundheitsdirektion beabsichtigt nun, die Aufnahme von somatischen Akutspitälern und Rehabilitationskliniken sowie von psychiatrischen Kliniken auf die Zürcher Spitalliste 2012 «von der Bereitschaft zu einer angemessenen Ausbildungstätigkeit in den Gesundheitsberufen abhängig zu machen», wie der Regierungsrat schreibt. Die Aufnahme auf der Spitalliste ist die Voraussetzung dafür, Leistungen zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung erbringen zu können.

Ausserdem versucht man auch mit verschiedenen Mitteln, die Ausbildung in Pflege an einer höheren Fachschule attraktiver zu gestalten. Gemäss den Planzahlen sollten letztes Jahr 400Studierende die entsprechende Ausbildung aufnehmen, tatsächlich waren es aber nur 280, obschon mehr Praktikumsplätze bereitstanden. «Weshalb das Interesse an den Studiengängen unter den Erwartungen liegt, lässt sich derzeit noch nicht schlüssig feststellen», hält die Regierung fest.

Auch Privatspitäler und Pflegeheime betroffen

Weiter denkt man etwa darüber nach, ob ein Ranking der besten Ausbildungsbetriebe und eine entsprechende Zertifizierung durch den Kanton hilfreich wären; über derartige Auszeichnungen könnten sich die entsprechenden Betriebe im Markt vorteilhaft positionieren.

Wie vom Kommunikationsbeauftragten der Gesundheitsdirektion, Urs Rüegg, zu erfahren war, betrifft die Drohung, bei ungenügender Bereitstellung von Ausbildungsplätzen nicht auf die Spitalliste 2012 aufgenommen zu werden, auch die Privatspitäler, welche einen Leistungsauftrag erhalten wollen. Dank diesem Druckmittel sollte es gelingen, die Planzahlen im ganzen Kantonsbereich doch noch zu erreichen.

Pflegeheime, die möglicherweise ebenfalls bald in die kantonale Zuständigkeit fallen, könnten nach seinen Worten ebenfalls dazu veranlasst werden, mehr Ausbildungsplätze anzubieten: Wenn gute Worte nicht genügten, hätte die Regierung wohl über die Subventionen eine Handhabe, um anzuordnen, dass weitere Lehrstellen geschaffen würden.

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