Industrie für Pistenverlängerung

Jetzt schaltet sich die Wirtschaft in die Diskussion um die Verlängerung der Piste am Flughafen Grenchen ein. Namhafte Industrie- und Gewerbevertreter haben zur Unterstützung der Pläne einen Verein gegründet.

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Industrie für Pistenverlängerung

Industrie für Pistenverlängerung

Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Nick Hayek, die Brüder Mathys,
Peter Trösch: Das sind nur einige Persönlichkeiten, die dem Wunsch nach einem Ausbau der Flughafenpiste Nachdruck verleihen. Präsidiert wird der neu gegründete Verein «Pro Regionalflughafen Grenchen» vom Bettlacher Robert
Mathys. Vizepräsident ist der Direktor der Städtischen Werke Grenchen (SWG), Per Just. Urs Kaiser ist Kassier. Um die Werbung kümmert sich Thomas Koller, der bereits den Ausbau des Flughafens Kloten begleitet hat. Als Geschäftsführer amtet Jürg Möri, der langjährige Messeorganisator der Mittelländer Ausstellung mia. «Ich bin selbst nicht Vereinsmitglied», erklärt Möri. Angefragt wurde er, weil er schon für die Airshow 2006 in ähnlicher Tätigkeit beteiligt war.

Mitglied werden können Wirtschaftsvertreter, denen der Flughafen ein Anliegen ist. Sie müssen nicht unbedingt aus der Region stammen. Denn die Vereinsgründer sind überzeugt, dass die Entwicklung des Flughafens landesweit von Bedeutung ist.

Politiker ausgeschlossen

«Der Verein agiert unabhängig vom Flughafen», betont Jürg Möri. Die Verwaltungsräte der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG seien von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Die klingenden Namen, die dem Verein zur Initialzündung verholfen haben, bedeuteten nicht, dass nur Industriebosse mit grossem Einkommen willkommen sind, sagt Jürg Möri. «Die Türen des Vereins stehen auch Gewerbevertretern offen, die kleine Betriebe führen.»

Bewusst habe man sich gegen die Aufnahme von Politikern entschieden, so der Geschäftsführer. «Die Pistenverlängerung soll nicht zum Spielball politischer Interessen werden.»

Mit Fakten gegen Polemik

Morgen Freitag wird die Homepage des Vereins aufgeschaltet: www.pro-rfp.ch. Die Internetseite bietet neben einem Chatroom für Mitglieder hauptsächlich die Argumente für die Pistenverlängerung. Dazu sagt Geschäftsführer Jürg Möri: «Der Flughafen bedeutet für Grenchen den entscheidenden Standortvorteil. Das hebt uns von
allen Städten zwischen Aarau und der Romandie ab. Denn einen Autobahnanschluss hat heutzutage jede grössere Ortschaft.»

Ein zentrales Anliegen des Vereins ist es, Missverständnisse auszuräumen und Polemik mit Fakten zu kontern. «Die Umweltverbände haben sich sehr früh in die Diskussion eingeschaltet und Ängste geschürt. Uns geht es darum, dass die Geschäftsreiseflugzeuge, die den Flughafen heute bereits anfliegen, ihr Potenzial ausnützen können.» Sprich: Sie sollen bei jeder Witterung volltanken können. Ein Teil dieser Flugzeuge füllt heute in Grenchen nur gerade so viel Sprit ein, um entweder Bern-Belp oder einen Flughafen jenseits der Landesgrenze zu erreichen. Dem Flughafen Grenchen entgehen so beträchtliche Einnahmen.

Eine Hektare Kulturland benötigt

«Die Geschäftsflüge machen heute knapp zehn Prozent der Starts und Landungen aus», gibt Jürg Möri zu bedenken. «Selbst wenn sie um die Hälfte zunehmen, ist das ein Wachstum auf tiefem Niveau.» An die Adresse der lärmgeplagten Anrainergemeinden will Jürg Möri
beruhigende Signale senden. «Moderne Geschäftsflugzeuge sind inzwischen leiser als viele kleinere Flugzeuge.» Die Pistenverlängerung bedeute nicht, dass alle Flugzeuge weiter im Osten aufsetzen beziehungsweise abheben. «Die Schulungsflugzeuge behalten ihre Winkel bei, die sie heute fliegen. Alles andere wäre für sie sinnlos.»

Jürg Möri ist bewusst, dass der Verein nicht nur fordern kann. «Die Pistenverlängerung versiegelt rund eine Hektare Kulturland. Da ist es klar, dass es im Gegenzug Massnahmen zur Aufwertung der Umwelt braucht. Wir wollen uns dafür einsetzen.» Nach Einschätzung des Geschäftsführers wäre es das Schlimmste, wenn die Pistenverlängerung vor Gericht landet. «Geld, das so vernichtet würde, stecken wir besser in Projekte in der Witi.»

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