Skydive
Der Luftraum ist begrenzt

Trotz Ärger in der Bevölkerung über den Fluglärm des Pilatus Porters von «Skydive» fanden nur wenige Leute den Weg zur Infoveranstaltung. Der Klub warb um Akzeptanz.

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Fallschirmspringer

Fallschirmspringer

Keystone

Marlene Sedlacek

Da steht es auf dem Rollfeld, das Flugzeug des Anstosses. Sonnenblumengelb mit pinkfarbenen Landeklappen. Der Pilatus Porter des Skydiveklubs bringt an schönen Wochenenden zwischen März und November Hunderte von Fallschirmspringern in die Luft. Viele Bewohner und Bewohnerinnen von Grenchen und Umgebung stören sich am Motorenlärm. Mit einem Infoanlass suchte der Klub das Gespräch mit der lärmgeplagten Bevölkerung.

Lärm ist nicht vermeidbar

«Es ist uns bewusst, dass der Lärm bei dieser Sportart unvermeidbar ist», bekannte Stephan Wetterwald, Chefpilot und Verantwortlicher für den Flugbetrieb. Es werde stets nach neuen Massnahmen zur Lärmminderung gesucht. So wurde ein leiserer Propeller montiert.

Die Leistung wird auf Kosten der Steiggeschwindigkeit reduziert. Im Rahmen der Möglichkeiten wechseln die Piloten bei der Routenwahl ab. Doch viel Spielraum bleibt nicht. «Der Luftraum über der Schweiz ist sehr eng gestaffelt», betonte Wetterwald. Er zeigte auf, wie der Porter nur in einer definierten Steigflugbox zwischen Pieterlen und Biel auf die für das Absetzten der Springer nötigen 3800 Meter steigen darf.

Die Piloten müssen sich streng an die Anweisungen der Flugsicherung halten. Der Flughafen Grenchen liegt in der Flugroute von Zürich. So gilt es, die Abstände zu anderen Flugzeugen einzuhalten. Die Piloten müssen aktivierte Segelflugzonen umfliegen und die Windverhältnisse berücksichtigen. So kann der Sinkflug in 20 Prozent der Fälle nicht über dem Flughafen erfolgen, sondern wird über der Stadt durchgeführt.

Einige der Interessierten würden es begrüssen, wenn wenigstens das Zeitfenster für die Mittagsruhe etwas grösser wäre. Wetterwald versicherte, dass Abklärungen im Gange sind, die Maschine nur noch bis zwölf Uhr statt bis um Viertel nach starten zu lassen. Er betonte jedoch, dass man die Wirtschaftlichkeit bedenken müsse.

Die Schule sei nur knapp gewinnbringend. Dass einige Piloten aus der Bodenperspektive betrachtet beängstigend steile Sinkflüge hinlegen, verneinte Wetterwald vehement. Ebenso dementierte der Chefpilot, dass Wettrennen zwischen Pilot und Fallschirmspringern stattfinden, wer zuerst am Boden sei.

Wie turnen in der Luft

Klubpräsident Bruno Rychen bedauerte, dass nur wenige den Infotag besuchten. Gerne hätte er mit dieser Veranstaltung bei einem breiteren Publikum um Akzeptanz geworben. Gerne hätte er einer grösseren Menge Leute die Faszination am Springen vermittelt und erklärt, was alles hinter dem Führen einer Fallschirmschule steckt. «Skydive» wurde 1972 gegründet.

Mit 160 Mitgliedern ist es eine der grössten Fallschirmschulen in der Deutschschweiz. Der Klub bietet die Möglichkeit zu Tandemsprüngen, Erstabsprüngen mit Reissleine oder Sprüngen in den freien Fall. «Der Freiflug ist wie turnen in der Luft», schwärmte Rychen. Dass die Grenchner Fallschirmspringer gut sind, zeigten sie 2006 mit dem zweiten Rang an der Weltmeisterschaft im Formationsspringen.