Barcelona

Rentner plündern über 30 Büros – Beweggründe überrascht selbst die Polizei

Auf frischer Tat ertappt – die Überwachungskamera überführt die Diebe.HO

Auf frischer Tat ertappt – die Überwachungskamera überführt die Diebe.HO

Ledermantel, Handschuhe und Sturmhaube: So kennen wir die Diebe. Anders in diesem aufsehenerregenden Fall: Wenn sich die Büros leerten, kamen die Senioren und liessen allerhand mitgehen.

Den Fall publik machte gestern die katalanische Polizei Mossos d’esquadra. Sie teilte mit, Mitte Juli zwei Rentner im Alter von 66 und 67 Jahren festgenommen zu haben. Ihr Vergehen: Sie sollen mehr als 30 Büros in der Innenstadt von Barcelona ausgeraubt haben. «Ziel waren vor allem Anwaltskanzleien, Werbeagenturen und diverse Sprachschulen», sagte der für die Ermittlungen zuständige Polizist.

Von Computern, Tablets und anderen elektronischen Geräten bis Geld: Alles Wertvolle liessen die Diebe mitgehen. Für ihre Taten hatten die beiden eine überraschende Begründung bereit: Ihre Rente sei zu niedrig, um auf dem Standard, den sie vor der Pension hatten, weiterzuleben. Über ein Jahr hatte die Polizei im sogenannten Old-Boys-Fall ermittelt. Damals gaben Aufnahmen einer Überwachungskamera die entscheidenden Hinweise für die Identifizierung der nun gefassten zwei Räuber.

Die beiden Männer kennen sich aus der Immobilienbranche. Dort sei auch die Idee entstanden, Büros zu plündern. Ihr Vorgehen war immer gleich: Einer wartete vor der Tür und schlich sich rein, sobald ein Mitarbeiter rausging. Drinnen täuschte er vor, am Telefon zu sein und beobachtete, wie die übrigen Angestellten ihre Arbeitsplätze verliessen. Waren alle weg, rief er seinen Komplizen, der die Türen aufbrach. «Die Aufnahmen der Überwachungskamera zeigen, wie die Pensionierten in aller Ruhe ihr Diebesgut einstecken», so der zuständige Polizist. Während einer der Räuber Handschuhe trägt, achtet der andere im Anzug nicht mal darauf, keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Trotzdem – oder gerade weil die Rentner angaben, ihre Rente sei zu niedrig – waren die Ermittler bei den Hausdurchsuchungen überrascht: Einer der Diebe lebte in einem Haus mit Pool und Garten und sammelte seltene Militärstücke. Laut spanischen Medienberichten ist einer der Räuber nach Zahlung von 4000 Euro Kaution inzwischen übrigens wieder frei.

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