Chilbi
Sinnieren über das Regieren

Landammann Klaus Fischer hielt dieses Jahr die Vaterländische Rede an der Vorstädterchilbi. Er fragte sich, ob er denn nun eher Don Quijote oder Sancho Pancho sei – und wurde nicht recht schlüssig.

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Chilbi Stadt Solothurn

Chilbi Stadt Solothurn

Solothurner Zeitung

Mark A. Herzig

Wenn es in den letzten Tagen in der ganzen Stadt fröhlich tönte: «Wir sehen uns am Sonntag», dann waren es die St. Margrithenbrüder, die sich auf die Vorstädterchilbi freuten. Und sie kamen zahlreich: Ihrer 50 wohnten schon dem Tagwachschiessen bei, das mit seinen elf Böllerschüssen um sieben Uhr in der Frühe die Vorstadtbewohner aus dem Schlaf holte.

Wesentlich weniger martialisch und mit gemässigteren Tönen erfreute die Stadtmusik Konkordia, Ehrenverein der Bruderschaft Sanctae Margarithae, die auf dem Rossmarktplatz Versammelten mit ihrem obligaten Morgenständchen. Brüder und Schwestern feierten anschliessend in der Spitalkirche zum Heiligen Geist den Festgottesdienst, mitgestaltet vom Domchor St. Urs.

Ehrenprediger Ernst Eggenschwiler zelebrierte nicht nur die Messe, er blies - eine Première - auch das Alphorn. Ulrich Knellwolf stellte in seiner Predigt solche Töne in den grösseren Zusammenhang von Bibel und Dornacherschlacht: Von Aufgebot über Aufbruch, die Trompeten von Jericho bis hin zu den Posaunen des Jüngsten Gerichts.

Vorstand, Ehrenbrüder und Offizielle fuhren sodann ins Bürgerspital zur Visite der ehrwürdigen Schwestern und der hospitalisierten Schwestern und Brüder. Die anderen wiederum bevölkerten nach und nach die Tavernen der Vorstadt: das Fest nahm sozusagen langsam an Fahrt auf.

Um zwölf Uhr versammelten sich die 170 angemeldeten Brüder zum Bruderschaftsmahl. Dieses wurde wie immer durch den Chilbimarsch, das Tischgebet und das Grusswort von Obmann Claude Tschanz eröffnet.

Herrschen kann jeder, regieren ...

«Ist ein Regierungsrat Don Quijote oder Sancho Panza?» fragte Landammann Klaus Fischer, der in diesem Jahr den Toast aufs Vaterland ausbrachte. Nachdem zu Zeiten eines Cervantes ein Diener bei 17-stündigen Arbeitstagen wenigstens am Sonntagnachmittag (sic!) frei gehabt habe, fühle er sich als Landammann oft näher bei Sancho Panza.

Jedoch gebe es im Kanton Solothurn Windmühlen genug, gegen die gerade ein Bildungsminister ankämpfen könne. «Sagen sie jetzt bloss nicht, dass meine Rosinante DBK ein lahmer Gaul sei», wand er den Mitarbeitenden seines Departement für Bildung und Kultur ein Kränzchen.

«Ist ein Regierungsrat Diener des Volkes oder regiert er das Volk?» fragte Fischer, die Metapher weiterziehend. «Wählt das Volk eine Regierung, von der es dann regiert wird?» Das wäre ein Widerspruch in sich - eine Mischung aus beidem müsse es sein: «Die Regierung ist Teil des Volkes und handelt in seinem Auftrag. Das ist Verpflichtung für beide Seiten. Herrschen kann jeder, wenn er nur auf eine Weise zur Macht gelangt - regieren hingegen? Wir sind eine Einheit mit unterschiedlichen Aufgaben.»

Geschichten von Gefechten

Es gehört zur festgeschriebenen Tradition, dass beim Bruderschaftsmahl der Schlachtbericht von Dornach, aus der Feder von Robert Glutz von Blotzheim, verlesen wird. Dies geschieht im Gedenken an die Vorfahren, die sich in Dornach anno 1499, frisch von der Chilbi weg ins Feld gezogen, für das Vaterland geopfert haben.

Es wird aber auch der Gefallenen des Feindes gedacht. Mit dem Absingen des Bruderschaftsliedes endet der jeweils ernstere Teil des Chilbisonntags, der leichtere beginnt mit dem Protokoll der Chilbi vom vergangenen Jahr. Auch diesmal wurde es, nicht ohne Spitzen, doch in wohlgereimte Verse verpackt, von Cancellarius Franz Gamper vorgetragen.

Zum letzten Gefecht rafften sich die St. Margrithenbrüder dann zur Vortanzversteigerung nach amerikanischer Art auf. Bieter Heinz Holzer brauchte seine ganze Autorität, um einigermassen Ordnung im Geschehen zu halten. Dies gelang, und am Ende konnte er feststellen, dass der Zuschlag an Patrick Schwaller mit Frau Cornelia ergangen war, wofür die bietenden Brüder 1008 Franken eingesetzt haben. In aufgeräumter Stimmung ordnete man sich sodann zum Umzug, der mit dem Vortänzerpaar an der Spitze durch die mindere Stadt und auf die Brückenmitten führte; an seinem Ende stand die Bräntelärete im Oberen Winkel.

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