Hermann Schönbächler und seine Familie sind die bekannten Menschen aus «Auf und davon». Der «Kult»-Auswanderer mit dem langen Bart sorgte mit seinem «pädagogischen Zweihänder» «Richi, I ha gseit du söusch di guät häbä» wurde zum unfreiwilligen Viral-Hit. Natürlich erhält er in der Jubiläumssendung nach 10 Jahren «Auf und davon», die am Samstagabend ausgestrahlt wurde, einen prominenten Platz. 

SRF produzierte zum Jubiläum sogar eine kurze Internet-Serie «Hermann holzt» mit dem liebenswerten Holzer, der in der Wildnis Kanadas die «ultimative Lebensqualität» geniesst. Es drängt den ehemaligen Sport-Holzfäller und Hipster avant-la-lèttre sowie seine Frau Christine noch weiter in die Wildnis.

Prost beim Barbecue: Hermann Schönbächler und Gölä.

Prost beim Barbecue: Hermann Schönbächler und Gölä.

Am liebsten würde das Auswandererpaar von in Rosswood in ein selber gebautes Blockhaus im Wald ziehen, wie die ersten Pioniere. Allerdings werden sie sich noch etwas gedulden. Hermann räumt ein: «In zehn Jahren sind wir wahrscheinlich immer noch hier.» Dafür gibt er Mona Vetsch einen Crash-Kurs im Überleben in der Wildnis. 

Falls Sie also einen Campingaufenthalt in der Wildnis planen: Packen Sie ein Magnesium-Feuerzeug ein (das funktioniert auch, wenn es nass ist), vergessen Sie nicht, das Wasser abzukochen (wegen dem Biber-Fieber) und packen Sie Anti-Mücken-Crème ein – die ist praktischer als Insektenspray (besonders beim «kleinen Geschäftchen» im Wald). All das  lehrt Outdoor-Experte Hermann Schönbächler. Und übrigens, die kanadischen Bären verstehen Schweizerdeutsch, jedenfalls wenn Hermann mit ihnen spricht.  

"Hermann Schönbächler und der Bär"

Eng verbunden mit «Auf und davon» ist Gölä, der seinen Song «Uf und dervo» vor zehn Jahren für das SRF in einer neuen Version aufnahm. Der Schweizer Rocker hat selbst den Traum, einmal auszuwandern. Und nun hat er mit Monä Vetsch und ihrem «Auf und davon»-Team den Kult-Auswanderer Schönbächler besucht. Wobei Gölä eh schon mit seiner Familie in Kanada weilte, um seine vor Jahren ausgewanderte Schwester zu besuchen. 

Für Schönbächler war der Besuch eine Überraschung. Als Gölä im Auto vorfährt und die beiden einander erkennen, lachen sie lauthals. "Überraschung gelungen", sagt Schönbächlers Frau Christine zu Mona Vetsch und sagt, dass sie am Morgens noch diskutiert und auf Gölä getippt hatten. 

Die beiden Männer finden schnell Gemeinsamkeiten. Gölä und seine Familie leben oberhalb des Thunersees abgelegen in einem abgelegenen Haus, ohne Strom und fliessendes Wasser. Wie Schönbächler muss auch er selbst für Holznachschub zum Heizen sorgen. So nimmt der die Gelegenheit gern wahr, vom gelernten Forstwart Schönbächler eine Lektion im Baumfällen erteilt zu erhalten. Tatsächlich fällt er einen Baum. Und Kult-Auswanderer Schönbächler kommentiert: "Offensichtlich spielst du besser Gitarre, als du Bäume fällst." Auf die Kritik zum Fallort antwortet Gölä: "Wo du recht hast, hast du recht." Und das zeigt er abends am Lagerfeuer, indem er mit seiner Gitarre "Uf und dervo" singt. 

Kult-Video von Schönbächler und seinem Sohn: "Richi häb di!"

Nicht alles eitel Sonnenschein im Süden

In der Jubiläumssendung hat die Filmcrew auch einige weitere alte Bekannte besucht und nachgefragt, wie sich ihr Leben in ihren neuen Heimat entwickelt hat. So ist auch Familie Fischer-Piel, die 2013 aus dem aargauischen Staufen nach Williamslake in Kanada gezogen ist, wieder zu sehen. 

Ihr Leben verlief weniger sorglos als jenes der Schönbächlers in ihrem kanadischen Wald. Christine und Kurt Fischer-Piels Lebenstraum in Williamslake stand schon zweimal vor dem Aus. Einmal bedrohte ein grosser Waldbrand das Zuhause der Familie. «Das war ein schwerer Moment», kommentiert Vater Kurt.

