Heitersberg

Ein Horcher auf dem Heitersberg

Andres Beck wird die Fledermausbeobachtung auf dem Heitersberg betreuen. (dmi)

Andres Beck

Andres Beck wird die Fledermausbeobachtung auf dem Heitersberg betreuen. (dmi)

Windenergieanlagen (WEA) können für Fledermäuse zur tödlichen Falle werden. Deshalb lässt die Initiantin der WEA, die «IG Wind plus Heitersberg», abklären.

Von Dieter Minder

In Deutschland und den USA, wo WEA gebietsweise sehr verbreitet sind, wurde festgestellt, dass Fledermäuse im Bereich der Windräder den Tod finden können. «Die Tiere werden nicht von den Flügeln erschlagen, sondern geraten in die Luftwirbel der Flügel», sagt Andres Beck, der im Auftrag des Kantons die Messungen koordiniert.

Wie bei Flugzeugen entstehen bei Windradflügeln Luftwirbel. «Gerät eine Fledermaus in diese Strömung, wird sie durchgewirbelt.» Der unterschiedliche Luftdruck kann zum Tod führen: «Die Lungen platzen.» Dass diese Gefahr besteht, wurde festgestellt, als äusserlich unverletzte tote Tiere unter Windrädern gefunden wurden.

«Wir müssen abklären, ob geplante Standorte gefährlich sind.» In Deutschland wurde festgestellt, dass nicht jede Lage problematisch sein muss. «Man kann eine WEA so betreiben, dass sie für Fledermäuse keine Gefahr ist», sagt Beck.

Um das Gefahrenpotenzial des Heitersbergs abzuklären, wird auf einem Mast ein Sensor montiert, der die Ultraschallrufe der jagenden Fledermäuse erfasst. Je mehr am Sensor vorbeifliegen, desto mehr Rufe nimmt dieser auf. Weil jede Fledermausart ihre eigenen Signale ausstösst, lässt sich feststellen, welche im Einzugsgebiet leben.

Fledermäuse sind wie Zugvögel

Beck unterscheidet zwischen ortsansässigen und durchziehenden Fledermäusen. «Es gibt Fledermäuse, die ähnlich Vögeln in Schwärmen in die Winterquartiere ziehen.» Bei solchen Zügen hätten sie ihre Ultraschallsensoren oft nicht eingeschaltet, sie können also das Hindernis nicht feststellen und umfliegen.

Um sie zu schützen, werden WEA in Zuggebieten nachts abgestellt. Beck könnte sich vorstellen, dass über den Heitersberg eine Zugroute führt. Wo genau die Zugrouten liegen, ist nicht bekannt. «Wir möchten auf Bundesebene ein Forschungsprojekt dafür lancieren, aber noch fehlt das Geld», sagt Andres Beck.

Massgebend ist die Beute

Die heimischen Fledermäuse sind vor allem gefährdet, wenn sie nachts auf der Jagd sind. «Sie fliegen auf der Höhe ihrer Beute», sagt Beck. Somit seien sie meist nur einige Meter über Boden unterwegs. «Die auf dem Heitersberg geplante Anlage dürfte darüber sein.» Vorgesehen ist eine Nabenhöhe von 98 m. Bei einer Flügellänge von 50 m wären also über 40 m ab Boden ungefährlich.

Unbekannt ist aber, wie sich die Beutetiere verhalten. «Mücken orientieren sich in der Regel am höchsten Punkt, wir wissen noch nicht, ob sie das Windrad als solchen wahrnehmen würden.»

In diesem Falle könnte ein Windrad zeitweise abgestellt werden, um den Tieren eine gefahrlose Jagdzeit zu ermöglichen. Diese beschränkt sich auf die Nachtzeiten. Problematisch kann es für diejenigen werden, die höher fliegen, weil ihre Beute mehr Abstand zum Boden einhält. Antworten wird die Zählung bringen.

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