Aus der Luft war an der Unglücksstelle in der Gemeinde Vals knapp 40 Kilometer südlich von Innsbruck ein riesiger schwarzer Schutt- und Geröllkegel zu sehen, der am Heiligabend eine steile Felswand heruntergedonnert war. Das Geschiebe ging unweit einiger Häuser nieder und verschüttete die Zugangsstrasse in das Tal auf einer Länge von bis zu 150 Metern und bis zu 50 Meter hoch.

Wenige Minuten vor dem Felssturz am Sonntagabend hatten mehrere Kinder auf dem Weg zur Christmette die Unglücksstelle passiert. Sie und auch andere Bewohner des Tales blieben unverletzt. Das sei, "auch wenn es kitschig klingt, ein Weihnachtswunder", sagte Tirols Landeshauptmann Günther Platter nach einer Krisensitzung in Vals.

Weitere Abbrüche

Der Berg kam zunächst nicht zur Ruhe. Bei mehreren Überflügen entdeckten Geologen immer wieder neue Wandabbrüche. Die Behörden weiteten das Sperrgebiet deshalb mehrmals aus.

Der Berg galt als gefährlich, aber der Felssturz kam dennoch überraschend: "Niemand hat die Situation für so extrem gehalten", sagte der zuständige Geologe Gunther Heissel der Nachrichtenagentur APA. "Es hat sich gezeigt, dass dort noch Fels abzubrechen droht. Die Gefahr ist bei Weitem noch nicht gebannt", sagte er im Fernsehen.

Hier hat sich der Felssturz ereignet: Die Gemeinde Vals im österreichischen Tirol.

Am Heiligabend waren kurz vor 18.00 Uhr zehntausende Tonnen Gestein, Geröll und Schutt ins Tal gedonnert. "Es hat sich angehört wie ein Erdbeben", sagte der Gemeindesekretär von Vals, Josef Gatt, im Fernsehen. "Das ganze Haus hat gezittert. Wir sind auf den Balkon gegangen, da gab es eine riesige Staubwolke - es war unheimlich."

Die Menschen in mehreren Weilern in dem Tal bewahrten die Ruhe, wie Vals' Bürgermeister Klaus Ungerank im Fernsehen sagte. Wegen Weihnachten hätten sie sich vorher mit Nahrungsmitteln eingedeckt, Versorgungsengpässe gebe es nicht: "Das ist aktuell noch nicht unbedingt das grosse Problem."

Bei Bedarf war eine Versorgung oder Rettung per Helikopter möglich. Am Mittwoch sollte eine Notstrasse auf der anderen Talseite fertiggestellt sein. Bagger waren an den Feiertagen im Grosseinsatz, um einen Feldweg dafür herzurichten. Das Freiräumen der verschütteten Strasse wird nach Angaben der Landesregierung gut drei Wochen dauern.

Schwierige Wetterbedingungen

Kopfzerbrechen bereitete den Einsatzkräften das Wetter. Für Mittwoch waren Regen- und Schneefälle angekündigt. Das sei ein Problem, sagte Heissel: "Es handelt sich um schwarzen Schiefer, der auch im trockenen Zustand extrem rutschfreudig ist. Wenn Wasser hinzukommt, gibt es kein Halten mehr." Zudem sei das Gelände extrem steil.

Das Valsertal liegt in den Tuxer Alpen und steht unter Naturschutz. Touristen kommen vor allem im Sommer zum Klettern und Bergsteigen. Im Winter steht ein kleiner Übungslift für Skianfänger zur Verfügung, sowie eine Naturrodelbahn und eine Langlaufloipe, wie die Region auf ihrer Webseite berichtet.