verhüllte Frau
Sogar die Telefonistin hatte Angst vor Burka-Trägerin

Das war selbst für die Rezeptionistin im Stadthaus zu viel. Eine Frau, total verhüllt in schwarzen Tüchern, wollte sich anmelden. Stadtpräsident Boris Banga liess die Frau einen Tag später nochmals antraben – unter Polizeischutz. Nun werden Frauen in Burkas nicht mehr bedient.

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Urs Byland

Die Szene spielte sich beim Hôtel-de-Ville in Grenchen ab. Zuerst fuhr ein Streifenwagen mit zwei Stadtpolizisten vor. Kurz darauf ein Personenwagen, in dem ein Mann und eine total verhüllte Person sassen. Die Polizei war vom Stadtpräsidenten aufgeboten worden, um die Sicherheit bei der folgenden Anmeldung der verhüllten Person zu gewährleisten.

Diese blieb vorerst im Fahrzeug sitzen, während ihr Vater, als der sich ihr Begleiter herausstellte, dem Fotografen erklärte, seine Tochter wolle sich nicht fotografieren lassen. Danach stieg die 19-jährige Frau aus, verhüllt mit einer Burka komplett bis hin zu schwarzen Handschuhen, und begab sich zur Einwohnerkontrolle. Dort wurde sie in ein Zimmer geführt und von einer Beamtin und einer Polizistin empfangen.

«Kein Mummenschanz»

Die Frau in der Burka wollte sich schon einen Tag zuvor anmelden. «Ich kriegte richtig Angst, als ich die total verhüllte Person sah», erklärt Telefonistin Yvonne Bally. Die 19-Jährige verlangte in lupenreinem Schweizerdeutsch, nur von Frauen bedient zu werden.

Roland Schär, Leiter der Einwohnerkontrolle, wandte sich an den Stadtpräsidenten. «Wir sind kein Theater, und Mummenschanz steht nicht auf dem Programm», so Boris Banga. Er entschied - es war kurz vor Mittag - die Frau solle am nächsten Morgen nochmals erscheinen.

«Ich ging gar so weit, dass ich ihr zusicherte, bei der Entkleidung des Kopfes seien nur Frauen anwesend.» Es gehe nicht, dass man nur kurz das Tuch hebe, wobei kaum die Augen sichtbar würden. «Bei uns zeigt man das ganze Gesicht», so Banga. André Grolimund, Chef beim kantonalen Amt für Gemeinden, bestätigt: «In der Regel muss man bei uns bei einer Anmeldung das ganze Gesicht zeigen.» Das Gesetz regle aber die Verhaltensweise nicht im Detail.

«Dinge im Internet gelesen»

Banga bot für den Termin die Polizei auf. «Als ich die verhüllte Person in der Burka sah, dachte ich einen Moment lang, die könnte einen Sprengstoffgürtel tragen. Aber Sorgen machte ich mir mehr wegen ihres Vaters.»

Die waren unbegründet, wie sich am nächsten Tag zeigen sollte. Der Vater ist nicht ein eben eingereister Muslim aus einem islamischen Bergdorf, der kein Wort Deutsch spricht, dessen Töchter und Frau nur in Burka das Haus verlassen dürfen und der in seinem Heim oder in Grenchen die Scharia anwenden will.

«Sie spricht nicht mit Männern», erklärt der Marokkaner mit einer Spur von Verzweiflung. Seine Tochter, mit einer Schweizer Mutter aus dem Bürenamt, lernte noch bis vor zwei Jahren am Gymnasium in Biel. «Dann hat sie Dinge im Internet gelesen, die ihr Leben umkrempelten.» Sie sei indoktriniert worden, habe der Schule den Rücken gekehrt, verlasse kaum mehr die Wohnung und trage ausserhalb der Wohnung immer und nur die Burka. Weiterbildung betreibe sie in einem Fernstudium.

«Ich habe sie sogar für sechs Monate zu meinem Bruder nach Marokko geschickt, damit sie das normale Leben der Frauen in einem muslimischen Land erfährt und sich vielleicht aufs Kopftuch beschränkt.» Vergeblich. «Was soll ich machen?», fragt der Mann, der seine Tochter beim Gang zur Einwohnerkontrolle nicht allein lässt und sie mit engagiertem Respekt behandelt.

Banga überlegt sich Strafanzeige

Grenchens Stadtpräsident reagiert. «Wenn sich eine Person am Schalter nicht entschleiert, wird sie künftig nicht bedient.» Diese Weisung gelte ab sofort. Zudem überlege er sich eine Strafanzeige. «Die Polizei erhält immer öfter Reklamationen von Bürgern, die sich von solchen verhüllten Personen in Angst und Schrecken versetzt fühlen.» Auf der Post sei gar die Polizei angefordert worden, weil man einen Überfall befürchtete.

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