Das Einkaufssortiment wird erweitert

Ins Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse 29 kehrt bald neues Leben ein. Mitte August eröffnet dort eine dänische Möbelkette eine Filiale. Derzeit verhandelt die Gebäudeeigentümerin mit weiteren Mietinteressenten. SVL-Präsident Daniel Bader begrüsst die Erweiterung des Einkaufsortiments.

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az Langenthaler Tagblatt

Olivier Andres

Noch gehen an der Bahnhofstrasse 29 die Handwerker ein und aus; vor dem Gebäude, in dem die Migros von 1984 bis Ende 2003 ein Restaurant betrieb, stehen Baucontainer und -maschinen. Die Liegenschaft wird für eine neue Nutzung vorbereitet. Bereits steht fest: am 12. August wird hier eine Filiale des Betten- und Einrichtungshändlers Jysk eröffnen. Von Lars Larsen 1979 in Dänemarkt gegründet, expandierte das Unternehmen 1984 nach Deutschland, und seit 2006 ist der Fachmarkt auch in der Schweiz präsent. Insgesamt führt Jysk heute nahezu 800 Filialen, in der Schweiz verfügt das Unternehmen über 24 Standorte.

Standort hat Zukunftspotenzial

Jysk belegt nur einen Teil der Gebäudefläche, etwas mehr als 500 Quadratmeter sind noch zu vermieten. «Wir sind derzeit mit mehreren Interessenten im Gespräch», sagt Olivier Michel, Mediensprecher der AXA Winterthur, der das Gebäude gehört, auf Anfrage. Nähere Einzelheiten gibt das Unternehmen jedoch noch nicht bekannt. «Ideal wären aus unserer Sicht Verkaufsgeschäfte, die den bestehenden Mieter ergänzen», beschreibt Michel den angestrebten Mietermix, denn: «Wir konnten einen ersten langfristigen Mietvertrag mit einem guten und interessanten Mieter, Jysk, abschliessen, welcher den Standort und die Lage schätzt.» Dies spricht gemäss der Gebäudeeigentümerin dafür, dass dieser Standort ein gutes Zukunftspotenzial hat.

«Velorama» neu in ehemaliger Videothek

In die Räumlichkeiten der ehemaligen Videothek Löwen an der Spitalgasse 3 ist bereits neues Leben eingekehrt. Im Februar wurde bekannt, dass die Videothek nach rund 15 Jahren infolge eines Nachfragerückgangs schliessen musste (wir berichteten). Lange stand das
Ladenlokal jedoch nicht leer. Wie
Videothek-Betreiber Alfred Christen bereits Anfang Jahr vermutete, zeigte dessen ehemaliger Nachbar, das «Velorama» von Daniel Buchli, Interesse an den freien Räumlichkeiten. Inzwischen hat der Anbieter von Velos, Spezialfahrrädern und
E-Bikes sein Geschäft ausgeweitet und in der ehemaligen Videothek mit den grosszügigen Fensterfronten ein Ausstellungsraum eingerichtet. Zu Veränderungen kam es in den vergangenen Wochen auch bei der Sidler AG. Die Anbieterin von Beschriftungen aller Art verliess ihren angestammten Standort an der Bahnhofstrasse, gegenüber des Tona-Hauses. An der Talstrasse 35 bezog die Firma inzwischen neue Geschäftsräumlichkeiten. (oaw)

Dies war nicht immer so: Mit dem Wegzug von Denner und der Schliessung des Migros-Restaurants verlor das Geschäftszentrum seine Anziehungspunkte. Verschiedenen Ladenbetreibern und einer Pizzeria blieb der Geschäftserfolg in der Folge vergönnt; bis vor der Sanierung standen die Räumlichkeiten während Monaten leer. Ein Verkauf der Liegenschaft sei jedoch nie «Gegenstand einer ausführlichen Betrachtung» gewesen, sagt Michel, betont jedoch: «Als Verwalter von sehr vielen Gebäuden machen wir uns natürlich immer Gedanken über verschiedene Szenarien, was mit unseren Immobilien geschehen soll.»

