Montagsinterview
Shakira: «Mein Leben ist das eines Mädchens im Bonbonladen»

Nach einer Baby-Pause ist Shakira (40) wieder da. Als Sängerin, Aktivistin für Bildung, zweifache Mutter, Partnerin von Fussball-Star Gerard Piqué und so schön wie eh und je.

Steffen Rüth
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Shakira (40) will noch sehr lange Musik machen: «Ich habe noch so viele Ideen.» The New York Times/Redux/laif

Shakira (40) will noch sehr lange Musik machen: «Ich habe noch so viele Ideen.» The New York Times/Redux/laif

CHAD BATKA/The New York Times/Re

Shakira geht es prächtig. Der in Kolumbien geborene Superstar mit libanesischen Wurzeln ist mit dem neuen, fröhlich popsommertauglichen Album «El Dorado» und der Welttournee bestens im Geschäft. Aber auch privat läuft es blendend. Mit dem Barcelona-Verteidiger Gerard Piqué hat sie zwei Buben. Shakira ist im Februar 40 geworden und sieht keinen Tag älter aus als ihr zehn Jahre jüngerer Partner.

Shakira, Sie sind Sängerin, Mutter, Freundin und Aktivistin. Wie schaffen Sie das alles?

Shakira: Uff, auch ich habe natürlich Stress. Ich mache das nicht mit links. Mein Vorteil ist, dass meine Sinne immer scharf sind. Ich kriege alles mit. Warum auch immer. Mein Gehirn ist immer angeschaltet. Und ich schlafe weniger als die meisten anderen Menschen.

Wie viel schlafen Sie denn?

Ich wünschte, es wären acht Stunden. Aber meist sind es höchstens sechs.

Das geht ja noch. Kanzlerin Angela Merkel schläft angeblich nur vier Stunden.

Ja, es gibt Menschen, denen reicht das. Ich gehöre nur leider nicht zu diesen Menschen. Schlafen ist mir immer eine grosse Freude gewesen. Ich glaube, mit zwei Stunden mehr wäre ich noch viel besser drauf.

Mit Ihrer Stiftung setzen Sie sich seit 20 Jahren für die Bildung von Kindern und Jugendlichen in Entwicklungsländern ein. Was ist Ihr Antrieb als Aktivistin?

Mein Leben ist das eines Mädchens im Bonbonladen. Ich habe den Wunsch und auch die Verantwortung, selbst einige Bonbons an Menschen zu verteilen, die nicht so privilegiert sind.

Shakira

Shakira ist am 2. Februar 1977 in Barranquilla, Kolumbien als Shakira Isabel Mebarak Ripoll geboren. Sie sang zunächst nur Spanisch. Mit ihrem ersten englischsprachiges Album «Laundry Service» von 2002 wurde sie zu einem globalen Popstar. Shakira versteht sich nicht nur als Latin-Star, sondern bewegt sich auch in anderen Musikrichtungen. Weltweit verkaufte sie bis heute mehr als 75 Millionen Singles und Alben.

2010 sang sie den offiziellen Song zur Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika mit dem Titel «Waka Waka (This Time for Africa)». Seither ist Shakira mit dem zehn Jahre jüngeren katalanischen Fussballer Gerard Piqué vom FC Barcelona liiert. Sie wohnt mit Piqué in der katalanischen Hauptstadt. Vor vier Jahren kam ihr Sohn Milan, vor zwei Jahren ihr zweiter Sohn Sasha zur Welt. Nach der Baby-Pause geht sie jetzt wieder auf Welttournee. (sk)

Sie waren in Hamburg als der G20-Gipfel lief. Haben Sie jemanden der Teilnehmer sprechen können?

Ja. Den argentinischen Präsidenten Mauricio Macri und Justin Trudeau, den Premierminister Kanadas. Beide sind Schlüsselpersonen bei den Plänen, die wir für die Bildung umsetzen wollen. Präsident Macri ist Gastgeber des nächsten G20-Treffens 2018 in Buenos Aires, wo unsere Initiative, ein internationaler Bildungsfonds, verabschiedet werden soll. Und Justin Trudeau ist ein vorbildlicher Vorkämpfer, wenn es um die Bildung von Mädchen und die Karriere von Frauen geht. Sehr gern würde ich den französischen Präsidenten Emmanuel Macron kennen lernen, auch für ihn ist Bildung eine besonders wichtige Aufgabe.

Was erwarten Sie von einem Treffen wie dem G20-Gipfel?

