Gasometer
Der Gasometer leckt noch immer

Die kantonale Denkmalpflege macht Druck. Das Leck im Schlieremer Gasometer soll vom Zürcher Heimatschutz endlich behoben werden, damit er fürs Publikum wieder geöffnet werden kann.

Drucken
Gasometer

Gasometer

Schweiz am Sonntag

Von Jürg Krebs

Irgendwo im finsteren Innern des letzten verbliebenen Schlieremer Gasometers steckt der Teufel im Detail. Konkret: Der Boden leckt. Seit der Instandstellung des Bauwerks 2005 versickerten Tausende Liter Wasser. Nach dem Loch wurde zwar fieberhaft gesucht, gefunden wurde es bis heute aber nicht.

Die Gründe dafür sind nicht nur technischer Natur - sondern auch politischer. Die Folge ist: Der denkmalgeschützte Gasometer bleibt für das Publikum geschlossen. Damit kann aber niemand zufrieden sein.

Verantwortlich für das Bauwerk aus dem Jahr 1899 ist die zum Zürcher Heimatschutz gehörende Stiftung Pro Zürcher Haus. Sie hat 2001 vom Kanton Zürich für die Sanierung und den Unterhalt des Objektes 4,5 Millionen Franken erhalten.

Weil das Geld nicht reichte, wurden später nochmals 1,75 Millionen Franken aufgeworfen, 40 Prozent davon steuerte die kantonale Denkmalpflege bei, 60 Prozent der Heimatschutz selbst. Ende 2005 wurde der Gasometer für Publikumsführungen geöffnet und damit seiner neuen Bestimmung zugeführt: Der letzte existierende teleskopierbare Niederdruckgasbehälter soll der Nachwelt erhalten bleiben und von einem Stück Schweizer Industriegeschichte zeugen.

Gaswerk Schlieren Das Kohlegaswerk der Stadt Zürich wurde nach Schlieren verlegt und 1898 eröffnet. Vier so genannte Gasometer dienten als Behälter für das Gas. Von ihnen ist der zweitälteste aus dem Jahr 1899 (unten rechts auf dem Foto), erhalten geblieben und unter Denkmalschutz gestellt worden. Die übrigen drei Teleskopgasbehälter liess die Besitzerin, die Erdgas Zürich, in den Jahren 2000 und 2001 rückbauen. Mit der Umstellung auf Erdgas war die Gasgewinnung aus Kohle in Schlieren 1974 stillgelegt worden. Bis 1999 wurden die Gasometer noch als Speicher weiterverwendet. Weitere Informationen: www.gasometer.ch (jk)

Gaswerk Schlieren Das Kohlegaswerk der Stadt Zürich wurde nach Schlieren verlegt und 1898 eröffnet. Vier so genannte Gasometer dienten als Behälter für das Gas. Von ihnen ist der zweitälteste aus dem Jahr 1899 (unten rechts auf dem Foto), erhalten geblieben und unter Denkmalschutz gestellt worden. Die übrigen drei Teleskopgasbehälter liess die Besitzerin, die Erdgas Zürich, in den Jahren 2000 und 2001 rückbauen. Mit der Umstellung auf Erdgas war die Gasgewinnung aus Kohle in Schlieren 1974 stillgelegt worden. Bis 1999 wurden die Gasometer noch als Speicher weiterverwendet. Weitere Informationen: www.gasometer.ch (jk)

Schweiz am Sonntag

Technisch gesehen ist der Gasometer - er ist 34 Meter hoch, sein Durchmesser beträgt 39 Meter - aber kein Gebäude, sondern eine Maschine. Denn innerhalb eines Stahlgerüsts lässt sich ein 270 Tonnen schwerer Metallbehälter mittels Gas «aufblasen».

