Kulinarik

Pasta geht auch exotisch – worauf Schweizer neuerdings abfahren

Ramen-Gericht. Nudeln, Schweinefleisch, Lauchringe und Ei – aber auf asiatisch. shutterstock

Ramen-Gericht. Nudeln, Schweinefleisch, Lauchringe und Ei – aber auf asiatisch. shutterstock

Der Schweizer liebt Teigwaren. Kein Wunder also, dass er nun auch auf die asiatische Variante steht.

Hörnli, Spaghetti oder Tortellini gehen irgendwie immer. Bei Teigwaren weiss man, was man kriegt, kann mit Saucen und Füllungen variieren und wird satt. In der Schweiz steht Pasta ganz weit oben auf dem Menüplan. Unsere Küche orientiert sich stark an der Italienischen cucina. Fatto in casa, Pasta della Nonna. Und schon leuchten die hungrigen Augen.

Beäugt man die derzeitige Restaurant-Szene und die Neueröffnungen in den Schweizer Städten, fällt eines auf: Die Zeit der exotischen Küche ist angebrochen, es werden asiatische Teigwaren aufgetischt. Im Quartier mischen sich kleine, authentische Lokale und Pop-up-Restaurants unter die ansässigen Italiener und orientalisch angehauchten Mezze-Beizen. Und bieten – egal ob japanisch, vietnamesisch oder chinesisch – vor allem Nudeln aus dem Fernen Osten an.

Als Einlage in einer grossen Suppen-Bowl neben knackigem Gemüse, Poulet oder Schweinefleisch, auf einem kleinen Tellerchen mit Vinaigrette und feinen Gemüsestreifen oder gerne auch in Ravioli-Form diverse Füllungen umhüllend.

Aromatisch, frisch, fettarm, voller Rohkost und oft vegetarisch – das trifft den Zeitgeschmack. Die Gerichte sind leicht; auch weil in der asiatischen Küche keine Milchprodukte verwendet werden. Also keine mastige Carbonara, kein Parmesan Topping. Gemüse, Fleisch und Nudeln. Die asiatische Küche gilt als gesund. Denn im Gegensatz zur italienischen, amerikanischen oder österreichischen Küche sind asiatische Gerichte sehr gnädig mit unserer Figur.

Ramen an jeder Ecke

Der Schweizer steht auf asiatische Nudeln. Kaum eröffnet ein neuer Asiate, stehen die Gäste Schlange und warten auch mal wochenlang auf einen Tisch. Wie im Restaurant Oki in Zürich oder in den beiden Japanern Ikoo und Miki Ramen. Auch das altehrwürdige «Sala of Tokyo» hat mit dem «Yume Ramen» neulich einen Ableger eröffnet. Zürich ist die Stadt der japanischen Nudeln. Doch auch in Bern ist ein Japaner gerade in aller Munde. Das Pop-up-Restaurant Mister Mori. Temporär bieten Markus Arnold und Tom Weingart Tokyo Cuisine an – und weil «Mister Mori» so beliebt ist, bleibt das Lokal noch bis zum 20. Mai offen.

Man könnte jetzt behaupten, die Betreiber haben ein Leichtes, weil der Schweizer ja ohnehin in Pasta verliebt ist. Man könnte es aber auch anders auslegen: Wir haben genug von typischen 08/15-Teigwaren mit dicken, mächtigen Saucen. Am Ende hat Pasta bei all den Gesundheits- und Ernährungs-Splins immer den faden Beigeschmack: Kohlenhydrate gleich Dickmacher! So löffeln wir die kalorienärmere Variante aus Fernost nur allzu gerne.

Es sind insbesondere Japaner, die sich gerade rasant vermehren. Sie wollen vor allem eines: Zeigen, dass die japanische Küche mehr ist als Sushi. Und so setzen die authentischen Klein-Restaurants auf traditionelle Gerichte, um sich von den Sushi-Ketten abzuheben. An vorderster Front wird mit Ramen und Udon gekämpft. Ramen gehören zur japanischen Esskultur. Obwohl es in Japan an jeder Ecke Ramen-Restaurants gibt, stehen Einheimische auch mal eine Stunde Schlange für eine Schale Nudelsuppe.

Die Nudeln aus Weizenmehl schwimmen in einer kräftigen Bouillon, begleitet werden sie etwa von Schweinefleisch, gebratenem Gemüse, Sojasprossen und einem gekochten Ei. Damit der Gast auch weiss, dass er das japanische Traditionsgericht bekommt, wird «Ramen» oftmals gleich in den Restaurant-Namen gepackt.

Der grosse, oder, besser gesagt, dicke Bruder der Ramen heisst Udon. Das sind weisse, dicke, Nudeln, die vom Aussehen und der Konsistenz her an Würmer erinnern, aber sehr lecker sind. Auch Udon- Nudeln werden in der Suppe oder in würzigen Saucen gereicht. Meist mit Lauch und frittierten Crevetten. Wer eine solche Energie-Suppe schlürft, wärmt Magen und Herz. Apropos Schlürfen. Der Geschmack eines Ramen- oder Udon-Gerichts entfaltet sich am besten, wenn man die Nudeln schlürft. Lautes Schlürfen gilt in Japan als Zeichen, dass es einem schmeckt.

Frische Ware aus der Region

Auch vietnamesische Kost steht gerade hoch im Kurs. In Zürich gilt das «Co Chin Chin» als Vorzeige-Vietnamese, ausgebucht seit der Eröffnung. Mit dem «Lucky Dumpling» an der Langstrasse will Besitzerin Ting Min Liu mit ihren handgemachten Teigtaschen eine «andere» Küche Chinas vermitteln. Sie hat ins Schwarze getroffen, denn Teigtaschen schmecken den meisten.

Zwei Dinge haben alle neuen Asiaten gemein. Erstens ist ihre Einrichtung genauso so schlicht wie ihre Küche. Weniger ist mehr. Die Karten sind nicht üppige Bild-Bänder mit in Plastik gefassten Seiten und Nummern vorne dran, wie wir sie aus früheren Zeiten kennen. Zweitens: Genauso wichtig wie die japanische Kochkunst ist die Schweizer Fleisch-Qualität. So heisst es etwa: «Only Swiss pork, chicken and eggs are used.»

Die frische Ware möchte Frau und Herr Möchtegern-Exot dann doch ganz gerne aus der Region. Das lässt sich ja heute Gott sei Dank bestens vereinen. Asia-Küche mit Schweizer Schwein. Aber die Schärfe immer schön «European Style».

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1