Hitze

In Möhlin schwitzten Bauarbeiter

Ein Platz an der Sonne: Die Bauarbeiter in Möhlin hatten gestern einen allzu warmen Arbeitsplatz. (Walter Schwager)

Hitze in Möhlin

Ein Platz an der Sonne: Die Bauarbeiter in Möhlin hatten gestern einen allzu warmen Arbeitsplatz. (Walter Schwager)

Wenn die Sonne schon im Mai die Luft zum Flimmern bringt, lohnt es sich, genauer aufs Thermometer zu schauen. Die MZ suchte den heissesten Ort im Kanton Aargau – und fand den Sieger in Windisch mit 33,8 Grad.

Sabine Kuster

Um 10 Uhr morgens war es in Ueken im Fricktal bereits 25 Grad warm und am Mittag zeigte das Thermometer vieler Aargauer Wetterstationen 28 Grad. Um 15.30 Uhr schliesslich hatte Möhlin mit 31,6 Grad die Nase vorn.

Dass vorgestern Koblenz einen Hitzerekord verzeichnete und gestern Möhlin, ist kein Zufall: Wie Meteorologe Reto Vögeli von Meteo News erklärte, ist es unten am Rhein naturgemäss wärmer: je tiefer die Lage, desto höher die Temperaturen. «Pro hundert Meter Höhendifferenz nimmt die Temperatur im Durchschnitt um 0,7 Grad ab beziehungsweise zu», sagte Vögeli. Es handelte sich gestern um einen Wettstreit im Zehntelbereich: In Wohlen war es um 15.30 Uhr mit 33,1 Grad nur unmerklich kühler als ihn Möhlin.

Keine Klimaanlage in Baggerkabine

Die MZ besuchte Möhlin am Nachmittag in seinem Hitze-Delirium und traf beim Ortseingang Bauarbeiter, die in der prallen Sonne eine Leitung für Abwasser in die Erde betonierten. Aimé Herro, einer der Arbeiter, gab sich unbeeindruckt: «Die Hitze macht mir nichts aus, so werde ich gratis braun.» Beim Wässern des Betons konnte er aber dennoch nicht widerstehen und verpasste sich gleich selbst eine kühlende Dusche. Sein Kollege im Bagger hatte allerdings Pech: Die Klimaanlage funktionierte nicht und verwandelte seine Kabine in einen Brutofen.

Die Bauarbeiter waren nicht die Einzigen, die der Hitze trotzten: Im Dorf putzte ein Bauer seine Mähmaschine. Er hatte am Nachmittag über zwei Stunden auf dem Feld Gras geschnitten und in Siloballen verpackt. Noch sei im Boden genug Wasser für die Pflanzen gespeichert, sagte er. Dem schönen Wetter traute er ohnehin nicht: «Es sieht zu unbeständig aus, um das Gras auf dem Feld zu Heu trocknen zu lassen», sagte er. Im «Sonnenpark» wenige Schritte weiter lag die Wiese im Schatten der grossen Bäume. Vier Mütter hatten sich hierher mit ihren Kleinkindern zurückgezogen. Die Kleinen kämen gut mit der Hitze zurecht, fanden sie, sie hätten bloss weniger Appetit als sonst.

An einem der zahlreichen Brunnen in Möhlin hielten der 11-jährige Fatos und die 12-jährige Dejana ihre Münder in den Wasserstrahl. Vorher seien sie barfuss im Möhlinbach gewatet und hätten sich nass gespritzt, erzählten die beiden. Und natürlich hatten sie schon eine Glace geschleckt.

Im Dorfkiosk kaufte sich ein 12-Jähriger statt einer Glace lieber Schleckereien. Er trug einen grauen Kapuzenpulli und gestand: «Ein bisschen warm habe ich schon.» - Das hätte wohl auch ein kleiner schwarz-brauner Hund gesagt, wenn er denn gekonnt hätte. Er sass angebunden im Schatten vor der Post und hechelte.

Um 17.30 Uhr wars am heissesten

Um 17 Uhr auf der Rückfahrt nach Baden zeigte ein kurzer Anruf bei Meteonews: Möhlin hat nun den Rekordwert von Koblenz am Sonntag erreicht: 33,3 Grad. Erst eine halbe Stunde später jedoch war die Quecksilbersäule auf dem Höchststand: 33,5 Grad heiss war es in Möhlin - 33,8 Grad meldete die Wetterstation in Windisch und jagte Möhlin sozusagen im Endspurt noch den Hitzerekord ab.

Auf einem Feld zog ein Traktor eine grosse Staubwolke hinter sich her, den Reben entlang dem Bözberg wird die Sonne gut getan haben. Bis zu 40 Grad und mehr muss es jedoch in der prallen Sonne auf der Autobahn heiss gewesen sein. In Autos ohne Klimaanlage klebte den Fahrern das Hemd am Rücken. Die Hitze hatte Folgen: Ein Lastwagen stand kurz vor Baden mit einem abgeschälten Pneu auf dem Pannenstreifen.

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