Nun, natürlich erhoffe ich mir, meine Herzensangelegenheit, die Bildung, voranzubringen. Damit verbunden sind so viele andere wichtige Themen: Chancengleichheit, Teenager-Schwangerschaften, Kinderarbeit, Gleichberechtigung. Viele dieser Probleme lassen sich lindern, wenn Kinder eine Schule besuchen und mehr erfahren über ihre Möglichkeiten, ihre Gesundheit. Bildung ist ein Menschenrecht und kein Luxus.

Sie sind einer der globalsten Popstars überhaupt. Ohne Globalisierung gäbe es Shakira nicht in dieser Form. Können Sie es nachempfinden, wenn Menschen Vorbehalte gegenüber der Globalisierung haben?

Ich bin eine überzeugte Globalisierung-Befürworterin. Andere Kulturen und Weltanschauungen kennen zu lernen, ist der erste Schritt, andere Menschen zu verstehen und in Frieden zu leben. So viele Konflikte entstehen, weil uns gegenseitig die Empathie fehlt. Wie Mark Twain schon sagte: Reisen ist tödlich für meine Vorurteile. Heutzutage reisen wir nicht mehr nur real, sondern auch virtuell. Also, Globalisierung ist die Richtung, in der wir uns bewegen, und sie ist eine Einbahnstrasse. Meine Meinung ist: Entweder kommst du mit an Bord, oder du wirst zurückgelassen.

Sogar vor Chris Martin, dem Sänger von Coldplay, machen Sie mit Ihrem Bildungsauftrag nicht halt. Beim «Global Citizen Festival» am 9. Juli haben Sie im Duett gesungen. Chris sang seine Zeilen in erstaunlich flüssigem Spanisch. Haben Sie ihm das beigebracht?

Ha! Ja. Ich war sein Coach. Und war ich nicht echt gut als Coach? Er hat das richtig toll hingekriegt (lacht). Chris ist ein Naturtalent, was Sprachen angeht. Er lernt echt schnell. Und sein musikalisches Ohr hilft ihm, sich eine musikalische Sprache wie Spanisch anzueignen. Hut ab vor Chris.

Shakira mit Partner Gerard Piqué und den Söhnen Sasha und Milan.

Shakira mit Partner Gerard Piqué und den Söhnen Sasha und Milan.

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Kann es sein, dass Sie die Spanischlehrerin der ganzen Welt sind?

Da bin ich mir sogar ganz sicher. Ich habe schon so oft mit Menschen gesprochen, die meine Musik hören, die in meine Konzerte kommen und die anschliessend anfangen, Spanisch zu lernen. So wie Chris Martin. Er meinte, er hat sich mit der Sprache durch meine Musik vertraut gemacht. Dabei sind meine Texte ziemlich umgangssprachlich, also nicht immer das, was du in der Volkshochschule lernst. Dafür kannst du dich mit dem Shakira-Kurs schnell ganz gut mit den Leuten unterhalten. Jetzt im Sommer sind meine Songs der ideale Crashkurs für die Sommerferien.

In «Me Enamoré» singen Sie über Mojitos. Mit wem trinken Sie diese Cocktails?

Mit Gerard. Dieser Song ist wie eine Seite aus meinem Tagebuch. Ich beschreibe, wie ich Gerard, den Vater meiner Kinder, das erste Mal beim Videodreh zu «Waka Waka (This Time For Africa») in Los Angeles traf, und wie ich mich fühlte, als ich ihn sah. Nämlich, als hätte der Blitz eingeschlagen. Der ganze Song handelt von diesem einen Moment. Dem Moment, der mein ganzes Leben verändert hat. (lacht)

Das war 2010. Wie läuft es bei euch sieben Jahre später, im verflixten 7. Jahr?

Yeah, schon sieben Jahre. Wir sind wirklich, wirklich glücklich, es läuft super. Wir haben jetzt eine Familie, zwei Jungs, also, alles ist fantastisch.

Haben Sie ihm davon erzählt, dass Sie ein Lied über den Tag schreiben, an dem ihr beiden euch verliebt habt?

Oh nein, nein. Das hatte ich mir vorher auch nicht lang überlegt. Der Song ist einfach passiert, ziemlich spontan. Bei mir funktioniert das mit der Inspiration meistens so: Ich wache auf und habe eine Idee. Dann lege ich los. Das ist wie Therapie, wie eine gesunde Selbstreinigung.

Mag Gerard das Lied überhaupt?

Oh ja. Es gefällt ihm ausgezeichnet ... sagt er mir zumindest.

«Coconut Tree» ist auch ein Liebeslied, das von Gerard und Ihnen handelt, richtig?

