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Endlich ist ein Präsident gefunden

In der Defensive: Bei Sportvereinen braucht es auch neben dem Spielfeld viel Einsatz. Doch immer mehr Vereine suchen lange und verzweifelt nach engagierten Vorstandsmitgliedern. (André Albrecht)

Volleyball

In der Defensive: Bei Sportvereinen braucht es auch neben dem Spielfeld viel Einsatz. Doch immer mehr Vereine suchen lange und verzweifelt nach engagierten Vorstandsmitgliedern. (André Albrecht)

Nicht nur in der Gemeindepolitik wird es immer schwieriger, Personen für ein Amt zu finden. Auch Vereine kämpfen mit Personalproblemen. Der Präsident des TV Lunkhofen hat ein Jahl lang nach einem Nachfolger gesucht.

Roman Schenkel

Ein ganzes Jahr lang hat die Suche nach einem Nachfolger gedauert. Nun ist Thomas Abt, der ehemalige Präsident des Volleyballclubs TV Lunkhofen, endlich fündig geworden und kann abtreten. «Ich war sechs Jahre lang Präsident und wollte für neue Leute mit neuen Ideen Platz machen», erklärt Abt seinen Rücktritt. Zudem gebe es bei ihm privat und auch beruflich im Jahr 2009 grosse Änderungen. «Und wenn ich zu etwas Ja sage, dann will ich es auch richtig und nicht halbpatzig machen.»

In seiner Zeit als Präsident ist die erste Mannschaft des Vereins in die zweithöchste Spielklasse aufgestiegen und konnte zwei Saisons später sogar um den Aufstieg in die NLA mitspielen.

Viele Kandidaten angefragt

Zusammen mit dem Vorstand habe er verschiedenste Kandidaten angefragt. Abt weiss nicht mehr genau, wie viele es gewesen sind. «Es waren aber sicher nicht nur zehn Personen». Doch alle haben abgesagt. Die Gründe haben sich dabei wiederholt: Beruf, Familie, Ausbildung. Auch die Angst vor der Verantwortung und vor zu grossem Aufwand wurden angeführt.

Freizeit freihalten

Es ist nicht so, dass Abt dafür kein Verständnis hätte. Viele Mitglieder seien sehr engagiert und sprängen ein, wenn es etwas zu tun gebe. Doch es gebe auch jene Trittbrettfahrer, die sich für jede noch so kleine Aufgabe zu schade seien. Zudem seien viele Leute heute nicht mehr nur in einem, sondern gleich in mehreren Vereinen aktiv. Da wolle man neben dem Berufsleben die Freizeit möglichst freihalten und nicht noch mit Vereinsarbeit beladen, ist sich Abt bewusst.

Vereinsarbeit ist Fronarbeit

Im Vereinsleben fehle es einfach oft an engagierten Mitgliedern, die ein Amt im Vorstand übernehmen wollen und können, so Abt weiter. Und im Gegenteil zur Arbeit für eine Gemeinde sei die Vereinsarbeit natürlich unentgeltlich. Zudem wüssten viele Mitglieder nicht, wie viel Arbeit ein Vereinsvorstand erledige. Hier unterscheidet sich die Vereins- von der Gemeindearbeit, die üblicherweise gut bezahlt wird.

Nicht auf Rosen gebettet

Nicht alle Vereine leiden im gleichen Ausmass darunter. «Wir sind zwar in Personalfragen nicht auf Rosen gebettet, doch bis jetzt haben wir es immer geschafft, die freien Positionen zu besetzen», berichtet Jörg Weiss, Präsident des Fussballclubs Muri. Und dies sind beim FC Muri mit seinen 600 Mitgliedern nicht wenige: Nur schon bei den Junioren seien 45 Trainer und Betreuer engagiert, so Weiss. «Wenn man lange genug sucht, findet man immer jemanden, der Ja sagt», meint er.

Insgesamt seien es annähernd 80 Personen, die eine Funktion im Verein wahrnähmen. Der FC Muri habe auch schon Trainer mittels Zeitungsinseraten gesucht. «Das hat Aufsehen erregt, und wir sind auf diese Weise auch schon fündig geworden», sagt Weiss.

Erfolg bringt vollen Vorstand

Die Ringerstaffel Freiamt hingegen kennt keine Personalprobleme. «Je erfolgreicher und bekannter ein Verein, desto weniger Mühe hat er, Mitglieder für den Vorstand zu finden», überlegt der Präsident Ralf Bucher. Der Verein könne sich nicht über fehlendes Personal beklagen. «Wir haben eigentlich nie Probleme gehabt.»

Der Vorstand zähle acht Leute. «Es ist wichtig, dass die Arbeit auf viele Schultern verteilt wird», sagt Bucher. So mache die Arbeit im Vorstand Spass. Man müsse auch früh über Nachfolger sprechen und diese aufbauen. «Denn gewisse Posten wie der Kassier oder Aktuar sind anspruchsvolle Aufgaben und geben viel zu tun», so Bucher.

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