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Schlossregion statt Flickenteppich

Schlossregion statt Flickenteppich

Schlossregion statt Flickenteppich

Man wolle sich nicht weiter von den Zentren Aarau und Baden zerdrücken lassen und die eigene Position stärken: Die Gemeindeammänner des Bezirks Lenzburg wollen abklären, wie mit einer neuen Organisation die Schlagkraft verbessert werden kann.

Fritz Thut

Während er zweimal persönlich nach «Aarau» reisen müsse, um beim Kanton ein Anliegen zu platzieren, könnten sich seine Kollegen von Aarau und Baden mit einem Mail begnügen, um ihre Wünsche anzubringen. So schilderte der Lenzburger Stadtammann Hans Huber in Brunegg an der jüngsten Zusammenkunft der Gemeindeammänner des Bezirks Lenzburg die Situation der Region im Sandwich der starken kantonalen Zentren.

«Um aufzuzeigen, wie man die eigene Position stärken kann», habe man eine kleine Gruppe eine Auslegeordnung erstellen und Ideen ausbrüten lassen, so Huber. Das Ergebnis dieser Überlegungen wurde den Gemeindeammännern des Bezirks von Ruedi Baumann, dem Präsidenten des Regionalplanungsverbandes (Repla) Lenzburg-Seetal, präsentiert.

Bündelung statt Verzettelung

Baumann schilderte eingangs die aktuelle Situation: Eine Vielzahl von Organisationen und Gruppen sei in verschiedenen, sich oft überlappenden Bereichen tätig: Die Gemeindeammännervereinigung (GAV), die Repla, soziale Dienstleistungen, Tourismus, Standortmarketing, Kulturorganisationen erwähnte er in «der nicht abschliessenden Aufzählung».

Komplizierend kommt dazu, dass das geografische Feld keineswegs deckungsgleich ist und viele Aufgaben, etwa die Sicherheit, in regionalen Verbünden wahrgenommen werden. Kurz: Man habe «einen Flickenteppich mit ‹Chörnlipickern›» oder «eine Verzettelung der Kräfte».

Die präsentierte Vision sieht eine Bündelung dieser Kräfte unter einem neuen, einheitlichen Label vor, das «klar, eindeutig, unmissverständlich» sein soll. Die Vorbereitungsgruppe liess das Projekt unter dem Namen «Schlossregion Lenzburg» segeln, doch die Weglassung des Begriffs «Seetal» geriet in der anschliessenden Diskussion bös in Gegenwind – erstaunlicherweise vor allem von Vertretern von Gemeinden ohne Hallwilerseeanstoss.

Eine Geschäftsstelle brauchts

Die angedachte Organisation verfüge über drei Hauptbetätigungsfelder: Kernkompetenzen (etwa bei Verkehr, Siedlung, Planung), Koordinationskompetenzen (Tourismus, Standortmarketing) und Unterstützungskompetenzen (etwa bei Schulfragen, sozialen Diensten, Kultur). Ein «Regio Rat» solle die strategische Kompetenz erhalten, also festlegen, wie der Hase in der erstarkten Region Lenzburg-Seetal läuft.

Als sichtbares äusseres Zeichen der «Schlossregion» soll an neuralgischer Stelle (in der Nähe des Bahnhofs Lenzburg) eine Geschäftsstelle aufgebaut werden. Deren Leiter muss «hohe Kriterien» erfüllen: Erfahrung in Verwaltung und Marketing sind ebenso Voraussetzung wie eine Affinität zu Politik und eine gute Vernetzung.

Dies alles wird dereinst viel Geld kosten. Andere Regionen, jüngst die «Regio Brugg», lassen sich ähnliche Einrichtungen zwischen 4 und 10 Franken pro Einwohner und Jahr kosten. Aktuell beträgt der Repla-Beitrag Fr. 1.50 pro Einwohner.

Um den aktuellen Bedarf einer solchen neuen Organisation abzuklären und deren Zielsetzungen und Aufgaben zu definieren, setzten die Gemeindeammänner eine vorbereitende Arbeitsgruppe ein, der neben Baumann Heinz Bürki (Seon), Kathrin Härdi (Brunegg), Thomas Hofstetter (Lenzburg/Niederlenz), Gérald Strub (Boniswil) und Ruedi Würgler (Dintikon) angehören.

Hohe Akzeptanz

In der vorgängigen Diskussion stiessen die Ideen auf eine hohe Akzeptanz. Die Fusion von GAV und Repla sei eine vordringliche Aufgabe, wurde etwa betont. Es gab aber auch warnende Stimmen, die verlangten, man müsse «subtil vorgehen».

Vor allem Vertreter von Rand- und Zwischengemeinden wiesen darauf hin, dass es jetzt schon schwierig sei, ihren Ratskollegen und Bürgern die Repla-Beiträge «gut zu verkaufen»: «Wir sehen bisher schon keinen direkten Nutzen.»

Grossmehrheitlich dominierte jedoch die Ansicht, dass man anfangen müsse, «in grösseren Kreisen zu denken». Der indirekte Nutzen müsse auch berücksichtigt werden. Und sogar der Gemeindeammann von Hallwil, Walter Gloor, sonst solchen zentralisierenden Vorhaben gegenüber äusserst kritisch eingestellt, schloss ein Ja nicht zum Vornherein aus: «Wenn man profitiert, zahlt man gerne etwas.»

Von der Arbeitsgruppe werden in diesem Jahr noch erste Vorschläge erwartet. Diese sollen 2011 verfeinert und in Pflichtenhefte überführt werden und 2012 soll die Geschäftsstelle in Betrieb genommen werden.

Nach einem etwa dreijährigen Versuchsbetrieb, begleitet von Monitoring- und Controlling-Verfahren soll, so die Vision von Ruedi Baumann, ein «Erfolgsfest» gefeiert werden.

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