Langfristige Vermietung sicherstellen

Mit der aktuellen Sanierung soll die Attraktivität der Liegenschaft gesteigert werden, um eine langfristige Vermietung sicherzustellen, informiert Michel. «Im Inneren machen wir den Grundausbau für die drei (je nach Mieter allenfalls auch nur zwei) Ladengeschäfte, aussen wird die Schaufensterfront neu gestaltet», konkretisiert er. Zum Schluss folgten dann noch die Umgebungsarbeiten.

Über das entsprechende Investitionsvolumen macht die AXA Winterthur keine Angaben. Deren Mediensprecher teilt jedoch mit, dass das Gebäude Anfang September fertig umgebaut sein wird, wobei die Umgebungsarbeiten nochmals einen weiteren Monat in Anspruch nehmen dürften. Ob im Anschluss an die Ladenfläche auch die Wohnungen in den Obergeschossen saniert werden, lässt Michel derzeit noch offen. «Die Liegenschaft wurde im Jahr 1984 gebaut. Eine Sanierung wird also in absehbarer Zeit notwendig werden.» Deren Zeitpunkt und Umfang stehe jedoch noch nicht fest.

Sortimentserweiterung für Langenthal

Die Tatsache, dass sich Jysk für die Eröffnung einer Filiale in Langenthal entschieden habe, zeige, dass der Markt in der Region Oberaargau durchaus interessant sei, sagt Daniel Bader. Der Präsident der Stadtvereinigung Langenthal (SVL) wertet den Zuzug des Möbelfachmarkts denn auch als Sortimentserweiterung für den Einkaufsstandort. Zudem sei ein Gebäude, in dem Leben herrsche, immer besser als leerstehende Mauern.

Die Detaillisten seien nicht zuletzt auch auf die Präsenz grösserer Ketten angewiesen, sagt Bader weiter. Denn diese würden eine neue Kundschaft nach Langenthal bringen, die ihre übrigen Einkäufe auch gleich vor Ort erledige. «Mit der Verstärkung des Trends zum ökologischen Einkaufen kommt diesem Umstand noch grössere Bedeutung zu.» Angst, dass das sanierte Geschäftshaus gemeinsam mit dem benachbarten Migros-Gebäude ein eigenes kleines Einkaufszentrum bilden und so zur Verzettelung der Kundenströme in Langenthal beitragen wird, hat der SVL-Präsident nicht. Im Gegenteil: «Es wirkt eher verbindend», sagt Bader. Denn nun existierten von der Marktgasse bis zur Wiesenstrasse durchgehend Geschäfte. So habe sich das Einkaufen etwa auch nach der Eröffnung der Überbauung Untere Marktgasse im vergangenen Jahr nicht von der Oberen Marktgasse wegverlagert, schildert Bader seinen Eindruck. «Das Angebot wirkt noch immer ergänzend.»

Nicht nur von der SVL profitieren

Noch nicht zufrieden ist der SVL-Präsident einzig mit der Tatsache, dass die in der Überbauung Untere Marktgasse domizilierten Geschäfte bis auf zwei Ausnahmen nicht Mitglied der SVL sind. «So können wir uns gegenseitig noch zu wenig unterstützen», bedauert Bader. Auch die Nutzung von Synergien sei auf diese Weise kaum möglich. Alle Geschäftsinhaber sollten jedoch ein Interesse daran haben, den Einkaufsstandort Langenthal zu fördern und weiter zu entwickeln. Dabei sei es auch notwendig, einen eigenen Beitrag dazu zu leisten und nicht einzig von den Bemühungen der SVL zu profitieren.

Als einen weiteren Schritt zur Attraktivierung des «Einkaufszentrums Langenthal» sieht Daniel Bader die Sanierung der Oberen Marktgasse an. Derzeit herrsche diesbezüglich so etwas wie eine Pattsituation und ein «Treten an Ort». «Nun haben wir den Zeithorizont des Kantonalen Jodlerfests vom kommenden Jahr, anschliessend muss die Umgestaltung zügig in Angriff genommen werden», fordert Bader. Unabhängig davon bemühe sich die SVL bereits seit längerem aktiv darum, bestehende Lücken im Langenthaler Einkaufssortiment zu schliessen und entsprechende Anbieter vom Standort Langenthal zu überzeugen. «Was beispielsweise derzeit noch fehlt, ist ein Herrenkleiderladen sowie ein Geschäft im mittleren Damensegment», sagt Bader.