Langenthal
Der Busch erwacht zum Leben

Da muss sie sich aber gewaltig ins Zeug legen, will die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) die Marktgasse in einem Vierteljahr in einen wilden Busch verwandeln. Von schreienden Affen, fauchenden Jaguarn und singenden Aras fehlt vor dem Choufhüsi am 11.11. um 11.11 Uhr jede Spur. Die Schar wackerer Männer, Frauen und Kinder, die sich dort versammelt, wo Palmen wie Pilze aus dem Boden schiessen sollen, passt so gar nicht ins Bild dieses strahlenden Spätherbsttages.

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Fasnacht

Fasnacht

az Langenthaler Tagblatt

Julian Perrenoud

Einer, ein Buschkenner, hat eigens ein Sujet gezeichnet, und damit den Wettbewerb für das Fasnachtslogo gewonnen: Harry Egger Senior, beklatscht von Vor-Fasnächtlern, nimmt seinen Preis entgegen: Einen Kessel bepackt mit Bananen, blauen Banknoten und einem Stoffpapagei. Er hebt zum Dank seinen Tropenhut. Vor ihm entrollen zwei Männer mit blauen Zylindern das Sujet-Plakat: Ein Medizinmann tanzt um einen Kochkessel, auf dem Gesicht grinst eine Maske, in der Hand hält er einen Totenkopf- Stab. Und als ob die Szenerie nicht schon grotesk genug wäre, spielt im brodelnden Wasser völlig unverblühmt der Düudäpp.

«Ab i Dschungu» wird sich auch Guru Ulrich Wüthrich gesagt haben, grellgrün wie ein giftiger Tropenfrosch sein Kopf-, Bart- und Brusthaar. Im einen Moment schwenkt er einen Lappen, «ich liebe euch alle» steht drauf; kurz darauf rasselt er, wild tanzend, mit seinem Streichwageninstrument über das Kopfsteinpflaster. Zu verdanken hat Langenthal das Motto Karin Herzig; die Jury belohnte sie mit der Bestnote und einer Riesen-Plaquette.

Auf Die breite Treppe vis-à-vis des Choufhüsis haben sich nun Trommler, Bläser und Schläger gekämpft, noch etwas müde wohl von der letzten Fasnacht. Denn um glatte zwei Minuten haben sie den Startschuss verschwitzt. Die holprigen Melodien tönen zwar wie eh und je, doch herumhüpfen und tanzen tun höchstens die kleinen Kinder - und natürlich der Guru.

Die blauen Männer der LFG stört dies herzlich wenig. Ober Markus Gfeller, blau-gelbe Pfauenfedern am Hut, ruft: «Die Fasnacht ist eröffnet», hebt sein Glas und nimmt einen kräftigen Schluck Weisswein. Das Dschungelmotto lasse viel Raum für die Umsetzung, sagt er darauf. Möglichkeiten gibt es in der Tat: Etwa Banker, Minarette und Offroader, die einige am liebsten in den Dschungel schicken würden. Oder Tropenviren, die der hiesigen Grippe allemal das Wasser reichen. Oder das Wetter - das, wenn es so weiter wärmt, zum Fasnachtsverderber wird. Denn welchen Winter soll die fünfte Jahreszeit schon verjagen, wenn es bald keinen mehr zu verjagen gibt?

Um derlei kümmert sich in der Marktgasse noch niemand. Die Guggen chlepfen auf der Bühne, Bratwürste zischen auf dem Grill. Die LFG warnt, auf dem Areal nicht zu rauchen, weist aber gleichzeitig auf eine Raucherecke mit Heizstrahler beim Ambiente hin. Sie propagiert ein alkoholfreies Fest, lädt aber zum Apéro-Wein ein. An der Fasnacht ist nichts wirklich ernst zu nehmen - ausser vielleicht das Motto.

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