Bei einem Fussballspiel zwischen Amed SK und Sakaryaspor in der dritten türkischen Liga kam es am Wochenende zu einem Eklat.

Amed-Spieler Mansur Calar soll eine Rasierklinge auf den Platz geschmuggelt haben. Medienberichten zufolge soll der 33-jährige Mittelfeldspieler des Heimteams damit mehrere Gegner verletzt haben.

Einige der Gästespieler teilten nach der Partie Fotos ihrer Schnittverletzungen auf den sozialen Medien. Video-Aufnahmen zeigen, wie es auf dem Platz und später in den Kabinen zu Auseinandersetzungen kam. Die Partie endete übrigens 1:1 unentschieden.

Das Amed-«Problem»

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Spiel mit Beteiligung von Amed SK für Furore und Aufregung sorgt. Kaum ein Verein wird vom türkischen Fussballverband mit derart vielen Disziplinarverfahren überzogen wie Amed SK. Auch diesmal hat der Verband Ermittlungen gegen den Club aus Diyarbakır in Südostanatolien angekündigt. 

Doch warum? Amed SK ist für die Fans mehr, als nur Fussball. Der Club trägt den kurdischen Namen der zweitgrössten Stadt im Südostanatolien, dessen Bewohner hauptsächlich Kurden sind. Die Vereinsfarben sind Rot, Grün und Weiss – die Farben der Flagge Kurdistans. Der Verein hat nicht nur für die Kurden in Diyarbakır selbst eine tiefere Bedeutung: Verwirklichung für ein unterdrücktes Volk.  

Anhänger wie auch Spieler sehen sich bei Liga-Spielen meist mit rassistischen Hassparolen, Beleidigungen und Bedrohungen konfrontiert. Der Verein ist eine beliebte Zielscheibe der türkischen Nationalisten. Immer wieder kommt es auch zu Angriffen, gegen Fans, Funktionäre oder Spieler. Die Liga sanktioniert nur sehr zögerlich oder gar nicht.

Die Amed-Fans reagierten indes mit politisch motivierten Gesängen – und der Fussballverband strafte den Klub mit einer saftigen 150'000-Euro-Busse ab. In der Türkei sind bis heute die meisten Kurden-Vereine als politische Organisationen verboten, der Sportclub bildete da seit seiner Umbenennung 2013 eine Ausnahme – bisher. Der Fussballverein ist längst Spielfeld des türkisch-kurdischen Konflikts geworden, wie auch die Geschehnisse des vergangenen Spieltags zeigen.

Und auch der türkische Staat mischt hier ordentlich: Der deutsch-kurdische Ex-Bundesliga-Spieler Deniz Naki spielte zweieinhalb Jahr für Amed, wurde auf dem Platz von Fans angegriffen – und letztlich für seine pro-kurdische Haltung selbst Opfer der «politischen Justiz».

Im Frühjahr 2017 wurde der in Deutschland geborene Naki von einem türkischen Gericht wegen «Terrorpropaganda» für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu einer Bewährungsstrafe von rund 18 Monaten verurteilt worden. Warum? Er hatte einen Sieg seiner Mannschaft den Opfern des  türkisch-kurdischen Konflikts gewidmet.

Der Anwalt des früheren St.Pauli-Profis kritisierte die Entscheidung als «willkürlich». Der türkische Fussballverband sperrte Naki später lebenslang wegen «Diskriminierung und ideologischer Propaganda».

Der heute 29-Jährige verliess die Türkei wieder in Richtung Deutschland, wo er im Januar 2018 knapp einem – seiner Aussage nach politisch motivierten – Mordanschlag auf der Autobahn entkam.