Heute wird der- selbe Effekt mit Wasser erzeugt. Innert 35 Minuten können Besucher auf einer Brücke im Inneren des 25 000 Kubikmeter fassenden Gasometers miterleben, wie sich der Behälter zu vollen Grösse aufbläht. Ein spezielles Lichtkonzept macht den Vorgang zu einem eindrücklichen Erlebnis.

Aber eben. «Wir können es uns aus Kostengründen nicht leisten, dass so viel Wasser verschwindet», sagt der Interimspräsident des Zürcher Heimatschutzes Ulrich Ruoff.

Die Wasserrechnung der Jahre 2006 und 2007 über 12 000 Franken bezahlte noch die Stadt Schlieren quasi als Sponsoringbeitrag. Doch nun ist auch diese Quelle versiegt. Deshalb muss das Loch gefunden werden. Derweil bleiben Interessierte draussen.

Das Leck sollte also schon länger gestopft werden. Sollte, denn es kam nie so weit. Einerseits konnte es nicht lokalisiert werden und dann verstrickte sich der Vorstand des Zürcher Heimatschutzes letztes Jahr auch noch in einen handfesten Richtungsstreit. Pragmatiker standen Bewahrern gegenüber. Die Querelen endeten im letzten Herbst im Abgang von elf Vorstandsmitgliedern, es blieben zehn übrig.

Die Bewahrer hatten obsiegt. Doch unter den Zurückgetretenen befanden sich viele Fachleute, unter anderem Beat Schwendeler, der bei der Sanierung des Gasometers als Bauleiter fungiert hatte. Mit den Fachleuten ist viel Know-how verloren gegangen, das nicht ersetzt werden konnte. Suche und Behebung des Lecks mussten vom Heimatschutz eingestellt werden.

Das wiederum alarmierte die Zürcher Denkmalpflege. «Der Kanton Zürich hat meines Wissens noch nie so viel Geld in ein einzelnes schützenswertes Objekt investiert», sagt der stellvertretende kantonale Denkmalpfleger Peter Baumgartner. «Der Gasometer muss deshalb unbedingt betriebsbereit gemacht werden, und zwar so schnell, aber auch so sorgfältig wie möglich.»

Zweifel sind angebracht, dass dies wie gewünscht klappt: Beat Schwendeler zum Beispiel glaubt nicht, dass es der Heimatschutz allein schafft. Die Materie sei zu technisch, zu kompliziert. Bei ihm selbst hat der Streit vom letzten Herbst deutliche Spuren hinterlassen. Er kann sich eine Zusammenarbeit mit den Bewahrern beim Heimatschutz nicht mehr vorstellen.

Der Denkmalpflege ist es offenbar auch nicht wohl bei der ganzen Sache. Zu befürchten ist, dass das Prestigeobjekt Gasometer nicht nur für den Heimatschutz zur Belastung werden könnte, sondern auch für den Kanton. Deshalb greift sie dem Heimatschutz nun mit Rat und Tat unter die Arme. Peter Baumgartner sagt: «Es ist nicht eine Kernaufgabe der Denkmalpflege, sich in die Sanierung des Gasometers einzumischen, doch das sind wir dem Objekt schuldig.»

Um das weitere Vorgehen zu besprechen, hat sich die Denkmalpflege vor kurzem mit Vertretern des Zürcher Heimatschutzes getroffen. «Wir sind mit dem Heimatschutz übereingekommen, dass der Gasometer instand gestellt wird. Das Wie ist derzeit allerdings offen», so Baumgartner. Man wolle nun versuchen, alle Fachleute wieder an einen Tisch zu bringen, und eine Schadenanalyse machen.

Geld für die Sanierung ist laut Baumgartner auch vorhanden. Eine weitere Forderung der Denkmalpflege: Die Besucherzahlen müssen gesteigert werden. Zu wenig Leute hatten den Gasometer besucht, um die Investitionen zu rechtfertigen. Die Situation bleibt schwierig. «Aber», sagt Baumgartner, «das Gespräch hat mich fürs Erste positiv gestimmt.»