Spreitenbach

Nach Klo-Attacke in Spreitenbach: Gemeindeammänner sichern Türen

Pervers: Das Pult von Ammann Josef Bütler, nachdem der Inhalt eines chemischen WCs ausgeschüttet wurde. (Bettina Meyer-Herms)

Die «offene Verwaltung» gerät in den Clinch

Pervers: Das Pult von Ammann Josef Bütler, nachdem der Inhalt eines chemischen WCs ausgeschüttet wurde. (Bettina Meyer-Herms)

Nach der Güllenattacke hat der Spreitenbacher Gemeindeammanns Josef Bütler sein Büro besser gesichert. Niemand kann sein Büro unangemeldet mehr betreten. Auch in anderen Gemeinden werden die Sicherheitsbestimmungen verschärft.

Die meisten Gemeindeammänner fühlen sich auch nach der Güllenattacke auf den Speitenbacher Ammann sicher. Sie wollen weiter ein offenes Ohr für die Anliegen der Bevölkerung haben. Doch gleichzeitig wollen sie künftig auch die Sicherheit insbesondere auch des Personals jederzeit gewährleisten.

Bei Josef Bütler in Spreitenbach wird man als Folge der Güllenattacke künftig nicht mehr unangemeldet eintreten können. Vereinzelte Sicherheitsmassnahmen sind vorab bei den Sozialen Diensten bereits installiert oder werden geplant. Grundsätzlich soll der Zugang zur Verwaltung weiterhin offen bleiben, wenn auch die Güllenattacke Erinnerungen an das Massaker in Zug weckte.

Wie machen es die Ammänner in Bad Zurzach, Baden, Wettingen, Brugg, Neuenhof?

Franz Nebel, Bad Zurzach

Franz Nebel, Gemeindeammann in Bad Zurzach, stuft den Spreitenbacher Vorfall als äusserst bedenklich ein, «auch wenn ich die Vorgeschichte im Detail nicht kenne». Als möglichen Grund für die zunehmenden verbalen Attacken sieht Nebel die um sich greifende Ansicht, der Staat respektive die Gemeinde sei für die Lösung aller Probleme zuständig. Verwaltungsangestellte im Fleckenbüro im Parterre des Rathauses seien schon mehrmals beschimpft und mit dem Hinweis bedacht worden, ihr Lohn werde von den Steuern bezahlt - also hätten sie sich entsprechend zu verhalten. Im Laufe des letzten Jahres sind das Fleckenbüro und das Sozialamt mit Sicherungssystemen ausgestattet worden. (Za)


Stephan Attiger, Stadtammann von Baden

Solche Attacken wie in Spreitenbach sind laut Stephan Attiger scharf zu verurteilen. Der Stadtammann wie auch die Stadtschreiber müssen sehr viele Amtshandlungen unterschreiben, darum seien sie auch verstärkt der Kritik ausgesetzt, erklärt Stephan Attiger. Der Eingang am Kirchplatz wurde schon vor einigen Jahren als Stadthauszugang geschlossen. Ansonsten kann jedermann die Verwaltungsabteilungen betreten. Zutritt beim Stadtammann gibt es nur über die Eingangskontrolle und via Vorzimmer. Er erhalte hie und da Drohungen per E-Mail, auch anonyme. Dahinter würden meist schwierige Fälle von Beistands-, Amtsvormundschaften und Kindesschutz stecken. Bei Betroffenen können Aggressionen zu Drohungen führen oder sich in persönlichen Gesprächen plötzlich äussern. In den vergangenen vier Jahren habe Attiger deswegen einmal die Polizei alarmieren müssen. Wichtig ist für Attiger die Sicherheit des Personals. Darum sind bei den Sozialen Diensten Sicherheitsmassnahmen vorgesehen. (-rr-)


Markus Dieth, Wettingen

«Das Rathaus ist und bleibt ein öffentliches Gebäude und soll für jedermann zugänglich sein», sagt Markus Dieth, Gemeindeammann von Wettingen. Durch die Eingangshalle mit Auskunftsschalter führt eine Treppe nach oben. Wer das Büro von Dieth betreten will, muss aussen klingeln und die Tür aufschliessen lassen. Dieth fühlt sich sicher im Büro. Die nötigen Sicherheitsvorkehrungen seien bereits getroffen worden. «Wenn ich das Büro verlasse, ist die Tür abgeschlossen.» Der Sitz der Regionalpolizei im Rathaus ist für die Sicherheit entscheidend. Im Büro des Sozialamtes kann mit einem Alarmknopf die Polizei informiert werden. (tab)


Daniel Moser, Brugg

«Es wäre schade, wenn solche Vorfälle dazu führen würden, dass die Offenheit und die Zugänglichkeit der Verwaltung erschwert würden», erklärt der Brugger Stadtammann Daniel Moser. «Die Sicherheitsvorkehrungen im Stadthaus sind situationsgerecht. Weitere Massnahmen sind nicht vorgesehen. Im Bewusstsein natürlich, dass durchaus etwas vorfallen könnte.» - Bereits vor längerer Zeit mit einer Sicherheitsschleuse versehen worden sind die Büros der Sozialen Dienste der Stadt Brugg. «Unsere Büros sind zudem mit Alarmknöpfen ausgerüstet», sagt Jürg Schönenberger, der Leiter der Sozialdienste. Im gleichen Gebäude befindet sich auch die Regionalpolizei. «Wir sind sehr froh darüber», erklärt Jürg Schönenberger. (lp)

Walter Benz, Neuenhof

Tritt man ins Gemeindehaus Neuenhof, müssen zuerst zwei Schiebetüren passiert werden, bevor man zum Empfangsschalter gelangt. Der Zugang zum Gebäude wird nur jenen gewährt, die nachweislich einen Termin vereinbart haben oder deren Gesicht der Gemeindeverwaltung bekannt ist. «Diese Schleuse verhindert, dass Leute ins Haus kommen, die hier nichts zu suchen haben», erklärt Walter Benz, Gemeindeammann von Neuenhof. Im Gebäude drinnen sind alle Räume nochmals abgesichert. «Nur die Schalterstellen können vom Gang aus ohne Schlüssel betreten werden. Alle Büros und Sitzungszimmer sind verschlossen.» Die exponierten Stellen wie Empfang und Sozialamt hätten sogar die Möglichkeit, einen stillen Alarm auszulösen. «In mein Büro lasse ich niemanden, der sich nicht angemeldet hat. Wenn jemand ohne Termin bei mir klopft, öffne ich die Tür nicht. Er muss sich zuerst bei der Kanzlei melden.» (tab)

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