Neues schimmert hindurch

Neues schimmert hindurch

Neues schimmert hindurch

Der Künstler Ueli Sager aus Möhlin kreiert zeitungsstarke Kunstwerke

ladina Kunz

Die U.-J.-Kym-Villa in Möhlin ist in idyllischem Grün eingebettet, Vögel zwitschern und die Sonne funkelt durch das Laub der blühenden Bäume. Doch nicht nur die Umgebung, auch die alte Villa präsentiert sich voller Charme, lädt zum Verweilen ein. Im Eingangsbereich wird der Besucher als Erstes von der Statue des ehrenwerten U.J. Kym willkommen geheissen. Ueli Sager – Meler Arzt und Künstler – geht den Flur hinunter und schliesst die Tür auf. Hier liegt sein Atelier.

Die Freude am Gestalten hat schon in seiner Jugendzeit begonnen, vor allem mit S-8-Filmen, er wurde Arzt und betreibt seit 29 Jahren eine Gemeinschaftspraxis in Möhlin. Die Kunst lief immer nebenbei, ist für Sager aber ein enorm wichtiger Lebensinhalt. Ueli Sager erklärt, was ihn an der künstlerischen Tätigkeit fasziniert. «Es ist die Lust am Gestalten und etwas sichtbar zu machen. In der Medizin ist vieles nicht ersichtlich, was wir machen, in meiner Kunst schon eher.»

Bild und Wort wichtig

Welche Art von Kunst er macht, ist schwer zu definieren, selbst für ihn. «Ich mache das, was an mich herankommt, was ich sehe. Vor allem das Verbinden von Bild und Wort ist für mich sehr wichtig, und dies in ganz unterschiedlichen Formen.» Dies ist auch in seinem Atelier zu sehen, Kunst macht er mit allem, sei dies Strandgut, Stein, Holz, Blech oder einfach Farbe und Leinwand. Schlicht gesagt: Ueli Sager ist ein Wiederverwerter, er lässt aus Alltäglichem faszinierende Kunstwerke entstehen.

So erhalten Tageszeitungen bei ihm eine neue Identität. Er macht seine ganz eigenen Bilder daraus. «Eine Zeitung ist im Vornherein für das Altpapier bestimmt, da habe ich wohl einige Exemplare gerettet», sagt Ueli Sager und schmunzelt dabei. Aus dieser speziellen Kunstform ist sein Buch mit dem Titel «der wiederholende Blick» entstanden, indem wiederum Wort und Bild miteinander zusammenarbeiten.

Er nimmt Zeitungen, reisst Titel und Bilder aus der oberen Schicht heraus, sodass neue Texte oder Bilder von hinten durchschimmern. Das Herausgerissene wird wieder angeklebt. Dazu braucht er nicht viel, Scotchstreifen, Leim, einiges an Kopfarbeit. So entstehen Bilder, die Décollagen genannt werden. Das Wichtigste dabei ist: Die Dekonstruktion der Zeitung führt zu etwas Neuem. «Ich bringe etwas zusammen, das eigentlich nicht zusammengehört, und ermögliche so einen zweiten Blick, einen Blick unter die Oberfläche», erklärt Ueli Sager seine Bilder und zugleich auch den Titel des Buches.

Spiel mit den Buchstaben

Aus 5 Jahren «Zeitungsabrissen» und über 200 gesammelten Décollagen wurden deren 31 ausgewählt und ins Buch gebracht. Dessen Zielpublikum ist für Sager klar: Menschen, die Freude an der Kunst, an Bild und Wort und Lust an der Sprache haben. So wie er selber.

Ein weiterer wichtiger Zweig seiner künstlerischen Tätigkeit ist für Ueli Sager nämlich das Spiel mit Wörtern und Buchstaben. Das Erschaffen von Neuem ist hier wieder von grosser Bedeutung. So nimmt er die Buchstaben eines Wortes und kombiniert diese neu miteinander. Dies machte er auch in seinem Buch «der wiederholende Blick». Er nahm die herausgerissenen und nachher wieder aufgeklebten Zeitungstitel-Wörter und listete sie neben den Bildern auf. Mit deren vorhandenen Buchstaben formte er anagrammatisch neue Wortformen und setzte diese gleich dem ursprünglichen Text gegenüber.

Freiraum für Interpretationen

Der zweite Blick, auf den Sager immer wieder aus ist, hat aber keine festgefahrene, missionierende Bedeutung. Manchmal sind die Themen politisch oder auch gesellschaftskritisch, lassen dem Leser oder Begutachter aber genügend Freiraum zur eigenen Interpretation. Aber auch der Humor spielt in Sagers Kunst eine grosse Rolle – der Unernst schimmert immer wieder durch. Dies zum Beispiel, wenn er Blechdosen, die von Autos plattgewalzt wurden, anmalt und mit dem Wort «Blech» anschreibt. Ueli Sager fügt hinzu: «Ich weiss nicht sicher, was ich mit meiner Kunst ausdrücken oder geben will. Vielleicht einfach, dass jemand Freude daran finden kann.»

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