Düsseldorf (D)
Nach 31 Jahren: Vermeintliches Mordopfer wieder aufgetaucht

Eine 24-jährige Studentin verschwand spurlos im Juli 1984 in Braunschweig. Ein Mann, der einen anderen Mord begangen hatte, gestand, auch sie getötet zu haben. Doch nun ist die Frau wieder aufgetaucht – quicklebendig.

Philipp Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen
Mit dieser Fotomontage wurde 1984 nach der verschwundenen Studentin Petra P. gesucht.
5 Bilder
Die Studentin trug diese schwarze Lederhandtasche. Sie wurde auch in der «Aktenzeichen XY»-Sendung gezeigt.
Diese Einkaufstausche trug die Studentin auf sich, als sie verschwand. Sie wurde auch in der «Aktenzeichen XY»-Sendung gezeigt.
Das waren Reisepass, Personalausweis und Studetenausweis der Studentin.
So suchte die Polizei nach der Vermissten

Mit dieser Fotomontage wurde 1984 nach der verschwundenen Studentin Petra P. gesucht.

HO

Die damals 24-jährige Petra P. war im Juli 1984 im Bereich Braunschweig/Wolfsburg spurlos verschwunden. Zu der Zeit wohnte sie in einem Studentenwohnheim in Braunschweig im deutschen Bundesland Niedersachsen. Ihr Bruder meldete sie als vermisst, einen Tag nachdem sie nicht wie verabredet im Elternhaus aufgetaucht war, als diese für zwei Wochen in die Ferien gefahren waren.

Dort wollte sie in Ruhe ihre 100 Handseiten lange Diplomarbeit ins Reine schreiben und sollte sich auch um den jüngeren Bruder kümmern.

Trotz grosser Suche blieb die Stundentin der Informatik verschwunden. Daran änderte sogar eine Fahndung in der Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» vom 11. Januar 1985 nichts. Sie ergab keine weiteren Erkenntnisse. Die Polizei ging deshalb von einem Tötungsdelikt aus.

Falsches Geständnis

Ein Mann, der ein Jahr zuvor ein 14-jähriges Mädchen ermordet hatte, legte nach seiner Verurteilung sogar ein Geständnis ab, auch die Petra P. umgebracht zu haben. Wobei er das Geständnis später widerrief. Das Mädchen war in einem Waldstück in der Nähe einer Bushaltestelle ermordet, welche auch die 24-jährige Studentin nicht nur regelmässig benutzte, sondern wo sie auch für die Fahrt nach Hause eingestiegen wäre.

Ende 1989 wurde die Studentin offiziell für tot erklärt. Doch nun ist die Frau in Düsseldorf wieder aufgetaucht – quicklebendig. Nachdem in ihre Wohnung eingebrochen worden war – ein Nachbar hatte den Einbruch entdeckt und gemeldet – , habe sie sich «bei der Tatortaufnahme» am 11. September zu erkennen gegeben, wie die Polizei Braunschweig in einer Medienmitteilung schreibt.

Zwei Ermittler der Braunschweiger Kriminalpolizei fuhren daraufhin ins 320 Kilometer entfernte Düsseldorf und vernahmen die Totgeglaubte in den letzten Tagen. Sie bestätigen, dass es sich bei der 55-Jährigen tatsächlich um die Langzeitvermisste handelt.

Laut Polizei gab die Totgeglaubte an, in den vergangenen 31 Jahre in mehreren Städten in Westdeutschland unter falschem Namen und ohne Papiere gelebt zu haben. Sie hatte, wie diewelt.de berichtet, weder ein Bankkonto noch eine Versicherung und hielt sich dafür «mit Jobs, für die sie bar bezahlt wurde», über Wasser, so ein Polizeisprecher.

Strafrechtlich ist der Frau nichts vorzuwerfen. Allerdings müsse sie jetzt wieder für lebend erklärt werden und einen Ausweis beantragen.