Yeah, yeah. Das ist eine wahre Geschichte. Gerard ist auf diesem Album in vielen Songs präsent. Die ganze Platte ist so autobiografisch wie wohl keine zuvor.

Sie singen auf «El Dorado» überwiegend auf Spanisch statt auf Englisch. Macht Ihnen Spanisch mehr Spass?

Da bin ich immer schon meinem Instinkt gefolgt. Dieses Mal kamen mir die meisten Ideen auf Spanisch. Als ich mit der Platte begann, war ich kurz vorher zum zweiten Mal Mutter geworden, das Leben war also gerade besonders turbulent, und ich brauchte eine Zeit, um mich wieder auf die Musik konzentrieren zu können. Irgendwann platzte dann der Knoten wie von selbst. Ich glaube, meine Kreativität lässt sich vielleicht vorübergehend aufstauen, aber bis jetzt sprudelt sie immer weiter. Ich habe noch so viele Ideen!

«Lass es wieder so wie früher sein. Wir brauchen eine Zeitmaschine», singen Sie in «Coconut Tree». Sehnen Sie sich zurück in jene Anfangsphase eurer Beziehung, als das Verliebtsein noch frisch war?

Ach, da lag so viel Magie in jenen ersten Tagen. Was war das herrlich. Mit jedem Tag lernte ich diesen Menschen ein kleines bisschen besser kennen. Aber das Allerschönste ist, dass wir immer noch in dieser Phase sind. Das Wundervolle am Zusammenleben mit Gerard ist, dass er mich jeden Tag überrascht. Ich staune immer wieder neu, was für ein toller Mann er ist, was für ein wundervoller Vater, was für ein aussergewöhnlicher Mensch. Meine Liebe für Gerard wächst immer noch weiter.

Ist Liebe einfach, wenn man glücklich ist?

Es ist einfach, wenn man sich gern hat. Dann findest du einen Weg. Und wenn du mit jemandem zusammen bist, der so geduldig ist wie Gerard (lacht). Er nimmt es mit meinen Komplexen auf, jeden Tag. Er ist die perfekte Ergänzung zu mir, er versteht mich, und er akzeptiert mich so, wie ich bin. Ich selbst will mich ständig verändern, aber er meint immer nur «Wieso denn? Bleib doch so».

Sind Sie gerne kompliziert?

Ich habe mir das ja nicht ausgesucht (lacht). Es hat Vor- und Nachteile. Ich neige dazu, mich auf den Baum zu konzentrieren. Während Gerard den gesamten Wald im Blick hat.

Ihr habt zwei Jungs, Milan ist vier, Sasha ist zwei. Sind sie bei Ihrer Welttournee dabei?

Sie sind für einige Konzerte dabei, aber nicht auf der ganzen Tour. Das wäre nicht gut, wenn sie so lange im Kindergarten fehlen. Und Gerard würde sie dann ja auch ewig nicht sehen. Also ich denke: Manchmal kommen alle drei zu den Shows, ansonsten bleiben sie zu Hause bei ihrem Vater.

Stehen die beiden eher auf Fussball oder auf Musik?

Im Moment: Beides gleich. Fussball interessiert sie sehr und Musik mögen sie auch. Aber es ist noch sehr früh. Keine Ahnung, was die mal für Interessen entwickeln. Nicht, dass sie am Ende noch Zahnärzte werden wollen oder sowas (lacht). Nein, Quatsch, das wäre auch in Ordnung. Wenn sie denn Spass dran haben.

Sie sind im Februar 40 Jahre alt geworden. War das ein grosser Moment?

Klar, 40 wirst du ja nur einmal im Leben. Ich merke mein Alter aber eigentlich nur dann, wenn ich darüber nachdenke, wie lange ich das hier schon mache. Und wenn ich dann Fans treffe, die mir erzählen, dass sie schon seit über zwanzig Jahren dabei sind. Ich bin sehr dankbar für meine Karriere und überglücklich, dass ich so viele Menschen mit meiner Musik eine Freude mache. So kann es weitergehen. Ich werde definitiv auf absehbare Zeit nicht aufhören, Musik zu machen. Im Gegenteil: Ich werde noch mehr Musik machen. Einfach, weil ich Lust darauf habe.

Sie waren gerade zusammen mit Gerard bei der Hochzeit von Lionel Messi in Rosario. Haben Sie den Brautstrauss gefangen?

Oh, da muss ich gerade irgendwo anders rumgelaufen sein. Den Programmpunkt habe ich doch tatsächlich total verpasst (lacht).

Shakira: El Dorado (Sony). Live: 1. Dezember Hallenstadion Zürich.

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