Hochzeit

«Ich bin trotz allem nicht der Pfarrer»

Im Tagsatzungssaal in Baden bittet Albert Conrad, Leiter Zivilstandsamt, das frisch verheiratete Brautpaar Matthias und Nicole Gotter zur Unterschrift

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Im Tagsatzungssaal in Baden bittet Albert Conrad, Leiter Zivilstandsamt, das frisch verheiratete Brautpaar Matthias und Nicole Gotter zur Unterschrift

Die Zahl der Eheschliessungen steigt auch dieses Jahr weiter an. Und die Hochzeit ist im Wandel: Zivilstandsbeamte, Hochzeitsplaner und Ausstatter erzählen, wohin die Trends gehen und was beim Alten bleibt.

Katja Schlegel

Heiraten steht auch nach dem Rekordjahr 2008 hoch im Kurs. Doch die traditionelle Hochzeit hat ausgedient: Das Brautpaar heiratet nicht mehr vorwiegend im Frühling. Heute geben sich Paare oft auch ohne Kirche das Ja-Wort.

«Wir haben dieses Jahr mehr Trauungen als üblich», sagt Albert Conrad, Leiter Zivilstandskreis Baden. «Überraschend viele» Hochzeiten melden auch die Regionalen Zivilstandsämter Mellingen und Birr; und die Zivilstandsbeamten in Bad Zurzach sind bereits «ziemlich ausgebucht». Es besteht kein Zweifel: Heiraten steht auch nach dem letztjährigen Schnapszahlen-Hype hoch im Kurs.

«Bis und mit 9. April hatten wir bereits 57 Trauungen», sagt Conrad. Zum Vergleich: 2007 waren es bis dato 44, 2006 deren 54. In den Schatten gestellt werden die diesjährigen Zahlen lediglich vom Rekordjahr 2008 - bis zum 9. April waren es 61 Hochzeiten. «Extrem hoch ist jeweils die Zahl auswärtiger Paare», sagt Conrad. Also Paare, die nicht im betreffenden Zivilstandskreis oder in einem anderen Kanton wohnen. 2008 stammten 30 Prozent von auswärts.

Nicht nur in Baden geht es hoch zu und her, auch in Birr und Mellingen haben die Zivilstandsbeamten alle Hände voll zu tun: In Birr sind laut Leiter Roland Fischer bereits 50 Reservationen eingegangen. Im Vergleich zu 71 Trauungen im Vorjahr fehlen da zwar noch einige. «Aber im Gegensatz zu 55 Trauungen im Jahr 2007 ist die Zahl schon sehr hoch.»

In Mellingen fanden dieses Jahr bereits 16 Trauungen statt, 46 sind geplant - macht total 62. «Das sind überraschend viele», sagt Zivilstandsbeamtin Fabienne Zemp. Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt von 95 Hochzeiten liege man gut im Rennen. «Und weitere Anmeldnungen kommen laufend dazu.» Den Vorjahreszahlen dicht auf den Fersen ist auch das Regionale Zivilstandsamt Bad Zurzach.

45 Trauungen sind reserviert, 2008 waren es total 70. «Mit 45 Trauungen sind wir aber bereits ziemlich ausgebucht», sagt Leiterin Madeleine Mosimann. Denn ein Effort wie am 8. August 2008 - damals wurden 13 Paare getraut - sei nicht geplant.

Hochzeitsmonat hat ausgedient

Mit der Hochzeitswut entwickeln sich auch neue Trends: Das Brautpaar von heute heiratet im Herbst und meist nur noch zivil. «Wir haben für dieses Jahr erst sechs Reservationen», sagt Ursy Weil von der Reformierten Kirche Baden. Und auch in der Römisch-Katholischen Kirche Baden wird im Mai, eigentlich dem Hochzeitsmonat schlechthin, nur gerade eine Trauung gefeiert. «Hingegen sind wir im Herbst schon fast ausgebucht», sagt Pfarreisekretärin Rita Wildi-Müller. Dass vermehrt bloss noch zivil geheiratet wird, bestätigen auch die Zivilstandsämter. «Damit haben auch die Ansprüche an die Zivilstandsämter deutlich zugenommen», sagt Mosimann.

Das bringe die Ämter schon mal an ihre Grenzen. «Solche Paare wollen häufig Elemente aus der kirchlichen Trauung integrieren, beispielsweise den festlichen Einzug der Braut», sagt Mosimann. Selbstverständlich versuche man, sämtliche Wünsche zu berücksichtigen. «Aber ich musste schon einige Brautpaare darauf hinweisen, dass ich trotz allem nicht der Pfarrer bin», sagt Mosimann. Immerhin sei die zivile Trauung eine Amtshandlung mit gesetzlichen Vorgaben, und nicht «zwei in einem».

Gestiegen ist auch die Zahl der Paare, welche die Eheringe bereits auf dem Amt tauschen. «Die Quote ist extrem hoch», sagt Conrad. In Baden liegt sie dieses Jahr bisher bei rund 80 Prozent. Und auch in Birr schätzt Fischer die Zahl der «Ringtauscher» auf 70 Prozent. Das bedeute aber nicht, dass nur 30 Prozent der Paare anschliessend kirchlich heiraten. «Viele tauschen die Ringe bei der kirchlichen Hochzeit einfach noch ein zweites Mal - doppelt hält ja bekanntlich besser.»

Modisch bleibts Traditionell

Modeteschnisch ist die Hochzeit nur teilweise im Wandel: «Beim Brautkleid bleibt man beim traditionellen Weiss oder Beige», sagt Jolanda Schindler von der Brautboutique Perle in Unterkulm. Dies, obwohl die Designer viele Kleider in Brauntönen oder mit Stickereien verziert anbieten. «Das kommt bei den Schweizerinnen aber nicht gut an - die mögen es eher schlicht», so Schindler. Eines fällt der Expertin aber auf: «Heute werden die Kleider seltener gemietet als früher.»

«Der Bräutigam von heute trägt einen figurbetonten Anzug», sagt Christine Müller vom Herrenausstatter Kleider Müller in Wettingen. Farblich bleibt man hingegen eher bedeckt. Laut Expertin ist und bleibt der Klassiker schwarz.

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