Christoph Trösch

«Der Rasen ist gemäht und das Wasser ist glasklar. Wir sind wie immer bestens auf unsere Gäste vorbereitet», sagt Badmeister Ralf Rombach. Bereits in den ersten zwei Wochen der Badi-Saison kamen durchschnittlich über 300 Gäste pro Tag zum Baden, Schwimmen und Sonnen. Dank dem schönen Mai-Wetter übersteigen diese Besucherzahlen diejenigen des Vorjahres - und für die bevorstehenden Feiertage erwartet der 48-Jährige sogar noch mehr Besucher: «Wir rechnen mit ungefähr 1500 Leuten täglich, denn das Wetter wird schön.»

Der lange Weg zur blauen Hose

Um das Wohlbefinden der Badi-Gäste kümmert sich Rombach höchstpersönlich. Neben seinem Amt als Rettungsschwimmer betreut er sämtliche Grünflächen und wartet unter anderem den Duschbereich, die Garderoben und die technische Einrichtung der Badi. Doch nichts macht ihm soviel Freude wie die Wasseroptimierung: Bei seinem täglichen Kontroll-Schwimmgang durch die verschiedenen Becken testet Ralf Rombach die Temperatur und Qualität des Wassers am eigenen Leib. Die Pumpengeräusche, die Weichheit der Wasseroberfläche und sogar der Wassergeschmack werden von ihm kontrolliert. Der gebürtige Deutsche vergleicht sich dabei gerne mit einem Koch, der sein eigenes Essen kostet. Zusätzlich kombiniert er seine Lieblingstätigkeit in der Badi mit einer seiner grössten Freuden: «Schwimmen ist für mich wie Zähneputzen - ohne werde ich krank.»

Der geprüfte Schwimmmeister, der sich sonst mit Mountainbiken, Snowboarden oder Kite-Surfing fit hält, führt seit letztem Jahr den Badi-Betrieb in Langenthal. Den Berufseinstieg in das Badmeister-Business fand Ralf Rombach bereits mit 15 Jahren, als er in Süddeutschland die Berufsausbildung zum Badmeistergehilfen begann. Nach seiner abgeschlossenen zweieinhalbjährigen Lehre und weiteren sechs Jahren Berufserfahrung bildete er sich zum «Meister der Bäderbetreuung» weiter und leitete ein Frei- und Hallenbad im Baden-Würtembergischen Wehr, gleich an der Schweizer Grenze bei Rheinfelden. «Es ist eine anspruchsvolle Ausbildung, die weit mehr beinhaltet, als nur Rettungsschwimmen», erzählt Rombach. Chemie, Medizin und Wirtschaftslehre seien ebenfalls Teil der Schulung, die in Deutschland als Lehrberuf angeboten wird. «In Deutschland ist die Nachfrage nach dem Beruf grösser als in der Schweiz, da es mehr Bäder gibt und deswegen auch mehr Badmeister braucht», erklärt er.

Dies sei aber der einzige Unterschied zu den Schweizer Schwimmbädern, denn auch hier müsse man stets die Augen offen halten und allzeit bereit sein. Das sei zugleich der grösste Anspruch an ihn: «Es kann jederzeit etwas passieren, und je weniger Leute im Wasser sind, desto gefährlicher ist es», sagt er. Sensibilisierung auf Gefahr sei daher die wichtigste Grundlage für den Berufsalltag.

Trotz allgegenwärtiger Alarmbereitschaft hat Rombach viel Spass an seinem Job. «Das lustigste Erlebnis war für mich bis jetzt, als ich am Morgen drei Jugendliche dabei erwischt habe, wie sie aus der Badi schleichen wollten. Sie haben einfach so eine Nacht im Schlafsack in der Rutschbahn verbracht.» Sachbeschädigungen verursachten die Jungs jedoch keine, und so liess sie der freundliche Schwabe nach etwas Unkrautjäten wieder laufen.

Herzlichkeit durch Zufall

Auf das Badmeisteramt in der Schweiz stiess Rombach zufälligerweise im Internet, aber das hiesige Schwimmbad hat ihm auf Anhieb gefallen. Besonders mag er die Herzlichkeit, welche die Badi trotz der geradlinigen Betonarchitektur ausstrahlt. Seit 2008 wohnt Ralf Rombach zusammen mit seiner Frau in Schwarzhäusern. Gemeinsam haben sie die Region um Langenthal als neue Heimat kennen und schätzen gelernt. Sie wohnen jedoch nicht nur zusammen: Rombachs Ehefrau arbeitet ebenfalls als Badeaufsicht in Langenthal.

Noch vor der Inkraftsetzung des kantonalen Rauchverbotes hat die Stadtverwaltung bereits per 1. April ein entsprechendes Verbot in der Badi eingeführt. In den Garderoben und Toiletten darf nicht mehr geraucht werden. «Für mich beisst sich der Gedanke sowieso, in einer Sportstätte zu rauchen», sagt Ralf Rombach. Ein Rauchverbot auf den Liegewiesen ist aber nicht geplant.