Luterbacherhof
Juwel befreit sich vom Tauben-WC

Bald ist Schluss mit der Taubendreckspur auf dem Marktplatz. Der Luterbacherhof wird saniert. Damit kommt eine der schönsten Bauten aus den 50er-Jahren in der Stadt wieder richtig zur Geltung.

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Luterbacherhof Grenchen

Luterbacherhof Grenchen

Grenchner Tagblatt

Daniela Deck

«Wir wollen es mit der Stadt Grenchen nicht verderben. Mit dem ganzen Taubendreck rund ums Haus sah es ja wirklich nicht mehr schön aus.» Das sagt Konrad Luder zur Sanierung des Geschäftsgebäudes am Marktplatz, dessen Stirnseite bereits mit einem Baugerüst versehen wurde. Der Solothurner Notar amtet als Sekretär der Hauseigentümerin, der Marianne und Erich Luterbacher Stiftung. Stadtbaumeister Claude Barbey bestätigt, dass die Baudirektion die Eigentümerin des Marktplatzes 9 zur Renovation «ermuntert» habe. Ein Fall wie der Luterbacherhof sei für die Baubehörde immer eine heikle Sache, sagt Barbey. «Wir müssen uns für das Stadtbild einsetzen und die Hauseigentümer für den Wert ihrer Bausubstanz sensibilisieren.» Umso mehr freut er sich, dass die Sanierung der Fassade jetzt Gestalt annimmt.

Von der Mode zum Reisebüro

In den 55 Jahren seines Bestehens bot der Luterbacherhof ganz unterschiedlichen Gewerben ein Dach. Bis Mitte der 90er-Jahre herrschte Anny Schneider mit ihrem Geschäft für Damenkonfektion über Parterre und 1. Stock. Seit ihrer Geschäftsaufgabe teilen sich das Reisebüro Schneider, das «Little Italy», Boutiquen und seit wenigen Jahren der claro-Weltladen das «Imperium». Zeitweise gehörten auch Bücher Lüthy und Interdiscount dazu. Der zweite und eine Hälfte des dritten Stocks wandelte sich von Uhren-Terminage-Ateliers zu Arztpraxen, Kosmetik- und Wellnessstudios, wovon die frühere Praxis von Fritz Zach noch auf einen Nachmieter wartet. Die oberen zweieinhalb Stockwerke sind nach Angabe von Roman Schreier, Präsident der Luterbacherstiftung, der das Haus gehört, in Dreizimmerwohnungen aufgeteilt. «Nach dem Tod einer Mieterin wird eine Wohnung renoviert. Der Rest ist vermietet», sagt er. (dd)

Verzicht auf Beiträge

Die Umgebung des Luterbacherhofs hat Nachbarn und Passanten seit Jahren geärgert. Denn die Liegenschaft war als einziges Geschäftshaus am Marktplatz nicht taubensicher. Zu Dutzenden drängten sich die Vögel zeitweise auf den Fensterbänken. Kot und Federn legten ein meterbreites Band um das Gebäude. Für die Geschäfte und das Fastfoodlokal, die im Haus eingemietet sind, war die unappetitliche Visitenkarte schlechte Werbung. Auch die Betreiber des angrenzenden Restaurants Passage beklagten sich oft.

Mit der Sanierung kommt zugleich eine der schönsten 50er-Fassaden in Grenchen zu neuem Glanz. Stadtbaumeister Claude Barbey: «Der Luterbacherhof ist eines der Gebäude, für die Grenchen letztes Jahr ausgezeichnet wurde.» Das Haus ist zwar vom Heimatschutz bisher nicht als erhaltens- oder gar schützenswert klassiert worden, doch Barbey sieht dafür gute Chancen. «Dann würde der Kanton Beiträge an die Sanierung zahlen», deutet er an die Adresse der Besitzer an. Konrad Luder lässt sich von diesem Wink mit dem Zaunpfahl nicht beeindrucken: «Mit den Beiträgen gäbe es Auflagen. Wir möchten aber auch in Zukunft frei entscheiden können.»

Geschäftshaus und Apotheke gebaut

Gebaut wurde das fünfstöckige Geschäftshaus 1954 vom Berner Ehepaar Luterbacher, zeitgleich mit der Postapotheke an der Centralstrasse. Erich Luterbacher führte die Apotheke jahrzehntelang selbst. Erst ein paar Jahre vor seinem Tod 1992 verkaufte er sie. Seine Frau Marianne wohnte bis zu ihrem Tod vor vier Jahren am Marktplatz.

Weil das Paar keine Kinder hatte, richtete ein Freund, Roman Schreier, auf Luterbachers Wunsch die Stiftung ein. «Seit 1967 habe ich das Haus betreut», erklärt er. Der Etziker ist der Stiftungsratspräsident. Er kennt auch die Geschichte der Liegenschaft vor seiner Zeit. «Als der Luterbacherhof gebaut wurde, war er etwas Besonderes. Rundherum waren die Häuser kleiner. Kurz vorher war ein Gebäude an der Rainstrasse abgerissen worden, so dass der Neubau noch imposanter wirkte.» Von Anfang an war das Haus für eine gemischte Nutzung vorgesehen: Gewerbe- und Wohnraum (siehe Text links). Damit es seiner Aufgabe weiterhin nachkommen kann, werden in den nächsten Wochen für 30 000 bis 40 000 Franken die Fassade aufgefrischt, die Fenster saniert und Taubenschutzdrähte montiert.