Tag des Denkmals
Handwerken wie richtige Pfahlbauer

Am Tag des Europäischen Denkmals luden die Kantonsarchäologie Solothurn sowie die Gemeinden Bolken und Inkwil an den Inkwilersee ein. Stoff zum Thema «Am Wasser» lieferten die einst dort ansässigen Pfahlbauer zur Genüge.

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Tag des Denkmals, Inkwilersee

Tag des Denkmals, Inkwilersee

Solothurner Zeitung

Agnes Portmann-Leupi

Geheimnisvoll zeigt sich der Inkwilersee unter dem samstäglichen Hochnebel. Geheimnislüftend erweisen sich die fünf Pfahlbauer-Ateliers am Ufer des Sees, in welchem seit dem 19. Jahrhundert prähistorische Fundstellen bekannt sind. Begeistert zeigt Kantonsarchäologe Pierre Harb am Infostand das im Jahr 2007 in einer Tauchaktion gefundene Kinderschwert aus Nadelholz aus der Zeit von 1260 bis 890 vor Christus sowie Keramik, ebenfalls aus der späten Bronzezeit. Die Tauchaktion bestätigte, dass die Siedlungsreste der letzten archäologischen Untersuchungen in den Jahren 1946/47 noch in erstaunlich gutem Zustand sind.

UNESCO-Welterbe-Kandidat

Die Seeufersiedlungen des Alpenraumes zählen zu den bedeutendsten archäologischen Kulturgütern Europas. Momentan läuft die Kandidatur für die Aufnahme der prähistorischen Pfahlbauten in der Zeitspanne von 4300 bis 800 vor Christus in das Unesco-Welterbe. Die internationale Kandidatur, an der neben der Schweiz auch die Länder Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und Frankreich beteiligt sind, läuft mit dem eigens dafür gegründeten Verein «Palafittes» unter der Federführung der Schweiz. Mit der Aufnahme von 155 Seeufersiedlungen soll die Bedeutung dieses kulturellen Erbes vermehrt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Ganze 82 der vorgeschlagenen Ufersiedlungen stammen aus der Schweiz.
Gefördert werden soll aber auch der internationale Austausch von Wissen und Erfahrungen beim Schutz und der Präsentation von Pfahlbau-Fundstellen. Gefunden wurden nicht nur Keramikscherben und Tierknochen, sondern beispielsweise auch Holzgefässe, Werkzeuge, Holzflöten, die ältesten Textilien Europas, das älteste erhaltene Brot der Welt, ja sogar Kaugummis. Eingereicht wird das Nominationsdossier Ende 2009. Der Entscheid der Unesco ist für Sommer 2011 vorgesehen. (APB)

Pierre Harb freut sich, dass die Pfahlbau-Fundstellen des Inkwiler- und des Aeschisees im Nominationsdossier für die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe figurieren (siehe Kasten). Diese füllten eine wichtige Fundlücke zwischen den Pfahlbausiedlungen in der Ost- und Westschweiz.

Armreif aus Bronzeguss

Aufsteigende Rauchwölkchen verraten, dass am Seeufer gewerkt wird. Die Bronzegiesser, beide heissen Markus Binggeli, erhöhen mit einem beeindruckenden, ledernen Blasebalg die Temperatur ihres Kohlenfeuers gegen 1100 Grad Celsius. Darin zugedeckt liegen Tiegel gefüllt mit Bronzeteilchen. Aus der orangen, flüssigen Masse, die sie in Sandsteinformen füllen, entstehen Nachbildungen bronzezeitlicher Objekte wie Pfeilspitzen und Armreifen. Die Archäologie-Studentin Corinne Hodel demonstriert einen prähistorischen Grubenbrand von Keramik. Eifrig töpfern die Kinder aus Ton kleine verzierte Schalen, die in der Feuergrube bei rund 700 Grad gebrannt werden.

Die Herstellung von Pfeilen und die Bearbeitung von Feuersteinen veranschaulichen Christoph Lötscher und Ruedi Murer von der Kantonsarchäologie. Diese Steine dienten längst nicht nur zum Feuermachen. Mithilfe eines Schlagsteins fertigt Christoph Lötscher mit gezielten Schlägen scharfe Pfeilspitzen und Messerklingen an. Ruedi Murer meint: «Alles, was die Natur bot, wurde ausgenutzt.» So etwa Tiersehnen zum Umwickeln der Holzschäfte und eingekochte Birkenrinden als Kitt.

Wildschweinjagd mit Langbogen

Als Renner erweist sich das Bogenschiessen. Väter und Mütter kommen mit den begeisterten Kindern nicht um die Wildschweinjagd herum. Kein leichtes Unterfangen, mit einem hölzernen Langbogen zu hantieren und das Wildschwein aus Karton zu treffen. Mausetod wäre dieses nach dem ersten Schuss von Alex zwar noch nicht. Aber immerhin steckt der Pfeil beim zweiten Versuch im linken Ohr.

Ein denkwürdiger Tag

Einfacher ist es, sich das Essen im Festzelt zu besorgen. Dort brutzeln die Steaks bereits zerlegt auf dem Grill. Zudem verlocken Kaffee und Kuchen.

Als «denkwürdig» bezeichnet Rita Beer, Präsidentin der Umweltschutzkommission Bolken, diesen Tag. Durch die Organisation zusammen mit Inkwil und den Vereinen glaube sie, dass dieser Tag des Denkmals durchaus den Ausschlag für künftige Anlässe geben könnte. «Der See als Naherholungsgebiet ist uns etwas wert», sagt sie mit Nachdruck.

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