Tsunami

Gebete und Tränen: Tausende gedenken der Tsunami-Opfer

Mit bewegenden Gedenkgottesdiensten und Schweigeminuten haben Tausende Menschen rund um den Indischen Ozean der Opfer des verheerenden Tsunamis vor zehn Jahren gedacht. Die Riesenwellen hatten in 14 Ländern rund 230'000 Menschen in den Tod gerissen.

Während Menschen in aller Welt der unzähligen Opfer der Katastrophe von 2004 gedachten, kämpften in den damals am schwersten betroffenen Gebieten im indonesischen Aceh und auf Sri Lanka fast eine Million Menschen gegen schwere Überschwemmungen.

Der Tsunami wurde 2004 durch eins der schwersten je registrierten Erdbeben unter dem Meeresboden ausgelöst. Er brach mit 20 Meter hohen Wellen über Aceh herein, wo 170'000 Menschen umkamen.

In Sri Lanka überlebten 40'000 Menschen die Katastrophe nicht. Insgesamt kamen in 14 Ländern fast eine Viertelmillion Menschen um, darunter 110 Schweizer, die vor allem in Thailand Ferien machten.

Gebete am Strand

Am Strand von Khao Lak in Thailand zogen für die Jahreszeit untypisch düstere Wolken auf, als deutsche Seelsorger mit rund 100 Überlebenden und Angehörigen von Opfern zum Gebet zusammenkamen. Mit dabei war auch die Schweizer Botschafterin in Thailand, Christine Schraner Burgener. Viele waren zum ersten Mal wieder in Thailand.

Familien, Freunde, Ehepaare standen in Gedenken an verlorene Eltern, Kinder, Geschwister und Bekannte am Strand. Manche warfen Blumen ins Meer, ehe ein Wolkenbruch sie unter schützende Dächer naher Hotels trieb.

"Die Bilder von damals haben ihren Schrecken nicht verloren. Die Panik, das Chaos, die Wucht, als die grosse Welle kam", hiess es in einem Grusswort von Bundespräsident Joachim Gauck, das verlesen wurde.

Eine schwarze Mauer

Der damals 15-jährige Ben Atréu Flegel erlebte die Katastrophe in unmittelbarer Nähe des Ortes, wo nun die Gedenkzeremonie war. "Mein Blut ist in diese Erde geflossen", sagte er. Seine Grosseltern kamen bei Ferien vor zehn Jahren ums Leben.

Der Schweizer Raymond Moor, der die Katastrophe überlebt hatte, erinnerte sich an die schreckliche Zeit vor zehn Jahren in der Ortschaft Ban Nam Khem. Er habe seiner Frau zugerufen, sie solle rennen, um sich zu retten, erzählte er an der Feier.

"Das war keine Welle, sondern eine schwarze Mauer". Er selber sei vom Wasser weggespült worden, es sei wie in einer Waschmaschine gewesen. "Eine Thailänderin im Hotel hat mich auf einen Balkon gezogen." Später sei sie gestorben, sagte er mit Tränen in den Augen.

Die 45-jährige Schweizerin Katia Paulo erinnerte sich ebenfalls an die schrecklichen Ereignisse. "Ich trieb auf dem Rücken im Meer. Mein Freund rief nach mir. Ich erinnere mich nur noch an sein Gesicht. Ich wusste, dass ich fliehen musste. Dann erfasste mich die Welle."

Die Frau konnte sich retten. Ihr Freund überlebt nicht. Seine Leiche wurde einen Monat nach dem Tsunami gefunden.

Trauer an Massengräbern

In Indonesien kamen die Menschen schon in der Nacht und am frühen Morgen in zahlreichen Moscheen zusammen. Viele von ihnen weinten und klagten. Andere gingen zu den Massengräbern, um zu beten.

"Ich habe im Tsunami zwei Kinder verloren, aber ich weiss nicht, wo sie beerdigt sind", sagte die 51 Jahre alte Maimunah an einem Massengrab. "Aber hier bete ich für alle Opfer", erklärte sie.

Neben der Trauer äusserten viele Redner Dankbarkeit, darunter der indonesische Vizepräsident Jusuf Kalla. "Ich habe noch nie eine so aussergewöhnliche Solidarität und Grosszügigkeit erlebt", sagte er.

Fortgeschwemmter Zug

In Sri Lanka fuhr ein Sonderzug mit Überlebenden bis zu genau der Stelle in Peraliya, wo damals eine gewaltige Welle den Zug traf. Unterwegs waren sie mit der Lok und Waggons von damals, wie Organisator Ralph Gunawardena sagte. Der Zug sei nach dem Unglück restauriert worden.

Die tonnenschweren Waggons waren aus den Schienen gerissen und weit ins Landesinnere gespült worden. Rund 1600 Menschen starben in dem Zug. Die überlebenden Passagiere - darunter auch der Kondukteur von damals - gedachten in einer religiösen Zeremonie der Opfer. Einige brachten alte Fahrkarten von damals und Fotos der Toten mit.

In Indien trafen sich die Menschen zu interreligiösen Gebeten, etwa auf den schwer getroffenen Inseln der Andamanen und Nikobaren. Vor dem Tsunami-Denkmal in der grössten Inselstadt Port Blair gedachten sie zwei Minuten lang der Toten, wie Distriktsprecher Arun Kumar Jha erklärte.

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