Mona Vetsch (l.) als Gast: Die Familie Fischer aus Staufen sitzt vor ihrem neuen Heim in British Columbia in Kanada. Srf

Mona Vetsch (l.) als Gast: Die Familie Fischer aus Staufen sitzt vor ihrem neuen Heim in British Columbia in Kanada. Srf

Mutter Annette erzählt, dass die Luft vom Rauch so schlecht geworden war, dass man das Gefühl hatte, zu ersticken. Es schmerzte beim Atmen, beschreibt die Auswandererin das Gefühl. «Es ist wie beim Schwimmen oder Tauchen, wenn man unter einer Eisschicht ist und nicht mehr hoch kann». Später musste Kurt wegen Rücken- und Bandscheibenproblemen seinen Job aufgeben. Ein anderer Schweizer Auswanderer gab dem gelernten Schreiner und Zimmermann aber die Möglichkeit, auf die digitale Planung von Holzhäusern umzusatteln. 

Mit Freiämterin Marielle Furter erhielt eine weitere Aargauer Auswandererin einen prominenten Platz in der Jubiläumssendung. Sie hat in Senegal seit 2015 den Bau und den Betrieb von zwei Kindergärten organisiert.

Die Freiämterin wanderte in jungen Jahren nach Mittelamerika aus. Doch trotz dieses vermeintlichen Erfahrungsvorsprungs war und ist das Leben im sonnigen Sédhiou im Süden des afrikanischen Landes nicht immer einfach. Denn in Afrika zu leben, bedeutete eine grosse Umstellung. «Immer wieder sind Überraschungen da. Jeden Tag nehmen, wie es kommt. Ja nicht etwas planen, nichts erwarten. [...] Das lehrt einen Afrika», kommentiert sie.

Marielle Furter auf der Baustelle ihres Kindergartens

Marielle Furter auf der Baustelle ihres Kindergartens

Beim Einkaufen muss sie aufpassen, dass sie nicht mehr bezahlen muss als die Einheimischen. Nach der etwas misslungenen Eröffnung des Kindergartens erzählt sie enttäuscht: «Manchmal fühle ich mich schon etwas einsam, hilflos ausgeliefert. Ich alleine da, kein Mensch der mich versteht.» Wenn sie am Tag darauf mit den Kindern zusammen ist, dann «schwappt es schon wieder etwas über». Sie weiss selber nicht so ganz, was sie in den nächsten zehn Jahren im Senegal noch auf die Beine stellen wird. Aber das Leben in Afrika wirklich geniessen, das gehe nur, ohne ein Projekt betreuen zu müssen.

Die Kindergartenlehrerin ist in der Ortschaft eine Exotin. Zum Auswandern nach Afrika entschied sich Marielle 2014, nachdem sie paar Mal im Senegal Ferien gemacht hat und sich in «Afrika und die Menschen und Senegal» «verliebt» habe. Sie war auf der Suche «nach mehr Sinn im Leben» und entschied sich, ein Projekt umzusetzen, das schon lange in ihr schlummerte: Kinder bei der Bildung zu unterstützen, in einem Land, wo es die Leute «nicht so gut haben wie bei uns».

So beschloss die Kindergartenlehrerin den gemeinnützigen Verein «kindergardens4senegal» zu gründen, um in einer entlegenen Gegen Senegals einen Kindergarten zu bauen. Nach dem Erfolg des ersten Projekts in Niaguis hat sie einen zweiten Kindergarten in Angriff genommen, den sie am 5. November 2018 eingeweiht hat. Zur festlichen Eröffnung erschien sogar der Präfekt von Sédiou, der zweithöchste politische Würdenträger in der Region. 

Andenken an das alte Zuhause in der neuen Heimat

Viele Einwohner konservieren oft kleine Stückchen Schweiz in ihrer neuen Heimat. Bei Fischers gibt es zum Beispiel gebrätelte Cervelats und selber gemachtes Bündnerfleisch. Die Familie Balmer betreibt eine «Schweizer» Bäckerei in Belize. Und Marielle Furter besteht darauf, dass bei der festlichen Eröffnung ihres Kindergartens neben der grossen Senegalesischen Flagge auch eine speziell angefertigte Schweizer Flagge hängt.

Schauen Sie hier die Jubiläumssendung von Auf und Davon

Auf und davon – Das Jubiläum