Pedibus statt Elterntaxi
Per Pedibus, statt mit Elterntaxi

VCS-Kampagne Eltern sollen ihre Kinder wieder vermehrt zu Fuss zur Schule schicken Gefährden Elterntaxis das «Kulturgut Schulweg»? Ja, glaubt Grossrat Andreas Hofmann (SP). Statt eines Verbotes verweist die Erziehungsdirektion auf die VCS-Kampagne Pedibus.

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Pedibus

Pedibus

Zur Verfügung gestellt

Bruno Utz

Der Schulweg ist landauf und landab stets ein Thema. Genauso das so genannte Elterntaxi. Viele Eltern ersparen ihren Sprösslingen mit ihren regelmässigen Fahrten direkt vor die Schulhaustüre den «mühsamen und gefährlichen» Weg. Dabei darf dieser wohl länger sein, als die meisten Eltern meinen. In einem entsprechenden Merkblatt vom Oktober 2008 erinnert die Erziehungsdirektion an die Zumutbarkeits-Faustregel. Demnach sind den Kindern Fussmärsche von 30 Minuten, in den Alpen auch von 45 Minuten pro Schulweg in jedem Fall zumutbar. Ebenso täglich vier Mal 1,5 Kilometer, wenn kein grosser Höhenunterschied zu bewältigen ist.

Halteverbote bei Schulhäusern
Die Realität sieht meist anders, aus. Nach Meinung von Grossrat Andreas Hofmann (SP) gefährden die Elterntaxis sogar das «Kulturgut Schulweg». Um den drohenden Verlust zu stoppen, mahnt er den Regierungsrat, er solle mehr hinschauen. «Ist die Regierung bereit, Grundlagen zu schaffen, um das Problem Elterntaxi einzudämmen? Könnten nicht Halteverbote im Bereich der Schulhäuser Abhilfe schaffen? Solche Fragen will Hofmann, er ist Gymnasiallehrer, beantwortet haben.

Es sind nicht nur «Linke», die sich um den Schulweg kümmern. So forderte der Aargauer Grossrat Dragan Najmann (SD) im vergangenen Jahr ein grundsätzliches Verbot von Elterntaxis. Ausnahmen sollten restriktiv und nur auf begründetes Gesuch hin gestattet werden. Obwohl Najmann seine Motion in ein unverbindliches Postulat wandelte, schickte im August das Aargauer Kantonsparlament seinen Vorstoss mit 81 zu 32 klar bachab.

Eltern sind verantwortlich
In seiner Antwort zur Interpellation Hofmann verweist nun auch der bernische Regierungsrat auf die geltende Rechtslage, die in dieser Sache kein Verbot vorsehe. Verbote führten ohnehin in aller Regel zu alternativen Planungen. Betroffene versuchten, das Verbot zu umgehen. Auch Erhebungen und Statistiken seien von ihm keine geplant. «Daher sollen auch keine ‹auffälligen› Schulen eruiert werden», wie Hofmann dem Regierungsrat zur Grundlagenbeschaffung vorgeschlagen hatte.

Für den Kindergarten- und den Schulweg trügen rein rechtlich die Eltern die Verantwortung. An diesen sei es, zu bestimmen, wie die Kinder den Schulweg zurücklegen. Schliesslich verweist der Regierungsrat auf die im vergangenen Hebst vom Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) lancierte Kampagne Pedibus.

Ein «Schulbus auf Füssen»

Der vom VCS Schweiz Mitte Oktober letzten Jahres in der Deutschschweiz lancierte Pedibus ist kein richtiger Bus, sondern ein «Schulbus auf Füssen». Die Kinder gehen also zu Fuss zum Kindergarten oder zur Schule und zurück. Auf dem Weg werden sie von einer erwachsenen Person (Chauffeuse) begleitet. Diese folgt einer vereinbarten Route (Linie) und holt die Kinder zu bestimmten Zeiten (Fahrplan) an definierten Orten (Haltestelle) ab. Die Begleitperson bringt die Kinder sicher ans Ziel, macht sie auf Gefahren im Strassenraum aufmerksam und hilft ihnen, richtig damit umzugehen. Der Pedibus eignet sich für Kinder von vier bis acht Jahren. Es werden Verhaltensregeln vereinbart. Die Kinder, deren Eltern und die «Chauffeuse» bestätigen mit ihrer Unterschrift, davon Kenntnis genommen zu haben. Pedibus stellt auch Hilfsmittel zur Verfügung. (uz)
Infos: www.pedibus.ch oder www.zu-fuss-zur-schule.ch

«Den Pedibus gibts in der Romandie bereits seit einigen Jahren. Es existieren etwa 250 ‹Linien›», sagt die beim VCS für das Projekt verantwortliche Christine Steinmann (vergleiche Artikel rechts).

Auch in Moosseedorf und Herzogenbuchsee funktioniere ein vergleichbares Angebot seit längerer Zeit. Im kommenden Frühling sei Ostermundigen an der Reihe. Der Kanton Luzern plane sogar eine flächendeckende Einführung. Als erste luzernische Gemeinde habe Hellbühl den «Schulbus auf Füssen» schon realisiert. Genauso Schmitten FR. Und aus dem Kanton Zürich hätten sich Gemeinden angemeldet. «Ich habe fast täglich Anfragen», so Steinmann.

Nützt auch der Gesundheit
Nach ihrer Meinung sprechen drei Hauptaspekte für den Schulweg zu Fuss. «Die Kinder lernen, sich im Verkehr richtig zu verhalten. Und der Schulweg ist auch ein Erlebnisweg.» Die Kinder bekämen Routine und seien so besser gewappnet für die Freizeitwege. Weiter werde die Sozialkompetenz gestärkt. «Die Kinder können sich mit ‹Gspänli› austauschen und Konflikte austragen.» Der Schulweg fördere auch die Gesundheit. «Er ist eine kleine Trainingseinheit gegen den Bewegungsmangel.» Schliesslich seien Kinder nach einem Weg an der frischen Luft konzentrierter.

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